Luftfahrt Air Berlin meldet Insolvenz an

Die Fluggesellschaft Air Berlin hat Insolvenzantrag gestellt.

(Foto: AFP)
  • Trotz der Insolvenz von Air Berlin soll der Flugbetrieb mit Hilfe eines Kredits des Bundes weitergehen.
  • Die Lufthansa signalisiert Interesse an einzelnen Betriebsteilen.

Air Berlin ist pleite. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft stellte einen Insolvenzantrag, nachdem ihr der Großaktionär und Geldgeber Etihad Airways den Geldhahn zugedreht hat.

Damit sei keine "positive Fortführungsprognose" mehr gegeben, erklärte die Führung von Air Berlin. Diese ist Voraussetzung, dass ein überschuldetes Unternehmen um einen Insolvenzantrag herumkommt.

Der Flugbetrieb solle mit Hilfe eines Überbrückungskredits der Bundesregierung weitergehen, erklärte Air Berlin. Der Kredit ist mit einer Bundesbürgschaft abgesichert. Der 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes sichere den Flugbetrieb der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin für ungefähr drei Monate, sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Zugleich äußerte sie sich zuversichtlich, dass in den nächsten Monaten eine Übernahme von Teilen der Airline durch die Lufthansa gelingen könnte. Der Kredit schaffe für den Übergang einen Rahmen.

Verhandlungen unter anderem mit dem Konkurrenten Lufthansa über einen Verkauf von Betriebsteilen liefen bereits, erklärte Air Berlin. Die Fluggesellschaft will sich in Eigenverwaltung, also ohne einen Insolvenzverwalter sanieren. Zypries schloss aus, dass der Bund Schulden von Air Berlin übernehmen könnte, um eine Übernahme zu ermöglichen.

Auch die britische Airline Easyjet soll einem Insider zufolge an dem Kauf von Teilen der insolventen Air Berlin interessiert sein, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Dabei gehe es vor allem um die Übernahme der Start- und Landerechte (Slots). "Ziel war es, Ryanair draußen zu halten", sagte der mit der Sache Vertraute mit Blick auf die bisherigen Verhandlungen. Zudem sollten die großen Flughafenstandorte von Air Berlin in Düsseldorf und Berlin gesichert werden. Easyjet wollte sich zu den Angaben nicht äußern.

Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit reagiert empört

Die Lufthansa erklärte, sie unterstütze gemeinsam mit der Bundesregierung die Restrukturierungsbemühungen der Fluggesellschaft. "Damit wird unter anderem gewährleistet, dass die von Air Berlin geleasten Flugzeuge, die aktuell für Eurowings und Austrian Airlines fliegen, wie bisher weiterbetrieben werden können."

Die Verhandlungen über den Erwerb von Teilen der Air-Berlin-Gruppe böten auch die Möglichkeit zur Einstellung von Personal. "Lufthansa beabsichtigt, diese Verhandlungen zu einem schnellen und positiven Ergebnis zu führen." Air Berlin beschäftigte laut Geschäftsbericht zuletzt rund 8500 Mitarbeiter. Seit Jahren fliegt das Unternehmen Defizite ein, 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro.

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Die Lage verschärfte sich bereits Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan. Flugausfälle und Verspätungen häuften sich danach.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) teilte mit, die Nachricht sei "für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Air Berlin, die seit Bestehen der Airline eine hervorragende Arbeit leisten, ein Schock".

Etihad lasse Air Berlin "fallen wie eine heiße Kartoffel, obwohl neue Investoren Interesse signalisiert haben", kritisierte VC. "Hier zeigen die Investoren vom Golf ihr wahres Gesicht."

Etihad erklärte hingegen, die Fluggesellschaft mit Sitz in Abu Dhabi könne kein weiteres Geld mehr bereitstellen: "Diese Entwicklung ist äußerst enttäuschend für alle Beteiligten, vor allem da Etihad in den vergangenen sechs Jahren weitreichende finanzielle Unterstützung für Air Berlin während früherer Liquiditätskrisen und für deren Sanierungsbemühungen gewährt hat." Erst im April habe Etihad demnach weitere 250 Millionen Euro zugeschossen.

"Doch das Geschäft von Air Berlin hat sich in einer beispiellosen Geschwindigkeit verschlechtert." Die Fluggesellschaft war 2011 bei Air Berlin eingestiegen und hält knapp 30 Prozent an der Airline.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa überwies der arabische Partner Etihad schon am Mittwoch eine vereinbarte Kredittranche in Höhe von 50 Millionen Euro nicht. Am Freitagabend habe Etihad dann mitgeteilt, Air Berlin künftig nicht mehr zu unterstützen, hieß es unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Die 50 Millionen Euro wären Teil eines Darlehens über insgesamt 350 Millionen Euro gewesen, den Etihad Air Berlin Ende April zugesagt hatte.

Die neue Lage hat die börsennotierte Air Berlin nach Darstellung aus unternehmensnahen Kreisen nicht sofort per Ad-hoc-Mitteilung melden müssen, weil sie sich damit selbst geschadet hätte. Ohne weitere Gespräche etwa über einen Brückenkredit der Bundesregierung hätte das die sofortige Einstellung des Flugbetriebs bedeutet.

Mit herzlichen Grüßen

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