Clemens Fuest Neuer Ifo-Chef: Entweder Griechenland kooperiert - oder tritt aus

Sein Vorgäner Hans-Werner Sinn ist der bekannteste Ökonom des Landes. Clemens Fuest tritt in große Fußstapfen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der frühere Ifo-Chef Hans-Werner Sinn polarisierte mit Spekulationen über einen Grexit. Sein Nachfolger Clemens Fuest macht ebenfalls klare Ansagen.

Von Marc Beise und Alexander Hagelüken

Keine leichte Sache, die Clemens Fuest da auf sich nimmt. Der 47-Jährige übernimmt den Job von Deutschlands bekanntestem Ökonomen Hans-Werner Sinn: Fuest amtiert seit 1. April als Präsident des Münchner Wirtschaftsforschungs-Instituts ifo. Das sind große Schuhe.

Aber: "Die Schuhgröße beschäftigt mich nicht", behauptet der 47Jährige, als er zum Gespräch in seinem Büro empfängt. "Wenn mich das stören würde, hätte ich die Aufgabe nicht übernommen." Fuest weiß, dass Sinn oft polarisierte, zuletzt mit seinem Insistieren, Griechenland solle den Euro verlassen.

Von einer Erhöhung des Mindestlohns hält er nichts

Auch Fuest, bisher Präsident des Mannheimer ZEW-Instituts, drückt sich nicht um klare Aussagen: "Es war immer klar, dass Griechenland nur weitere Hilfen erhalten kann, wenn es mit den Partnern kooperiert. Will Griechenland das nicht, muss man über einen Austritt sprechen." Den Euro hält er für bedroht: "In den letzten Jahren werden die Spielregeln in der Eurozone immer mehr infrage gestellt. Es wird verlangt, dass die Staaten gemeinsam haften, aber jeder verschuldet sich, wie er will: Das ist der sichere Weg in die Schuldenunion."

"Ich bin gegen einen höheren Mindestlohn"

Der neue Ifo-Präsident sieht die Währungsunion in Gefahr und spricht über seine Rolle als Nachfolger von Hans-Werner Sinn. Interview von Marc Beise und Alexander Hagelüken mehr ...

Fuest ist auch bereit, sich mit den Gewerkschaftern anzulegen, die wie verdi-Chef Frank Bsirske eine rasche Anhebung des Mindestlohns von derzeit 8,50 auf zehn Euro fordern. Der neue ifo-Chef spricht sich gegen eine Erhöhung des Mindestlohns Ende 2016 aus, die die unabhängige Kommission der Bundesregierung vorbereitet. Das ist brisant. Denn Fuest gehört der Kommission selber an.