Deutsche Post Die Endlos-Befristungen sind der eigentliche Skandal

Postboten werden oft über Jahre hinweg mit einem befristeten Arbeitsvertrag nach dem anderen hingehalten.

(Foto: dpa)

Dass sich die Post gut überlegt, wen sie fest anstellt, ist nicht überraschend. Doch es ist unwürdig, wie das Unternehmen viele Mitarbeiter hinhält.

Kommentar von Jan Heidtmann

Es gibt derzeit zwei Stellen bei der Post, die man kaum haben möchte. Der Postbote, einst ein erstrebenswerter Beruf, ist für Tausende inzwischen zu einem beliebigen Job verkommen. Über Jahre hinweg werden Zusteller mit einem befristeten Arbeitsvertrag nach dem anderen hingehalten, manche laufen über ein halbes Jahr, manche gerade mal drei Monate. Mehr als 40 solcher Verträge haben einige Mitarbeiter inzwischen hinter sich. Ein Leben, gar eine Familie lässt sich darauf nicht aufbauen.

Man möchte aber gerade auch nicht der Angestellte sein, der das "Entfristungskonzept" der Post in die Welt gesetzt hat. Demnach sollen Zusteller nur dann richtig angestellt werden, wenn sie in zwei Jahren nicht mehr als 20 Tage krank gewesen sind und nicht mehr als zwei Auto-Unfälle verursacht haben. Außerdem dürfen sie die Zeit, die sie für ihre Touren brauchen, in drei Monaten um höchstens 30 Stunden überziehen. Die Empörung über diese Vorgaben war sogleich maximal: "Unwürdig" seien sie und "völlig menschenverachtend", heißt es bei den Grünen und in der Union. Doch diese Kritik geht am Kern des Problems vorbei.

Natürlich verrät der Katalog an Verfehlungen eine recht mechanistische Sicht der Post auf ihre Mitarbeiter. Dass sich Unternehmen aber gut überlegen, wen sie fest anstellen und wen nicht - es ist kaum empörend. Das Gegenteil wäre überraschend. Auch, dass sie dafür Kriterien wie Fehlzeiten, Umsicht oder Schnelligkeit anlegen, ist in vielen anderen Firmen gang und gäbe. Die Post war nur so ungeschickt, dies aufzuschreiben.

Woher nimmt die Post ihren Anspruch, ein "herausragender Arbeitgeber" zu sein

Der eigentliche Skandal ist ein anderer: die steigende Zahl an befristeten Arbeitsverträgen. Eigentlich dürfen solche Vereinbarungen innerhalb von zwei Jahren nur dreimal verlängert werden, es sein denn, es liegt ein sogenannter Sachgrund vor. Schwangerschafts- oder Urlaubsvertretungen zum Beispiel. Dann dürfen auch mehrere befristete Verträge hintereinander geschlossen werden, eine Lücke, die viele Unternehmen für sich zu nutzen wissen. Die Anstellungen werden so zu einer Art endloser Probezeit. Das ist tatsächlich unwürdig, gerade für die Post, an der der Staat ja noch immer maßgeblich beteiligt ist.

Dass der Bundesfinanzminister nun die Zahl der befristeten Verträge in Unternehmen mit Staatsbeteiligung zurückdrängen will, ist deshalb gut. Und die Post muss sich fragen lassen, woher sie ihren Anspruch, ein "herausragender Arbeitgeber" zu sein, eigentlich nimmt.

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