Brief- und Paketboten Krank sein bei der Post? Besser nicht

Rund 520 000 Menschen arbeiten weltweit für die Post, in Deutschland sind es etwa 216 000.

(Foto: REUTERS)
  • Die Deutsche Post macht einem Medienbericht zufolge die Entfristung von Arbeitsverträgen von den Krankheitstagen eines Mitarbeiters abhängig.
  • Ein Post-Sprecher bestätigte einen Kriterienkatalog und nannte die Vorgaben eine "Orientierung" für die Zweigstellen der Post.
  • Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Union, Peter Weiß, kritisiert die Kriterien der Post. "Ich finde, einer modernen Personalführung ist das nicht würdig", sagt er.
Von Kristiana Ludwig, Berlin

Bevor die Deutsche Post AG befristete Mitarbeiter fest anstellt, zählt sie deren Krankheitstage. Aus einem vertraulichen "Entfristungskonzept" der Post, das die Bild am Sonntag veröffentlichte, geht hervor, dass Brief- und Paketboten binnen zwei Jahren nicht mehr als 20 Tage krank gewesen sein dürfen, wenn sie einen Festvertrag möchten. Insgesamt dürfen sich die Zusteller demnach nur sechsmal abgemeldet haben. Das "Entfristungskonzept" macht den Leitern der Post-Niederlassungen außerdem Vorgaben zur Leistung der Postboten. In drei Monaten dürfen diese nicht mehr als 30 Stunden länger für ihre Touren gebraucht haben als vorgesehen. Auch Mitarbeiter, die mehr als zwei Autounfälle verursacht oder einen Schaden von über 5000 Euro verursacht haben, sollen demnach keine Festanstellung bekommen.

Ein Post-Sprecher bestätigte den Kriterienkatalog und nannte die Vorgaben eine "Orientierung" für die Zweigstellen der Post. So wolle man für ein "einheitliches Vorgehen als Unternehmen" sorgen. Dennoch schaue man sich die Einzelfälle der Arbeitnehmer genau an, sagt der Sprecher: "Man hat als Arbeitgeber ein ganz gutes Gefühl dafür, ob jemand von seiner Arbeitseinstellung dazu neigt, Krankheit anzumelden, obwohl man weiß, dass der kerngesund ist." Wenn aber ein Zusteller etwa nach einem Unfall öfter zum Arzt müsste, habe man dafür Verständnis.

Für das Vorgehen der Post hagelt es Kritik

Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Union, Peter Weiß, kritisiert die Kriterien der Post. "Ich finde, einer modernen Personalführung ist das nicht würdig", sagt er. Die Punkte seien "grobschlächtig", das Unternehmen nehme auf "individuelle Qualifikationsfragen überhaupt keine Rücksicht". Die Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrechte, Beate Müller-Gemmeke, sagte: "Diese Kriterien sind völlig menschenverachtend und sittenwidrig, und das bei einem Unternehmen, an dem die Bundesrepublik Deutschland beteiligt ist".

Für Thomas Cosmar, Berliner Vorsitzender der Gewerkschaft Verdi und Betriebsrat bei der Deutschen Post, ist vor allem die Bewertung der Tourenzeiten problematisch. Denn die 30 Stunden Mehrarbeit seien schnell überschritten, wenn Postboten vor verschlossenen Türen stünden. Und zugleich stehe die Festanstellung nach seiner Erfahrung auch dann auf dem Spiel, wenn ein Bote zu häufig Briefe und Pakete unausgeliefert zurückbringe. Mit Sorge beobachtet Cosmar außerdem, dass die Deutsche Post immer öfter befristete Verträge ausgebe, während ihr 2015 gegründetes Tochterunternehmen Delivery Mitarbeitern schneller Festverträge anbiete - allerdings zu schlechteren Konditionen.

Etwa 520 000 Menschen arbeiten weltweit für die Post, in Deutschland sind es etwa 216 000. Im vergangenen Jahr, heißt es vom Unternehmen, habe man 9000 befristete Mitarbeiter fest angestellt. Wie viele Postboten heute trotzdem noch mit Kurzverträgen arbeiten, dazu wolle man keine Auskunft geben. Verdi schätzt den Anteil der befristeten Stellen je nach Standort auf vier bis 14 Prozent.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz kündigte an, bei der Post für arbeitnehmerfreundlichere Arbeitsbedingungen sorgen zu wollen. Der Bund ist an dem Unternehmen indirekt beteiligt. "Diejenigen, die für uns im Aufsichtsrat sitzen, haben sich schon vorgenommen, (...) darauf zu reagieren", erklärte der SPD-Politiker. Gespräche dazu seien schon vereinbart.