Ikea Ikea-Gründer Ingvar Kamprad mit 91 Jahren gestorben

Ikea-Gründer Kamprad. (Archivbild)

(Foto: picture alliance / dpa)

Als Kind verkaufte er Streichhölzer an Nachbarn, später wurde der Schwede mit Möbeln zum Selberbauen zu einem der reichsten Männer der Welt.

Von Gunnar Herrmann und Lea Kramer

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist tot. Der 91-jährige Milliardär verstarb am Wochenende in seinem Haus in der schwedische Provinz Småland. Er sei nach kurzer Krankheit "in Ruhe eingeschlafen", bestätigte das Unternehmen am Sonntag. "Es ging ruhig und still zu. Wenn man 91 Jahre alt ist, dann ist es nicht so eigenartig, dass der Körper aufgibt", sagte Göran Grosskopf, einer der engsten Berater Kamprads, schwedischen Medien.

Mit dem Tod des Möbelhaus-Gründers endet eine Ära der schwedischen Wirtschaftsgeschichte. Wie keine andere Persönlichkeit prägte und inspirierte er ganze Generationen von Unternehmensgründern in dem skandinavischen Land.

Vom Postversand zum globalen Konzern

Die Geschichte begann in Småland, dort wo das Leben des Möbelhaus-Magnaten nun auch endete. Feodor Ingvar Kamprad wurde 1926 auf dem Hof Elmtaryd bei Agunnaryd als Sohn eines Forst- und Gutsbesitzers geboren. Die Großeltern waren dorthin 1896 aus Thüringen eingewandert. Schon um die Kindheit des Unternehmers ranken sich allerlei Geschichten, die er auch selbst gerne erzählte, etwa seinem Biografen Bertil Torekull, der das bis heute maßgebliche Buch über Kamprads Lebensgeschichte verfasst hat.

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Der Erzählung zufolge besuchte der kleine Ingvar zum Beispiel bereits als Schuljunge die armen Nachbarn mit dem Fahrrad und verkaufte ihnen Streichhölzer. Schon nach kurzer Zeit expandierte er und bot auch Kugelschreiber, Uhren oder Nylonstrümpfe an. 1943, mit 17 Jahren, gründete Ingvar Kamprad vom Hof Elmtaryd im Dorf Agunnaryd seine Firma, als Namen wählte er einfach seine Initialen und die Anfangsbuchstaben seines Herkunftsortes: Ikea.

Das Unternehmen entwickelte sich zunächst zu einem florierenden Postversand. 1951 kam der erste Ikea-Katalog heraus, den damals noch der Milchmann verteilte. Nach ein paar Jahren spezialisierte sich Kamprad dann auf Möbel. Der große Durchbruch kam mit der Idee, Schränke, Tische und Regale als Bausätze zu liefern, um Frachtkosten zu sparen. Das erste Möbelhaus eröffnete er 1953 im småländischen Älmhult, wo heute noch Teile der Konzernleitung ihren Sitz haben. Von dort ging es in die ganze Welt: erst nach Stockholm und dann ins Ausland.

Einer der wichtigsten Meilensteine in der Firmengeschichte des Konzerns: Die Eröffnung der ersten deutschen Filiale in Eching bei München im Jahr 1974. Deutschland wurde zum größten Markt für die praktischen Möbel-Bausätze aus dem Norden. Inzwischen gibt es Billy-Regale aber überall: In mehr als 40 Ländern hat der Konzern seine blau-gelben Warenhäuser errichtet. Er verkauft dabei nicht nur Möbel, sondern auch skandinavische Lebensart. Erst 2017 erhielt Kamprad einen Preis dafür, dass er mit seinem Unternehmen nordische Sprache und Kultur in der Welt bekannt gemacht hat.

Nazi-Vergangenheit und Steuervermeidung

In seiner langen Karriere musste der Ikea-Gründer allerdings auch immer wieder Kritik einstecken. Eine der schlimmsten PR-Krisen für Ikea war es, als 1994 bekannt wurde, dass der Firmengründer, dessen Großeltern deutsche Einwanderer waren, während des Zweiten Weltkrieges schwedische Nazi-Organisationen unterstützt hatte. Kamprad meisterte diese Krise mit Offenheit: Er entschuldigte sich umgehend in einem handschriftlichen Brief an seine Mitarbeiter für "die größte Dummheit" seines Lebens. Außerdem beauftragte er einen Fachmann damit, alle Details aus seiner Nazi-Vergangenheit auszugraben und der Presse zur Verfügung zu stellen.

Kritik bekam der Konzern auch immer wieder wegen seines Finanzgebarens. Um Steuern zu sparen, wandelte Kamprad die Firma 1982 in eine Stiftung mit Sitz in den Niederlanden um. Der Konzern spaltet sich inzwischen in viele Firmen auf, die in Liechtenstein, Luxemburg, Schweden und den Niederlanden registriert sind. Im Geschäftsjahr 2015/2016 lag der Erlös von Ikea weltweit bei 34,2 Milliarden Euro, davon wurden 4,75 Milliarden Euro in Deutschland erwirtschaftet.

Kamprad selbst zog in den 70er Jahren mit seinen Milliarden nach Lausanne in die Schweiz. Erst seit 2014 lebte Kamprad wieder in Schweden. Bei aller Kritik blieb er allerdings in seinem Heimatland immer sehr populär. Dazu trug auch sein betont bescheidenes Auftreten bei. Er gab bis ins hohe Alter Interviews und nahm auch an der Eröffnung neuer Filialen Teil, obwohl er sich bereits Ende der 80er Jahre aus dem operativen Geschäft von Ikea zurückgezogen hatte. Nach außen hin pflegte er dabei stets den bodenständigen Lebensstil eines typischen Småländers - die Menschen dieses Landstrichs sind in Schweden für ihre Sparsamkeit berüchtigt. So fuhr der Milliardär Berichten zufolge einen 15 Jahre alten Volvo, fragte Angestellte schon mal nach einer Portion Lutschtabak und reiste angeblich nur zweiter Klasse. Sein Vermögen und das seiner Kinder wird auf bis zu 40 Milliarden Euro geschätzt.

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