Börsengang des sozialen Netzwerks Facebooks Gewinn bleibt auf der Strecke

Es sah so aus, als habe die Börse Facebook schon eine Freundschaftsanfrage geschickt, 100 Milliarden Dollar schwer. Doch nun hat das soziale Netzwerk neue Zahlen auf seine Pinnwand gepostet. Vielen Investoren gefällt das nicht: Zwar steigen die Nutzerzahlen weiter - das Unternehmen hatte im März 901 Millionen aktive User. Umsatz und Gewinn gehen aber zurück.

Von Bastian Brinkmann

Facebooks neue Timeline und der Börsengang haben einiges gemein. Es geht bei beiden darum, eine schöne Geschichte zu erzählen. Mit der neuen Chronik, schwärmte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, können Nutzer ihre Biographie in epischer Breite erzählen, mit Fotos, auf Orten markiert und weiterem Schnickschnack. Auch der Börsenprospekt, mit dem Zuckerberg Investoren umwirbt, soll eine schöne Geschichte erzählen: Wie toll Facebook wachse, wie chancenreich das Unternehmen sei und andere Versprechen. Der Prospekt muss aber auch die Risiken aufzeigen.

Will an die Börse: Facebook-Gründer Zuckerberg.

(Foto: AFP)

Genau wie die Chronik zunächst wütende Proteste von Usern hervorrief, die sich Facebooks Design-Diktat nicht unterwerfen wollten, bekommt auch die Erzählung Börsengang dunkle Flecken. Facebook hat seinen Prospekt aktualisiert. Und er birgt keine schönen Neuigkeiten für potentielle Investoren.

[] Zwar steigen die Nutzerzahlen: Das Netzwerk hatte Ende März 901 Millionen aktive Nutzer im Monat. Ende Dezember waren es erst 845 Millionen. Doch finanziell lohnt sich das nicht. Das liegt am indirekten Geschäftsmodell von Facebook. Denn nicht die Nutzer zahlen, sondern Werbekunden, die Haupteinnahmequelle. Facebook wird aber unabhängiger von den Anzeigen: Das Unternehmen verdient zunehmend an Spielen, wo Nutzer sich Fortschritte erkaufen können. Einnahmen daraus steuerten im ersten Quartal schon beinahe ein Fünftel zum Umsatz bei.

[] Doch der Umsatz schrumpfte zum ersten Mal seit zwei Jahren im direkten Quartalsvergleich - und zwar vom Schlussquartal 2011 zum Auftaktquartal 2012 um sechs Prozent. Facebook begründete den Rückgang mit "saisonalen Trends": Nach dem Weihnachtsgeschäft gehe es allgemein bergab. Doch von 2010 auf 2011 hatte Facebook dieses Loch noch umgehen können, weil das Unternehmen damals noch rasanter gewachsen war als heute. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg der Umsatz dieses Mal nur noch um 45 Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar. Das klingt viel - doch für ein Unternehmen, das wie Facebook eine Wachstumstumgeschichte erzählen will, ist das nicht mehr so viel. In der Vergangenheit wuchs Facebook um 100 Prozent pro Jahr.

[] Auch der Gewinn ging zurück. Er fiel im ersten Quartal um zwölf Prozent, auf 205 Millionen Dollar.

[] Ursache dafür waren gestiegene Kosten. Facebook investiert vor dem Börsengang in Marketing und Entwicklung. Zuckerberg hat auch seine Mannschaft ordentlich aufgestockt, um 46 Prozent auf gut 3500 Mitarbeiter. Dazu kommen weitere Einkäufe: die Übernahme von Instagram und Patenteinkäufe. Mit dem Fotodienst kauft Zuckerberg Knowhow im mobilen Bereich und eine attraktive Community, mit den Patenten rüstet sich das Unternehmen gegen teure Auseinandersetzungen vor Gericht.

Es überrascht, dass Facebook nun den Börsenprospekt mit schlechten Zahlen aktualisiert. Normalerweise folgt in den Monaten und Wochen vor einem Börsengang ein Feuerwerk der guten Laune. Eine Erfolgsmeldung jagt dann in der Regel die nächste - denn die Erstausschüttung ist der einzige Zeitpunkt, an dem das Unternehmen, die Mitarbeiter und natürlich der Erfinder Zuckerberg so richtig abkassieren. Der Ausgabekurs bestimmt, wie viel Kapital Facebook einsammelt - er sollte also aus Unternehmenssicht möglichst hoch sein.

Was danach mit dem Kurs passiert, ist für eine AG zwar interessant, weil ein schlechter Kurs das Management unter Druck setzt. Doch für die große Cash-Show ist das egal. Somit setzen Unternehmen normalerweise alles daran, ihre Bücher so zu polieren, dass die Jubelmeldungen vor Börsengang sich übertreffen - zur Not, indem sie sich anfangs schlechter rechnen, als sie eigentlich sind, um sich dann zu steigern.

Der Termin für Facebooks Börsengang steht offiziell noch nicht fest, vermutlich findet er im Mai statt. So hat Facebook noch ein bisschen Zeit, den Anlegern positive Nachrichten zu präsentieren. Etwa im Bereich der Anzeigen, wo die Profite herkommen. In der Werbebranche haben Facebook-Anzeigen im Moment keinen guten Ruf: Sie sind kleinteilig an die Seite geklatscht, dubiose Firmen tauchen neben Qualitätsprodukten auf, Zielgruppen werden nicht optimal angesprochen: So tauchen etwa Anzeigen für Wettbewerbe, die sich an Schüler richten, auch bei deutlich älteren Usern auf.

Mit einer innovativen Anzeigen-Idee könnte Facebook die Börse beglücken. Doch neue Werbeformate könnten die Nutzer empören - siehe Timeline. Veränderungen goutieren die User nicht, besonders wenn sie sich als Ware sehen, die Werbekunden angepriesen wird. Selbst wenn beim Börsengang ein paar Milliarden locken: Die Nutzer sind Facebooks wichtigstes Kapital.