Die CSU und Quelle Eine Partei, zwei Meinungen

Unstimmigkeit bei den Christsozialen: Während CSU-Chef Seehofer die Hilfsbemühungen für Quelle forciert, mauert Wirtschaftsminister Guttenberg - und Quelle läuft die Zeit davon.

Die eine Hand will geben, die andere Hand zieht zurück. Die gebende Hand gehört Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon und seinem Parteichef Horst Seehofer. Die beiden Politiker wollen den Weg zu dem überlebenswichtigen Kredit für den insolventen Versandhändler Quelle möglichst schnell ebnen. Ausdrücklich versicherte Fahrenschon, dass bei dem sogenannten Massekredit von 50 Millionen Euro nichts mehr schiefgehen könnte.

Die andere Hand gehört Bundeswirtschaftsminister Karl-Theordor zu Guttenberg. Auch er gehört der CSU an, aber - anders als bei Seehofer und Fahrenschon - liegt sein Tätigkeitsfeld primär in Berlin. Und damit auch seine Interessen. Daher mauert Guttenberg. Und sagt, es gebe noch keine abschließende Entscheidung.

Druck von Seehofer

Eine Partei ist gespalten. Da sind einerseits die Interessen der Landespolitiker Seehofer und Fahrenschon, die um Tausende Arbeitsplätze im fränkischen Fürth, dem Hauptsitz von Quelle, fürchten. Und andererseits Guttenberg, der sich sein marktwirtschaftliches Profil erhalten will. Und dazu gehört, bei Staatshilfen erst einmal zu mauern.

Quelle selbst hält sich an den Fahrenschon-Flügel. Das Versandhausunternehmen hat nach den Unklarheiten über seine Rettung bestätigt, ein grundsätzliches Ja aus Berlin zu einem Massekredit erhalten zu haben. "Der Bürgschaftsausschuss ist nach kleineren Ergänzungen, die in Schriftform erfolgen werden, bereit, Quelle über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) einen finanzierten Massekredit von 50 Millionen Euro zu gewähren", heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Auch Seehofer machte auf einer Kundgebung am Quelle-Vertriebszentrum in Nürnberg Druck. Er hoffe, dass die mit dem Bund verabredeten Details nun rasch abgearbeitet würden: "Ich appelliere mit großem Nachdruck an die Bundesregierung, dass sie die Überprüfungen schnell abschließt." Das "Wechselbad der Gefühle bei den Mitarbeitern" müsse beendet werden, mahnte der CSU-Chef. Auch dürfe die Treue der Quelle-Kunden nicht aufs Spiel gesetzt werden. Dem Unternehmen stünden noch schwierige Wochen und Monate bevor, es gehe jetzt aber erst einmal weiter.

25 Millionen Euro von Sachsen und Bayern

Fahrenschon sagte, der Massekredit sei durch die Werte des Unternehmens ausreichend abgesichert. Ab Dienstag könne die Quelle-Geschäftsführung über die 50 Millionen verfügen. Bei der Sitzung des Bürgschaftsausschusses am Mittwochabend in Berlin habe es eine definitive Einigung gegeben. Bayern und Sachsen steuern zusammen 25 Millionen Euro zu. Den Rest soll der Bund stemmen.

Die Worte Guttenbergs klangen ganz anders. Der Wirtschaftsminister sagte in Berlin, "ein Massekredit kann eine Option sein", aber dafür müsse es Sicherheiten geben. "Diese Sicherheiten werden gerade durch die Bundesregierung überprüft, insbesondere durch jene, die einen KfW-Kredit zu geben hätten, und das ist das Bundesfinanzministerium." Diese Überprüfung dauere nach seinem Kenntnisstand noch an, sagte der Minister. Er hoffe für die Beteiligten, dass es schnell geht.

Die Arcandor-Tochter Quelle benötigt den Massekredit zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs und vor allem zur Bezahlung des Drucks des neuen Versandkatalogs. Quelle beschäftigt rund 8000 Mitarbeiter, viele von ihnen in Fürth. Bayern hat sich bereiterklärt, rund 21 Millionen Euro an Krediten zu geben. Aus Sachsen, wo Quelle im Leipziger Versandzentrum rund 1200 Mitarbeiter beschäftigt, wurden vier Millionen Euro zugesagt.

Ein großer Gemischtwarenladen

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