Fairer Handel Doppelter Nutzen

Sogar Aldi macht inzwischen mit: Trotz Wirtschaftskrise kaufen die Deutschen immer mehr fair gehandelte Produkte. Den Verbrauchern beschert das ein gutes Gefühl, den Bauern gutes Geld.

Von C. Dohmen

Viele Verbraucher müssen wegen des Abschwungs stärker auf Preise achten, trotzdem kaufen sie zunehmend Produkte, die fair gehandelt werden. Ein Siegel signalisiert, dass bei der Herstellung soziale Standards eingehalten werden und die Produzenten einen Mindestpreis erhalten.

Der Dachverband für dieses Fairtrade-Siegel, die Fairtrade Labelling Organization International (FLO), geht für 2009 von einem Umsatzplus von durchschnittlich 15 Prozent für die 60 Länder aus, in denen solche Waren angeboten werden.

In Deutschland läuft es noch besser. Hier erwartet Dieter Overath, Geschäftsführer von Transfair, einen Anstieg um ein Viertel gegenüber dem Rekordjahr 2008 mit 213 Millionen Euro. Damit wächst der faire Handel deutlich schneller als jener mit konventionellen Produkten, der 2009 stagnieren dürfte.

Zu drei Vierteln aus biologischem Anbau

Viele Firmen setzen auf diesen Trend: So will der Discounter Lidl sein Sortiment an Transfair-Produkten vergrößern, mit Rossmann nimmt erstmals eine Drogeriekette faire Produkte flächendeckend ins Sortiment auf und Aldi testet bundesweit einen fair gehandelten Kaffee.

Daneben bieten traditionell 800 Weltläden die Produkte an - hier hat der faire Handel seinen Ursprung. Dreiviertel der heute angebotenen Fairtrade-Lebensmittel stammen auch aus biologischem Anbau.

Steigen dürfte der Umsatz beim fairen Handel in den nächsten Jahren, weil neue Produkte zertifiziert werden sollen, etwa Gold, Holz oder Shrimps. Beim Gold sei die Initiative erstmals vom Handel ausgegangen, sagt Overath.

Weltmeister England

Britische Juweliere reagierten damit auf die Wünsche ihrer Kunden nach sauber gehandeltem Goldschmuck. Überhaupt sind englische Verbraucher Weltmeister beim Kauf fair gehandelter Produkte: Jährlich geben sie dafür pro Kopf 14,43 Euro aus, in Deutschland sind es nur 2,58 Euro.

Faire Produkte, die meist teurer sind als konventionelle Ware, werden öfter von Gutverdienern als von Geringverdienern gekauft, sagt das Forum für fairen Handel.

Die Wirtschaftskrise birgt für den fairen Handel aber auch Gefahren, weil die Produzenten in den 59 Anbauländern - vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika - deutlich unter Druck stehen.

Meist handelt es sich um Kleinbauern, die in einer der 746 Kooperativen zusammengeschlossen sind, mit denen der faire Handel kooperiert. Einige Entwicklungen machen den Bauern zu schaffen: Da sind die hohen Nahrungsmittelpreise; meist übersteigen die Mehrausgaben für den Lebensunterhalt der eigenen Familie den Mehrerlös aus dem Verkauf der angebauten Nahrungsmittel.

Häufig fehlt die notwendige Zwischenfinanzierung

Außerdem erhält kaum eine Bauer mehr einen Kredit von seiner Bank. Damit fehlt vielen Landwirten die notwendig Zwischenfinanzierung bis zur Ernte.

Angesichts der verknappten Kredite schöpfen sie die Vorfinanzierungsmöglichkeit des fairen Handels aus. "Das reicht jedoch nicht", sagt Overath und verweist auf die harten Folgen.

Einzelne Bauern verkauften aus Geldnot bereits wieder Waren zu deutlich schlechteren Preise an die Zwischenhändler. Gerade deren Ausschaltung war ein zentrales Anliegen der Initiatoren des fairen Handels. Damit wird es für Kooperativen schwieriger ihre Lieferverpflichtungen einzuhalten.

Engpässe gab es bereits bei Mangos in Burkina Faso und Biokaffee in Tansania. Auch deswegen bemüht sich der faire Handel durch die Schaffung eines Hilfsfonds um Abhilfe. Auch auf europäischer Ebene verhandelt er mit Regierungen wegen eines Hilfstopfs von 20 Millionen Euro. Aktiv seien die Regierungen aus Frankreich, Irland und Schweiz sagt Overath. Deutschland sei bislang nicht dabei. In Einzelfällen können eigene Kreditorganisationen den Engpass abfedern.

Schrittmacher Starbucks

So haben einige Kooperativen in Peru dank der letztjährigen Einnahmen aus dem fairen Handel Genossenschaftsbanken gegründet. Allerdings verfügen sie noch nicht über ausreichend Kapital, um die Vorfinanzierung der Ernte ihrer Mitglieder komplett zu übernehmen.

Aufgeschlossener als früher sind laut Overath viele Konzerne gegenüber dem alternativen Handel. Unternehmen wie die Kaffeehauskette Starbucks oder die englischen Kaufhäuser Marks & Spencer seien Schrittmacher. Nicht jedes Unternehmen engagiere sich aus ethischen Gründen, sagt Overath.

Einige hätten schlicht erkannt, dass sie sich auf diesem Weg qualitativ hochwertige Rohstoffe in instabilen Regionen sichern könnten. So sei es in der Elfenbeinküste, dem größten Lieferanten von Kakao, wegen Unruhen immer wieder zu Lieferengpässen gekommen.

Der faire Handel ermögliche Firmen eine direkte Lieferbeziehung zum Hersteller. "Wenn sie als Hersteller auf den Spotmärkten einkaufen, dann kennen sie ihre Produzenten gar nicht mehr", sagt Overath.

Schub durch Großauftrag

Angesichts der steigenden Nachfrage der Unternehmen können einzelne Kooperativen nennenswerte Mengen über den fairen Handel absetzen, dies zeigt das Beispiel von Kuapo Kooco in Ghana. Etwa 50.000 Bauern arbeiten für diese Kooperative. Allein durch den Großauftrag des Getränke- und Süßwarenherstellers Cadbury-Schweppes stieg der Anteil des fairen Handels von drei auf 20 Prozent.

Die Mehrerlöse aus dem fairen Handel investieren die Kooperativen dann in Gemeinschaftsprojekte oder schütten sie an den einzelnen Bauern aus.