Dieselskandal Ermittler durchsuchen Wohnungen von Ex-Audi-Vorständen

Neue Durchsuchungen bei ehemaligen Audi-Vorständen

(Foto: dpa)
  • Die Staatsanwaltschaft München II weitet Ermittlungen im Dieselskandal aus.
  • Privatwohnungen von drei weiteren Beschuldigten wurden durchsucht, darunter laut Staatsanwaltschaft zwei ehemalige Vorstände.
  • Vor wenigen Wochen hatten die Ermittler bereits die Ingolstädter Zentrale und das Audi-Werk in Neckarsulm durchsucht.

Im Dieselskandal bei der VW-Tochter Audi hat die Staatsanwaltschaft München II Privatwohnungen und in einem Fall auch das Büro von drei weiteren Beschuldigten durchsucht. Betroffen seien auch zwei ehemalige Vorstände von Audi, teilte die Behörde am Donnerstag mit. Es bestehe der Verdacht, dass die Beschuldigten mitverantwortlich dafür gewesen seien, einen wesentlichen Teil der mit manipulierten Dieselmotoren ausgestatteten Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Aktuelle Mitglieder des Audi-Vorstands seien nach wie vor nicht unter den inzwischen 17 Beschuldigten, hieß es in der Mitteilung weiter.

Vor wenigen Wochen hatte die Staatsanwaltschaft München II bereits die Ingolstädter Zentrale und das Audi-Werk in Neckarsulm durchsucht. Die Strafverfolger ermitteln wegen des Verdachts, Audi habe mehr als 200 000 Dieselfahrzeuge für den europäischen und den US-amerikanischen Markt manipuliert. Mit einer speziellen Software sei die Schadstoffreinigung beim Betrieb auf der Straße weitgehend ausgeschaltet worden. Optimal funktioniert habe die Abgasreinigung nur auf dem Prüfstand, bei den offiziellen Messungen der Behörden.

Bei der ersten Razzia ging es noch nur um Manipulationen in den USA

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Untersuchungen wiederholt ausgeweitet; jeweils nach Hinweisen des in Flensburg ansässigen Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Das Amt, das dem Bundesverkehrsministerium unterstellt ist, überprüft seit Beginn der Abgasaffäre bei Volkswagen im September 2015 zahlreiche Modelle in- und ausländischer Autohersteller.

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Bei einer ersten Razzia bei Audi im März 2017 war es nur um 80 000 Fahrzeuge für den US-Markt gegangen. Da ging es um den Verdacht, Audi habe Käufer von Dieselfahrzeugen betrogen und verbotene Werbung betrieben. Die Ermittlungen richteten sich zu diesem Zeitpunkt noch gegen unbekannt. Der Audi-Mutterkonzern Volkswagen hatte zuvor bei den US-Behörden nicht nur eigene Verfehlungen eingeräumt, sondern darüber hinaus auch zugegeben, dass auch Audi an der Täuschung von US-Behörden und dortigen Verbrauchern mitgewirkt habe.

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 14 heutige oder frühere Beschäftigte von Audi, teilweise wegen Beihilfe zu den mutmaßlichen Delikten. Zahlreiche Beschuldigte waren oder sind in der Motorenentwicklung beschäftigt, das geht hinauf bis zum mittleren Management. Unter den Verdächtigen ist ein Ex-Spitzenmanager: Wolfgang Hatz, ehedem Chef der Aggregate-Entwicklung bei Audi.

Hatz, der im VW-Konzern Karriere machte und zuletzt dem Porsche-Vorstand angehörte, sitzt seit Ende September 2017 in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, in die Abgasaffäre verwickelt zu sein. Der Ingenieur bestreitet das. Hatz hat über seine Anwälte Haftbeschwerde eingelegt. Das Landgericht München I wies die Beschwerde zurück. Nun muss das Oberlandesgericht München in zweiter Instanz entscheiden.

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