Entlassung von BER-Technikchef Amann Verloren in der Entrauchungsmatrix

Bauarbeiter am Hauptstadtflughafen BER im Januar 2013. Frühestens 2015 soll der Pannen-Flughafen eröffnet werden.

(Foto: Getty Images)

Am Berliner Pannen-Flughafen BER kennen sich auch die Experten nicht mehr aus. Deshalb muss Technik-Chef Amann jetzt seinen Posten räumen. Bevor klar ist, wie es mit dem Umbau weitergeht, wird europaweit erst einmal ein Ingenieur gesucht, der die Entrauchungsanlage versteht.

Von Constanze von Bullion, Berlin

Monate haben sie sich gestritten, übereinander geschimpft und alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den anderen loszuwerden. Nun hat der Berliner Flughafenchef Hartmut Mehdorn den Zweikampf gewonnen. Sein Technikchef Horst Amann, der erst im letzten Jahr vom Flughafen Frankfurt nach Berlin geholt wurde, um die spektakuläre Pannenserie auf der Baustelle zu beheben, wird vorzeitig von seinem Posten entbunden. Das erklärte der kommissarische Aufsichtsratschef Klaus Wowereit am Mittwoch nach einer Sitzung des Gremiums, die bis in die Nacht ging.

Amann ist bereits der dritte Geschäftsführer in Folge, der vom Aufsichtsrat geschasst wird. Vorausgegangen waren Monate des Streits mit Mehdorn, der Amann vorwarf, die nötigen Korrekturen und Umbauarbeiten am Flughafen zu bremsen statt zu beschleunigen. Zuletzt war noch auf einen Rausschmiss von Amann verzichtet worden, weil sie den Flughafen rund eine Million Euro kosten würde. Ob der Aufsichtsrat sich auf eine entsprechende Zahlung einigte, war zunächst offen.

Bei gut fünf Milliarden Euro sollen die Baukosten für den Flughafen inzwischen liegen, auch weil das Projekt sich immer länger hinzieht. Der Nicht-Betrieb kostet im Monat um die 35 Millionen Euro, für Umbauten müssen weitere Millionen nachgeschossen werden. Klaus Wowereit, der kommissarische Aufsichtsratschef, der den Posten bald wieder hauptamtlich übernehmen könnte, hat Gesamtkosten von fünf Milliarden Euro bislang zwar nicht bestätigt, doch vor der Aufsichtsratssitzung hatte Brandenburgs Flughafenbeauftragter Rainer Bretschneider schon signalisiert, dass ein solches Szenario denkbar sei.

Ein Ungetüm aus Rohren und Klappen

Dabei hatten sich die Aufsichtsräte diesmal eigentlich erfreulicheren Themen widmen wollen: Fortschritten auf der Baustelle. Dort wird nun die Entrauchungsanlage umgebaut, die dafür sorgen soll, dass bei einem Brand Rauch aus dem Terminal abgesaugt wird. Das Ungetüm aus Rohren und Klappen muss in drei Bereiche aufgeteilt werden, hat die Baugenehmigungsbehörde verfügt. Zudem wurde Siemens beauftragt, eine neue Steuerung zu installieren, die die Brandschutztüren und die Zufuhr von Frischluft koordiniert. Bislang war Bosch für die Türsteuerung zuständig. Dass dies nun Siemens übernimmt, gehe nicht auf Fehler von Bosch zurück, sagte ein Sprecher von Bosch, sondern auf neue Anweisungen der Baubehörde.

Offenbar ist man bei Siemens eher mäßig begeistert von der ehrenvollen Aufgabe, nun den Berliner Flughafen retten zu dürfen. Denn klappt es wieder nicht, droht dem Konzern ein empfindlicher Imageschaden. Zur Sicherheit hat Siemens daher eine lange Umbauphase von 18 Monaten angekündigt. 92.000 Meter Kabel müssen allein im Terminal neu verlegt und neue Fenster eingebaut werden. Volumen des Auftrags: 14 Millionen Euro.

"Wir wissen jetzt, was zu tun ist, und wie wir den Brandschutz flottkriegen", sagte kürzlich Berlins Flughafensprecher Ralf Kunkel. Andere schlugen nicht ganz so optimistische Töne an. Denn bevor Siemens loslegen kann, muss der Flughafen valide Planungen für den Umbau vorlegen, was bisher nicht gerade zu den Stärken am BER gehörte. Auf die Frage, wann die Planung abgeschlossen sei, sagte ein Verantwortlicher auf der Baustelle: "Wir machen das scheibchenweise. Wenn alles läuft, wird bis Weihnachten alles übergeben."

Selbst wenn der Umbau glattläuft, kommt noch ein monatelanger Probebetrieb

Über die Mehrkosten für die Umplanungen wollte am Mittwoch der Aufsichtsrat befinden. Vor der Sitzung wurde nicht ausgeschlossen, "dass es ein bisschen kracht", wie ein Projektbeteiligter sich ausdrückte. Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke), hat im Aufsichtsrat kürzlich schon protestiert, als mal eben elf Millionen Euro für den Ausbau des instabilen Wlan-Netzes nachgeschossen werden sollten. Eine weitere Finanzspritze für die Umplanung beim Brandschutz könnte nun für weitere Kontroversen sorgen, hieß es vor dem Treffen.

Vor Ende 2015 dürfte der Flughafen nicht eröffnen. Denn selbst wenn der Umbau glattläuft, kommen noch Monate im Probebetrieb. Das größte Problem, bemerkt ein Ingenieur, sei ohnehin ein anderes: Die Matrix der Entrauchungsanlage, eine Art Betriebsplan mit hoch kompliziertem Muster, ist nicht fertig. Aus einem baubeteiligten Unternehmen ist zu hören, es gebe am Flughafen niemanden, der die Matrix fertigstellen könne. Nun werde europaweit nach Planungsexperten gesucht.