Boeing präsentiert die neue Generation seines Kultfliegers "747". Aber die besten Zeiten des Jumbos sind vorbei. Die Neuentwicklung ist für den Konzern ein finanzieller Albtraum.
Joe Sutter hat an diesem Wochenende wieder eine Ausnahme gemacht. Normalerweise verbringt der 89-Jährige den verregneten Seattler Winter lieber in seiner Ferienwohnung auf der Insel Kauai, Hawaii, und spielt mit einem der vielen dort pensionierten Piloten eine lange Runde Golf, um dabei über die alten Zeiten zu plaudern.
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Die neue Boeing 747-8 kurz vor ihrem ersten Testflug im Februar 2009 in Washington. (© AFP)
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Doch für Golf und die Freunde ist jetzt keine Zeit. Sutter hat sich ins Flugzeug gesetzt für die fünf Stunden von Kauai in die alte Heimat. Es gibt Wichtiges zu erledigen. Denn am Sonntag präsentiert der amerikanische Luftfahrtkonzern Boeing vor großem Publikum die neueste Version seines größten und berühmtesten Langstreckenjets 747. Der erste Prototyp der 747-8 Intercontinental ist fertig gestellt, soll im März erstmals fliegen. Ungefähr ein Jahr später soll Lufthansa ihre erste Maschine bekommen. Die deutsche Fluggesellschaft hat 20 Maschinen des Typs bestellt und ist damit der mit Abstand wichtigste Abnehmer.
Joe Sutter ist sich seiner Sache sicher. "Die Boeing 747 wird es immer geben, wir werden sie immer weiter bauen." Es wäre auch überraschend, wenn der Mann anderer Meinung wäre. Sutter war in den 60er Jahren Chefingenieur des 747- Programmes und ist seither geradezu eine Ikone des Boeing-Konzerns. Auch mehr als 20 Jahre nach seiner Pensionierung hat er immer noch einen Beratervertrag und ein Büro in der Konzernzentrale, bei vielen wichtigen strategischen Fragen wird er zu Rate gezogen.
Etwas objektiver betrachtet liegen die besten Zeiten der 747 allerdings weit in der Vergangenheit. Insgesamt hat Boeing vom Jumbo-Jet rund 1400 Flugzeuge verkauft, der damit als einer der erfolgreichsten Jets gelten darf. Die neueste Version ist hingegen bislang eher ein Ladenhüter, obwohl Boeing das Flugzeug deutlich vergrößert und modernisiert hat. Neben Lufthansa haben nur noch Korean Air und einige sehr reiche Scheichs die Passagierversion gekauft. Die Frachtervariante ist beliebter.
Die Lufthansa wollte den neuen Jumbo
Dass es die neue 747 überhaupt gibt, ist zu großen Teilen der Lufthansa zu verdanken. Die Fluggesellschaft drängte Boeing jahrelang, einen Flieger zu bauen, der mit 450 Sitzen deutlich kleiner als der Airbus A380, aber größer als andere Flugzeuge ist. Boeing gab dem Werben schließlich nach, auch dank Joe Sutter.
Die Premiere des neuen Jets kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Prioritäten verschoben haben. Zeitgleich mit der neuen 747 entwickelt Boeing auch den kleineren Langstreckenjet 787, dessen mehr als dreijährige Verspätung mittlerweile Sinnbild für zu ambitionierte Technologievorhaben ist. Die Entwicklungskosten für das Flugzeug explodierten und dürften nach inoffiziellen Schätzungen bei fast 20 Milliarden Dollar liegen, mehr als doppelt so viel wie veranschlagt.
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