Euro-Krise Wir haben es vermasselt

Der Euro war von Anfang an ein Fehler. Er sollte Europa zusammenführen, doch an dieser Mission sind wir alle, Deutsche, Griechen, die in Brüssel gescheitert. Doch der Euro ist Realität, sein Ende wäre ein Höllengericht. Uns bleibt nur eines übrig: weiter kämpfen und bangen.

Ein Essay von Marc Beise

Mutig und voller Hoffnung haben wir uns einst in diese Beziehung gestürzt. Nur Geld? Ach was, es ging immer um mehr als klingende Münzen und abgegriffene Scheine. Geld kann, im richtigen Moment, ein Lebensgefühl sein, eine Perspektive. So wie beim Euro.

Diese Jahre des neuen Geldes gaben unserem Leben eine Richtung, und die hieß: Europa. Gerne immer enger, immer mehr davon, lasst uns aufräumen mit der nationalen Engstirnigkeit. Erst die Schlagbäume, dann die Grenzkontrollen, und nun die Wechselstuben: weg damit!

So schön wie am Anfang wurde es nie wieder

Es war nie blindes Begehren, natürlich nicht. Der Euro, das waren Gefühl und Verstand, von Anfang an. Solange beides zusammenging, war alles gut. Heute aber sträubt sich der Verstand, und das Gefühl ist eine wehmütige Erinnerung. "Wenn die Liebe vergeht, wird ein Traum vom Wind verweht. Alles, was noch übrig bleibt, ist Erinnerung an eine schöne Zeit." Schlager-Lyrik, eurotauglich.

So schön wie am Anfang wurde es nie wieder. Der Kaufmann dichtet nicht über den Zauber von Anfängen, er listet Soll und Haben auf. Aber das Einführen einer neuen Währung ist mehr als ein Geschäftsvorgang, mehr als Soll und Haben, es ist eben auch: Emotion.

Wenn eines fehlt in diesem unübersichtlichen Krisenjahr 2012, dann ist es das: Emotion! Stattdessen ist es im Sommer sehr verdächtig ruhig. Die Kanzlerin wandert in Südtirol, der Finanzminister ist auf Sylt. Beide verkörpern dieses und jenes, eines aber gewiss nicht: Emotion. Ein ganzes Volk ist (oder war bereits) im Ferienmodus, alles wie immer. Der Job? Noch sicher. Mehr Geld als sonst, die guten Jahre zahlen sich nun aus, für viele, nicht für alle. Die Statistiker registrieren viele Jobangebote. Die Kaufhäuser sind weiter voll, die Schlangen an den Tankstellen oft lang. Das Verbrauchervertrauen ist weiterhin hoch. So richtig passiert ist nichts - aber wir merken doch, dass sich die Dinge unter der Oberfläche gefährlich verschieben.

Ein neuer Ton in der Luft

Der Euro rutscht uns weg. Die Kollegen von der Zeit fanden dafür neulich das Bild eines abstürzenden Flugzeugs. Dort sei es, keine Ahnung, woher die das wissen!, totenstill - bis der Aufprall kommt. Totenstill, im übertragenen Sinne, ist es auch bei uns, noch. Aber in diesen Sommertagen, ganz konkret in dieser Woche, ist ein neuer Ton in der Luft.

Krisendiplomatie. Der amerikanische Finanzminister lädt sich selbst beim deutschen Finanzminister auf Sylt ein. Die Kanzlerin urlaubt demonstrativ weiter, aber sie behält das Telefon am Ohr. Die Zentralbanker wollen Geld drucken auf Teufel komm raus. Die Mächtigen der Welt stehen zum Euro, sie erklären ihn ausdrücklich für sicher, und je bestimmter sie das erklären, desto mehr erkennen wir: Da stimmt etwas nicht.

Stimmte es je? Für uns schon.