BP und Rosneft Alarm für die Arktis

In der Not verbündet sich der Unglückskonzern BP mit Russland, um Ölfelder in der Arktis zu erschließen - ein Pakt, der nicht nur BP gefährlich werden könnte.

Ein Kommentar von Marc Beise

Der Ölmulti BP ist in schlechter Verfassung. Die durch Missmanagement und Versäumnisse der staatlichen Aufsicht verursachte Ölkatastrophe im Golf von Mexiko könnte Hauptakteur BP 40 Milliarden Dollar kosten, der Imageschaden ist groß. Das alles wird den Konzern bei einem Marktwert von weit mehr als 100 Milliarden Dollar nicht umbringen, schwächt ihn aber empfindlich - zu Recht angesichts dieses besonders schweren Falls von Umweltzerstörung. Einige Firmenteile mussten bereits verkauft werden. Der Kurs der Aktie hat sich zeitweise halbiert; Beobachter nennen den Konzern einen Übernahmekandidaten. Jetzt will BP wieder in die Offensive kommen - ausgerechnet indem es sich mit der Öl-Großmacht Russland zusammentut - eine gefährliche Liaison.

Gefährliche Liaison: BP schließt sich mit dem russischen Staatskonzern Rosneft zusammen.

(Foto: dpa)

Eine milliardenschwere Überkreuzbeteiligung mit dem Staatskonzern Rosneft soll Zugang zu bisher unerschlossenen Ölfeldern in der Arktis bringen. Die BP-Manager bejubeln ein "historisches Ereignis zur Deckung des weltweiten Energiebedarfs", und der britische Energieminister steht im Jubel nicht zurück, klar: BP-Firmensitz ist London. Grundsätzlich sind Kooperationen mit Russland sinnvoll, aber das Schwellenland unter seinem machtbewussten Premier Wladimir Putin ist ein unbequemer Partner.

Der Staat mischt auch in der Privatwirtschaft immer mit und bestimmt nach Bedarf die Spielregeln. BP selbst hat das bei früheren Kooperationen schmerzlich erlebt, ausgerechnet der jetzige Konzernchef Bob Dudley musste das Land nach Auseinandersetzungen fluchtartig verlassen. Auf Kooperationen mit den Russen lässt man sich besser nur aus einer Position der Stärke heraus ein - BP aber hat aus einer Position der Schwäche heraus verhandelt. Man könnte das schulterzuckend vermerken und die möglichen Folgen dort verorten, wo sie hingehören: bei BP. Aber dieses Mal geht es um mehr: um das Ökosystem im hohen Norden. Die Ölvorräte dort liegen tief unter der Wasseroberfläche und teilweise unter dem ewigen Eis. Zusammen mit unberechenbarem Wetter ist die Exploration heute noch ein unberechenbares Abenteuer.

Wenn die Menschheit ihren Energiebedarf nicht dramatisch drosselt, wonach es nirgendwo aussieht, wird die Arktis unweigerlich zur Zielregion werden; dies verhindern zu wollen, wäre weltfremd. Umso wichtiger aber ist es dann, wenigstens mit höchster Sensibilität voranzugehen. Schritt für Schritt sind abzuwägen. Die Verfahren müssen völlig transparent, das unternehmerische Handeln an klaren ethischen Maßstäben orientiert und der rechtliche Rahmen stabil und effizient sein.

Schon in den USA ist umstritten, ob Staat und Wirtschaft aus der Katastrophe im Golf von Mexiko wirklich etwas gelernt haben - wie viel mehr gilt das erst für das autokratisch organisierte und vielerorts marode russische Riesenreich. Nicht nur BP also droht eine unsichere Zukunft, sondern auch - und das ist viel schlimmer - der Arktis.

Ein Haufen Arbeit

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