Entschädigung Siemens und Athen einigen sich in Korruptionsstreit

Reihenweise hat Siemens in Griechenland Entscheidungsträger geschmiert. Jetzt haben beide Seiten die Korruptionsaffäre mit einem Vergleich beendet. Der Münchner Konzern investiert mehrere hundert Millionen Euro in dem krisengeschüttelten Land - unter anderem in die Korruptionsbekämpfung.

Von Tasos Telloglou und Klaus Ott

Die deutsch-griechischen Beziehungen sind derzeit ziemlich angespannt, aber ein unerfreuliches Kapitel wird jetzt beendet. Die Regierung in Athen hat am Donnerstagabend einem Vergleich mit der von München aus weltweit operierenden Siemens AG zugestimmt.

Der Industriekonzern hatte früher reihenweise Politiker, Beamte und Geschäftspartner in Hellas geschmiert, um lukrative Aufträge zu erhalten, und engagiert sich als Entschädigung nun in großem Umfang in dem klammen Staat am Mittelmeer.

Das verabredete Paket, in dem nicht nur Mittel von Siemens enthalten sind, hat ein Volumen von insgesamt einigen hundert Millionen Euro. Siemens äußert sich offiziell bislang nicht zu dem Vergleich, da dieser noch vom Parlament in Athen abgesegnet werden müsse. Aus Konzernkreisen heißt es, die Übereinkunft sei ein "Signal pro Griechenland". Beide Seiten wollten nach den Streitigkeiten der vergangenen Jahre nun "nach vorne schauen" und mit Investitionen in verschiedene Projekte neue Arbeitsplätze in dem Land schaffen, das sich in einer schweren Krise befindet.

Siemens will seine griechische Tochtergesellschaft in diesem Jahr mit 100 Millionen Euro unterstützen. Außerdem sollen gemeinsame Projekte mit Hellas im Wert von 60 Millionen Euro angegangen werden. Siemens verzichtet ferner darauf, dass der in Not geratene Mittelmeer-Staat noch offene Rechnungen in Höhe von 80 Millionen Euro begleicht.

Schließlich unterstützt der Konzern Griechenland, dessen teilweise darnieder liegende Verwaltung reformiert werden muss, mit Programmen im Wert von 100 Millionen Euro. Gedacht ist beispielsweise an gezielte Maßnahmen gegen die grassierende Korruption. Auf diesem Gebiet hat Siemens nach dem eigenen Schmiergeldskandal viel getan. 600 Experten, die für saubere Geschäfte sorgen sollen, sind heute in dem Konzern tätig.

Griechenland bescheinigt Siemens, dass es sich heute um ein "zuverlässiges und verantwortungsvolles Unternehmen handelt". Damit kann der Konzern wieder an allen Ausschreibungen von öffentlichen Aufträgen teilnehmen.