Empörung in Union über Deutsche-Bank-Chef Schäuble weist Fitschen zurecht

Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen

"Im Ton vergriffen" - "da fehlen einem die Worte": Finanzminister Schäuble und andere Unionspolitiker empören sich über Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen. Der hatte gefordert, die Banken weniger hart anzupacken, nachdem sein Institut gerade erst zu 725 Millionen Euro Strafe verdonnert worden war.

Der Streit zwischen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und dem Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, über die weitere Regulierung der Finanzindustrie eskaliert. Nach Kritik Fitschens konterte Schäuble am Donnerstag in ungewöhnlich scharfer Form.

Wenn sich Fitschen seine Aussagen noch mal genauer anschaue, werde er sicher zur Erkenntnis kommen, dass er in der Sache nicht recht habe. "Und im Ton hat er sich ganz sicher vergriffen", sagte Schäuble nach einer Sitzung des Stabilitätsrates.

Fitschen hatte am Mittwochabend gesagt: "Es kann nicht sein, dass man sich hinstellt und sagt, die Banken umgehen immer noch die Regeln."

Der Bankchef, der auch Präsident des Branchenverbandes BdB ist, bezeichnete es als unverantwortlich und populistisch, die Fortschritte im Bankenbereich nicht zur Kenntnis zu nehmen. Die aktuellen Schlagzeilen hätten mit Dingen zu tun, die vor vielen Jahren passiert seien. Deshalb sei es nicht in Ordnung, wenn man so tue, als ob es bei den Banken so weitergehe wie in den Jahren vor der Finanzkrise 2008/2009.

Schäuble hatte sich zuvor im Handelsblatt-Interview gegen eine Regulierungspause für Banken ausgesprochen und dies damit begründet, dass die Kreativität der Institute, die Regulierung zu umgehen, weiter groß sei. Fitschen wies dies zurück. Es könne nicht sein, dass man sich hinstelle und sage, die Banken umgingen immer noch die Regeln.

Die Kritik Fitschens an Schäuble stößt in der Union auf Empörung. "Die Banken sollten, statt Politiker zu schelten, lieber eine zurückhaltende Selbstkritik an den Tag legen", sagte Fraktionsvize Michael Meister (CDU). Und Fraktionskollege Klaus-Peter Flosbach hielt Fitschen vor, einen "bemerkenswerten Zeitpunkt" gewählt zu haben: "Gerade in dem Moment, in dem seine Bank eine Strafe von fast 800 Millionen Euro wegen Manipulation von Referenzzinssätzen erhält, fordert er ein Lob für die Banken. Da fehlen einem die Worte."