Deutsche Bahn Asylsuchende sollen kostenlos Zug fahren dürfen

Flüchtlinge kommen am Berliner Bahnhof Schönefeld an.

(Foto: dpa)
  • Die Bahn lässt Flüchtlinge ohne Fahrschein fahren.
  • Kontrolleure sollen ihnen Ersatzfahrscheine ausstellen.
  • Sie will zudem etwa leere Bahnhofshallen als Unterkünfte zur Verfügung stellen.

Ab heute sollen Flüchtlinge und ihre Helfer unter bestimmten Bedingungen kostenlos mit der Bahn fahren können. So erhalten Flüchtlinge nach der ersten Registrierung einen Gutschein, den sie bei der Fahrkartenausgabe gegen ein Ticket für die Fahrt in die Erstaufnahmeeinrichtung eintauschen können. Außerdem kündigte die Deutsche Bahn an, Flüchtlingen, die dennoch ohne Fahrschein angetroffen werden, kostenlose Ersatzfahrscheine auszustellen. Auch Mitglieder anerkannter Hilfsorganisationen wie Caritas oder Rotes Kreuz sollen kostenlose Ersatzfahrkarten erhalten. Ob es sich bei einem Fahrgast tatsächlich um einen Flüchtling handelt, sollen laut Spiegel-Informationen die Kontrolleure im Einzelfall selbst entscheiden.

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Wer die Kosten für die freien Fahrten trägt, diskutiere die Bahn derzeit mit Bund und Ländern, sagte eine Sprecherin. "Im Moment geht es in erster Linie darum, Flüchtlinge schnell an sichere Aufenthaltsorte zu bringen." Bahnchef Rüdiger Grube kündigte zudem im Handelsblatt an, dass sein Unternehmen für die Unterbringung von Flüchtlingen 20 Immobilien mit einer Gesamtfläche von 10 000 Quadratmetern zur Verfügung stellen will. Demnach handelt es sich um ungenutzte Bahnhöfe und Betriebsgebäude sowie Freiflächen zum Bau von Unterkünften. So wolle das Unternehmen etwa in Karlsruhe und Tübingen große Grundstücke für die Errichtung von Unterkünften anbieten. In Bayern gebe es drei große Betriebsgebäude, die dazu geeignet seien, Flüchtlinge unterzubringen.

Fahrplan auf Arabisch

In Berlin gibt es zudem jetzt den Netzplan der Bahnen und Busse auf Arabisch und Englisch. Zusammen mit der ehrenamtlichen Initiative "Moabit hilft" haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) binnen einer Woche dieses Faltblatt erstellt, wie am Freitag mitgeteilt wurde. Die erste Auflage von 5000 Exemplaren sollte heute an die Helfer am Landesamt für Gesundheit und Soziales ausgeliefert werden. Dort müssen sich die Flüchtlinge registrieren lassen.

In dem Plan sind zudem die wichtigsten Anlaufstellen für Flüchtlinge markiert. Außerdem wurden Bahnhofsnamen zum Teil phonetisch ins Arabische übersetzt - damit auch Flüchtlinge, die keine lateinischen Buchstaben lesen können, sich orientieren können. Ein besonderer Punkt an dem Projekt: Ein Syrer, der erst vor wenigen Wochen in Berlin ankam, übersetzte zusammen mit einem ehrenamtlichen Helfer die Texte. Die BVG übernahm die technische Produktion und Logistik. Die Verkehrsbetriebe stellen auch schon länger Busse und Fahrer für Sonderfahrten zwischen Behörden und Unterkünften bereit.