Discounter Aldi Nord und Aldi Süd wachsen zusammen - zumindest ein bisschen

Zwei Taschen, zwei Welten: Die Aldi-Brüder teilten ihr Reich 1961.

(Foto: Roland Weihrauch/dpa)
  • Erstmals in der Konzerngeschichte schalten die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd gemeinsam Werbekampagnen.
  • Bereits im Jahr 1961 haben die beiden Brüder Karl und Theodor Albrecht ihr Aldi-Reich untereinander aufgeteilt - das ist bis heute deutlich spürbar.
Von Varinia Bernau, Essen

Der Controller zieht den Stecker: Diese Partys mit üppig beladenem Buffet und von Technomusik beschallten Whirlpools, die Zeus auf dem Olymp schmeißt, sind zu teuer. Aber, wendet der Göttervater ein, die Menschen machen das doch auch. Die Menschen, belehrt ihn die Spaßbremse mit dem Taschenrechner, haben Aldi. Da sei das billiger. Also steigt Zeus hinab.

Es ist weniger der Plot des Werbefilms, der überrascht. Es ist die Tatsache, dass es diesen Spot gibt: Von Mitte Oktober an soll er in deutschen Kinos laufen. Nie zuvor hat der stets auf Zurückhaltung bedachte Discounter Werbung geschaltet. Er ließ den Preis für sich sprechen. Nun möchte er, wie Jeannette Thull aus der Geschäftsführung von Aldi Süd sagt, auch über seine Werte sprechen. Mit Spots in Kino, Radio und Fernsehen sowie 50 000 Plakaten. Alle mit dem Claim "Einfach ist mehr". Der Berliner Rapper Fargo hat sogar einen Song über die wunderbar einfache Welt der Kinder geschrieben. Aldi bietet ihn zum kostenlosen Download an und lädt demnächst zum Konzert in eines seiner Lager.

Die Kampagne ist die erste, die Aldi Nord und Aldi Süd gemeinsam entworfen haben. Damit durchbrechen die Unternehmen jenen unsichtbaren Aldi-Äquator, der sich quer durch die Republik, ach was, die ganze Welt zieht. Bereits 1961 haben sich die beiden Brüder Karl und Theodor Albrecht, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem elterlichen Lebensmittelgeschäft in Essen Deutschlands größten Discounter formten, ihr Reich aufgeteilt. Die Demarkationslinie ist spürbar, in den Filialen und im Sortiment, in der Unternehmenskultur und den Bilanzen: Spröde, schlicht und etwas schrullig im Norden; moderner, genussreicher und umsatzstärker im Süden. Während Karl Albrecht die Nachfolge bei Aldi-Süd frühzeitig an einen familienfremden Manager übergab, lähmt Aldi-Nord gerade ein bizarrer Streit zwischen den Erben des 2010 verstorbenen Theo.

Konsumforscher attestieren Aldi eine treue Kundschaft unter Senioren, bei den Jungen hapert's

Doch bei allen Unterschieden, so betonen die Unternehmen nun, verbinde beide etwas: das Bemühen, es den Kunden einfach zu machen. Und das passe heute perfekt. "Einfachheit ist der Luxus unserer Zeit", sagt Jeannette Thull. Stress und die Qual der Wahl prägten den Alltag. Der Kunde werde zum Opfer jener komplexen Welt, die er selbst mit all seinen widersprüchlichen Wünschen schaffe - etwa dem nach mehr Qualität zu einem niedrigeren Preis.

Mit seinem schlichten Sortiment gebe Aldi einem die Zeit zurück, die man anderswo verliere, wenn man in einem vollgestopften Regal ein Shampoo suche. Und für alle, die das noch nicht verstanden haben, gibt es nun neben dem Handzettel mit den Sonderangeboten auch: Werbung. Die Kampagne dürfte eine Antwort auf die Analysen deutscher Konsumforscher sein, die Aldi zwar eine treue Kundschaft unter den Senioren attestieren, aber auch deutlichen Nachholbedarf bei den Jüngeren.

Natürlich könnte man einwenden, dass sich die Komplexität noch stärker reduzieren ließe - etwa wenn sich beide Unternehmen zu einem zusammentun. Doch ganz so einfach ist es selbst im Aldi-Reich nicht. "Wir fühlen uns in dieser Situation sehr wohl, das soll auch so bleiben", betont Kay Rüschoff, oberster Marketing-Mann bei Aldi-Nord. Deshalb gibt's auch zwei Kinospots: Die Tüten, die Zeus von den Menschen zurück zu den feierfreudigen Göttern bringt, tragen einmal das Logo von Aldi-Nord und einmal das mit dem gelben Rand von Aldi-Süd.

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