Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube Grubes Abgang ist eine Blamage für alle Beteiligten

Und er wirft ein schlechtes Licht auf die Bundesregierung. Sie muss der Bahn endlich einen klaren Auftrag erteilen: möglichst viel Verkehr von der Straße zu holen.

Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

Blamabel ist dieser Rücktritt. Für alle. Bahnchef Rüdiger Grube wirft von einem Tag auf den anderen die Brocken hin, weil der Aufsichtsrat seinen Vertrag nur um zwei und nicht um drei Jahre verlängern will. Das zeugt von Eitelkeit. Aus Sicht des Aufsichtsrates ist es ebenfalls eine Blamage. Das Gremium hat sich viel zu lange zu keinem Urteil über die Zukunft des Managers durchringen können. Zudem wirft der Schritt ein schlechtes Licht auf die Bundesregierung, die es zwei Jahrzehnte nach der großen Bahnreform noch immer nicht geschafft hat, dem angeschlagenen Staatskonzern die Rolle zuzuweisen, die er im Konzert der Verkehrsträger einer modernen Wirtschaftsnation spielen soll.

Jetzt ist eingetreten, was sich keiner vorstellen wollte. Es lief doch so schön mit Grube, der nach dem polternden Hartmut Mehdorn den Posten 2009 übernommen hatte und sich als freundlicher Herr zeigte. Jetzt muss ein Bahnchef gefunden werden, obwohl von dem 65-jährigen Grube bekannt ist, dass er als Oberbahner am liebsten gar nicht in Rente gehen wollte. Aber er hat im Bahntower zu wenig bewegt. Seine Erfolge sind mäßig.

Dieser Montag war ein schlechter Tag für die Bahn, weil kein überzeugender Nachfolger in Sicht ist. Der Montag war ein schlechter Tag für den Staatskonzern, weil der erst einmal praktisch führungslos ist und es möglicherweise lange bleibt. Grubes Rücktritt beendet aber ein langes Missverständnis. Ein Unternehmen, das politischen Zielen folgen soll, die aber nicht formuliert werden, kann auch keine Ziele erreichen.

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Die Regierung drückt sich davor, klare Vorgaben zu machen

Ein Chef, der nach betriebswirtschaftlichen Kriterien handeln soll, aber von den Politikern bevormundet wird, kann seiner Aufgabe nicht gerecht werden. Hierin zeigt sich das größte Problem des netten Herrn Grube. War sein Vorgänger Mehdorn zu ruppig im Umgang mit der Bundesregierung, war Grube zu freundlich. Er war zu konfliktscheu, um die Bahn und ihre künftige Rolle auch durch energischen Widerspruch auf der Agenda zu halten.

Dieser Montag kann aber auch ein guter Tag für die Bahn werden. Er bietet die Chance zu einem Neuanfang. Es wäre ein Fehler, jetzt den ehemaligen Merkel-Minister Ronald Pofalla auszuwählen, der seit 2015 bei der Bahn ist und sicher gerne den Chefposten übernehmen würde. Der gelernte CDU-Politiker hat kaum Managementerfahrung. Im Aufsichtsrat heißt es, er sei noch nicht reif für diese Aufgabe. Pofalla zu berufen, wäre das Eingeständnis der Regierung, dass sie an einer professionellen Führung der Bahn gar nicht interessiert ist.

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Eine Person mit Leitungserfahrung zu finden, dürfte aber schwierig sein, solange sich die Bundesregierung vor ihrer Aufgabe drückt: der Bahn den klaren politischen Auftrag zu geben, möglichst viel Verkehr von der Straße zu holen, um die Umwelt zu schonen. Doch die Bundesregierung bereitet sich auf den Wahlkampf vor. Wenn die Bahn Pech hat, ändert sich für lange Zeit mal wieder nichts.