Kunststoffsparte von Bayer Covestro-Börsengang glückt

Bunte Börse: Für den Start der Aktie hat der Kunststoff-Hersteller Plastikbecher im Börsensaal verteilt.

(Foto: AFP)
  • Bunte Kunststoffbecher und viel Lächeln: Der Polymer-Hersteller Covestro ist heute an die Börse gegangen.
  • Der Abgas-Skandal bei VW hatte den Aktienmarkt verunsichert, Covestro musste den Börsenstart verschieben.
Von Helga Einecke, Frankfurt

Um 9.20 Uhr ist es endlich so weit. Die Aktie von Covestro, der ehemaligen Kunststoffsparte von Bayer, wird erstmals an der Frankfurter Börse notiert. 26 Euro, mehr als der Ausgabepreis von 24 Euro, werden aufgerufen. Covestro-Chef Patrick Thomas und sein Finanzvorstand Frank Lutz strahlen. Sie sind links und rechts von der Glocke positioniert. Sie greifen sie stolz und schwingen sie nacheinander. "Es ist so aufregend", sagt Thomas.

Nach Börsenöffnung mussten sie 20 Minuten auf den ersten Kurs warten - Zeit für die beiden, um zu flachsen, Zeit, die letzten Tage noch einmal Revue passieren zu lassen. Um zu erzählen, wie sie zusammen durch Europa, die USA und Asien tourten, um den Investoren dieser Welt zu erklären, wie Covestro tickt, dieser weltweit führende Polymer-Hersteller. Und warum man diese Aktie unbedingt kaufen sollte. Coke Zero hätten sie auf ihrer Reise immer getrunken.

Dann kommt die erste Kursnotiz. Covestro Chef Thomas schaut auf die Tafel: 1COV erster Preis 26 Euro, steht da. Kein Zweifel, er hat es schafft, der Sprung an die Börse ist geglückt.

Für das Glas Sekt, die Schnittchen bleibt jetzt kaum Zeit. Die Anspannung löst sich, es wird geredet, erzählt, gelacht, es werden Schultern geklopft. Dreifach überzeichnet sei die Covestro-Aktie, erzählt ein Banker, der den Börsengang begleitet hat. Die Angelsachsen, die Amerikaner, auch Deutsche hätten zugegriffen.

"Wir hatten einfach Pech"

Es ist der größte Börsengang seit 2007 - eigentlich sollte es der größte seit 2000 sein. Denn der lange Schatten des VW-Skandals traf selbst Covestro, die mit VW eigentlich nicht zu tun haben. Die Börse brach ein, war verunsichert, der Verkauf der Aktie stockte. Das ursprüngliche Volumen von 2,5 Milliarden Euro wurde auf 1,5 Milliarden Euro eingedampft, der Preis der Aktie herabgesetzt, die erste Börsennotiz um vier Tage verschoben.

Finanzvorstand Lutz sagt: "Das Marktfeld ist plötzlich gegen uns gelaufen. Wir hatten einfach Pech". Aber als Marktteilnehmer müsse man sich eben anpassen.

Covestro hat den ganzen Börsensaal an diesem Dienstag in Farben getaucht: 7500 Plastikbecher in Regenbogenfarben reihen sich aneinander. Unkaputtbar sei dieses Material, sagt der Chef. Schon ist er wieder in seinem Element. Der Firmensitz Leverkusen sei ein cooler Ort, behauptet er noch, nirgendwo sonst könne man so gut Kunststoffe herstellen und verkaufen.

Er ist seit dem frühen Morgen auf den Beinen. Schon vor Börsenöffnung kannten er und seine Leute nur eine Übung: Lächeln, lächeln, lächeln. Sie posierten einzeln und in Gruppen vor dem Börsenbullen in der Frankfurter Innenstadt, dem Symbol steigender Kurs. Den Bären, das Symbol sinkender Kurse, ließen sie aus. Daumen hoch, rief der Fotograf. Die Manager gehorchten - und lächelten.

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