Demografische Entwicklung Schäuble will späteren Rentenbeginn

Finanzminister Wolfgang Schäuble am 20. April bei einem Kabinettstreffen in Berlin.

(Foto: REUTERS)
  • Bundesfinanzminister Schäuble fordert eine Anpassung des Renteneintrittsalters an die gestiegene Lebenserwartung.
  • Das größte Problem werde das Gesundheitssystem sein, das Deutschland in nächster Zeit noch "bitter schwer" gesellschaftlich beschäftigen werde.
  • Auch die OECD hatte Deutschland zuletzt empfohlen, das Rentenalter weiter anzuheben.
Von Cerstin Gammelin

Womöglich waren es die Teilnehmer der Runde an diesem Abend in Schwanenwerder am Rande des Berliner Wannsees, die Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dazu inspirierten, über das Alter und seine gesellschaftspolitischen Folgen zu sprechen. Jedenfalls fühlte sich der Minister wohl genug unter den früheren Politgrößen von Roman Herzog bis Wolfgang Gerhardt, um ziemlich zügig auf die Rente sprechen zu kommen.

Angesichts der alternden Gesellschaft halte er einen späteren Rentenbeginn in Deutschland für sinnvoll, sagte Schäuble. Es mache relativ viel Sinn, die Lebensarbeitszeit und die Lebenserwartung in einen fast automatischen Zusammenhang auch in der Rentenformel zu bringen, sagte Schäuble.

Zwar habe eine älter werdende Wohlstandsgesellschaft "keine Neigung zu Änderungen". Aber dennoch seien diese nötig. Das bedeute konkret, die Altersgrenze solle auch flexibler werden.

Das größte Problem laut Schäuble: Das Gesundheitssystem

"Wir müssen uns auf die demografische Entwicklung vorbereiten", um die sozialen Sicherungssysteme zu stabilisieren, sagte Schäuble. Das größte Problem werde das Gesundheitssystem sein, das Deutschland in nächster Zeit noch "bitter schwer" gesellschaftlich beschäftigen werde. Die absehbare Kostenexplosion dürfe nicht tabuisiert werden. Dasselbe gelte für die Pflege. Die Altersvorsorge und das Rentensystem könnten trotz der Niedrigzinsen gehalten werden, wenn das Drei-Säulen-Modell aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge erhalten bleibe.

Die Junge Union (JU) hat ebenfalls eine Koppelung des Rentenbeginns an die steigende Lebenserwartung vorgeschlagen - und zwar schrittweise von 67 auf 70 Jahre ab 2030. Das sei nötig, "um das Rentenniveau künftig nicht so weit absenken zu müssen, dass immer weniger Menschen davon leben können", sagte der JU-Vorsitzende Paul Ziemiak der "Rheinischen Post". Nach seiner Einschätzung sei der Anstieg des gesetzlichen Renteneintrittsalters dann moderat. "Der Jahrgang 1985, dem ich angehöre, müsste bis zum Alter von 67,5 Jahren erwerbstätig bleiben. Ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren würden wir erst im Jahr 2100 erreichen."

Auch die Industrieländer-Organisation OECD hatte Deutschland jüngst empfohlen, das gesetzliche Renteneintrittsalter weiter anzuheben. Bisher soll es bis zum Jahr 2029 stufenweise auf 67 steigen. Ohne Reformen würden die Rentenausgaben bis zum Jahr 2060 um mindestens 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen, warnte die OECD. Durch eine Koppelung des Rentenalters an die Entwicklung der Lebenserwartung könnte die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen gestärkt werden, so die OECD.

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