Facebook-Börsengang Zuckerberg, vom Zauberer zum Zocker

Facebook stand für die Kletterpartie raus aus dem wirtschaftlichen Jammertal, doch der Börsengang wird gerade zur Kapitalvernichtung der Extraklasse. Die Aktionäre sind entsetzt, Klagen sind angekündigt. Firmenchef Zuckerberg hat einen Hoffnungswert geplündert.

Ein Kommentar von Hans-Jürgen Jakobs

Die Welt liebt Helden, aber diese Zeit ist voller Anti-Helden. Sie mühen sich mit riesigen Schulden, drohenden Staatspleiten, Handelsdefiziten und Währungsturbulenzen ab. Sie leiten im Westen Konzerne, die sich der Attacken chinesischer Firmen erwehren müssen oder kaum eine Antwort auf die Herausforderungen der Klimakatastrophe haben.

Um wie viel glorioser erschien da doch der junge findige Unternehmer aus den USA, der an der Harvard University ein soziales Netzwerk fürs Internet erfunden hatte, der mehr als 900 Millionen Nutzer überall auf dem Erdball fand, der in Ehren von Staatsführern empfangen wurde und eine neue Ära der Marktwirtschaft zu begründen schien: jung, frei, digital.

Mark Zuckerberg und seine Firma Facebook schien das Symbol für den großen Aufbruch aus der Krise zu sein, für die Kletterpartie raus aus dem ökonomischen Jammertal. Mit einer Aufmerksamkeit, die sonst nur Stars aus Hollywood zuteil wird, ging der 28-Jährige am vorigen Freitag in New York an die Börse - und legte dort einen der schlimmsten Flops der jüngeren Wirtschaftsgeschichte hin. Binnen weniger Tage hat sich der Wert des Blendwerks Facebook um gut 19 Milliarden Dollar dezimiert, also um ein Sechstel. Das ist Kapitalvernichtung des Extraklasse.

Die Aktionäre sind entsetzt. Klagen sind angekündigt. Die Börsenaufsicht und der Regulierer ermitteln. Immer mehr Ungereimtheiten rund um den drittgrößten Börsengang in der US-Geschichte tauchen auf und legen nahe: Mark Zuckerberg ist kein Zauberer, er ist ein Zocker. Der hippe Gründer, seine Spießgesellen im Unternehmen und die begleitenden Banken haben nach allen Regeln der Gier Kasse gemacht. Sie haben einen Hoffnungswert geplündert. Das ist bitter für das System Börse, für den Standort USA und für die Netz-Gemeinde.

16 Milliarden Dollar haben die alten Facebook-Investoren durch diesen Skandal-Börsengang erlöst, die Banken nahmen mehr als 160 Millionen Dollar an Gebühren ein. Offenbar wurden in letzter Minute vor dem großen Abkassieren die Umsatzprogosen gesenkt, wovon nur Insider etwas mitbekamen. Und weil der Hype so groß war, erhöhten die Banken rund um Morgan Stanley kurz vor Ultimo die Zahl der ausgegebenen Aktien drastisch: auf 421 Millionen Papiere. Der Ausgabepreis lag mit 38 Dollar am oberen Rand. Klammheimlich erhielten einige Investoren das Recht, schon nach 90 Tagen - und nicht wie üblich nach 180 Tagen - ihre Papiere loszuschlagen. Der Glaube an künftiges Wachstum war wohl weniger stark ausgeprägt als der Drang zum schnellen Geld.