Deutsche Bank Jetzt gibt es für die Deutsche Bank keine Ausreden mehr

Mit Verweis auf die alten Skandale konnte sich Deutsche-Bank-Chef Cryan zuletzt vor Entscheidungen drücken

(Foto: dpa)

Für schmuddelige Geschäfte in Russland zahlt das Institut 600 Millionen Dollar Strafe. Nun kommt es auf Deutsche-Bank-Chef John Cryan an.

Kommentar von Meike Schreiber

Wer im vergangenen Herbst auf die schnelle Pleite der Deutschen Bank gewettet hatte, lag daneben. Seither hat sich nicht nur der Aktienkurs von Deutschlands größtem Geldhaus deutlich erholt. Seither hat Deutsche-Bank-Chef John Cryan auch die beiden für die Bank gefährlichsten Rechtsrisiken abgearbeitet. Kurz vor Weihnachten einigte er sich mit den amerikanischen Behörden auf eine Strafe von 7,2 Milliarden Dollar für windige Hypothekengeschäfte aus der Zeit vor der Finanzkrise. Und nun konnte der Brite auch noch die sogenannte Russland-Affäre weitgehend hinter sich bringen: Sein Institut zahlt dafür rund 630 Millionen Dollar.

Die Nachricht ist eine große Erleichterung für die Bank. Schließlich hatte es die Russland-Sache in sich. Es ging um einen Geldwäsche-Verdacht im Umfang von rund zehn Milliarden Dollar - und sogar um mutmaßliche Verstöße gegen US-Sanktionen. Weil es wenig vergleichbare Fälle gibt, galt der Fall als unkalkulierbar. Im Raum standen Strafsummen von wenigen Hundert Millionen bis mehrere Milliarden Euro.

Am Ende wurden es immer noch enorme 630 Millionen Dollar. Ein Teil davon geht an die britischen Behörden, der Rest an die amerikanischen. Weil noch nicht alle Untersuchungen dazu abgeschlossen sind, könnte die Summe noch steigen. Die größte Unsicherheit aber ist nun erst einmal vorbei. Deswegen waren die Aktien der Bank am Vormittag die größten Gewinner im deutschen Leitindex Dax.

Ist die Deutsche Bank damit über den Berg? Es wäre zu früh, Entwarnung zu geben. Noch immer ist das Geldhaus im Vergleich zu anderen großen Banken zu dünn mit Eigenkapital ausgestattet, dem wichtigen Puffer gegen eine Schieflage. Noch immer stammen mehr als die Hälfte der Erträge aus dem riskanten, schwankungsanfälligen Handelsgeschäft. Noch immer schiebt das Institut hohe Fixkosten vor sich her.

Und natürlich ist die Bank in weitere zahlreiche Rechtsstreitigkeiten verstrickt, deren Abschluss teilweise noch Jahre dauern wird. Da ist es nur selbstverständlich, dass das mittlere Management für 2016 erstmals seit langem auf einen Teil der Boni verzichtet. Zumal auch die Aktionäre zwei Jahre keine Dividende erhalten.

Einen großen Punkt muss die Bank noch klären

Das Geldhaus muss nun aber erneut die Strategie anpassen. Auch um eine Kapitalerhöhung wird das Institut wohl nicht herumkommen. Mit Verweis auf die beiden großen Rechtsfälle, die es vorher abzuarbeiten gelte, konnte sich Cryan zuletzt vor Entscheidungen drücken.

Jetzt aber kann er dafür nur noch einen einzigen Grund anführen; das sind die neuen verschärften Eigenkapitalvorschriften namens Basel III. Spätestens wenn im Frühjahr klar ist, wie sich diese auf die Deutsche Bank auswirken werden, gibt es keine Ausreden mehr. Dann muss sich Cryan entscheiden, wie er das Geldhaus dauerhaft nach vorne bringen will.

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