BMW Umwelthilfe wirft BMW Abgas-Tricks vor

Unter Verdacht: Der aktuelle 320d von BMW.

(Foto: dpa)
  • Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat auffällige Messwerte bei einem 3er BMW festgestellt und sieht Indizien für eine unerlaubte Abschalteinrichtung.
  • Das Auto stoße auf der Straße sieben Mal mehr Stickoxide aus als auf dem Prüfstand.
  • BMW bleibt dabei, nicht manipuliert zu haben. Der Autohersteller hält die Messmethode der DUH für nicht aussagekräftig.
Von Markus Balser und Max Hägler, Berlin

Die Aussagen ließen keinen Zweifel: "Ich möchte noch einmal betonen: Die Fahrzeuge der BMW-Group werden nicht manipuliert." So formulierte es BMW-Chef Harald Krüger beim Dieselgipfel im August. Die Stickoxide der BMW-Dieselfahrzeuge lägen im Mittel 40 Prozent unter dem Branchenschnitt. Ganz ähnlich äußerte er sich im September bei der Automobilmesse IAA in Frankfurt: "Wir haben an den Fahrzeugen nicht manipuliert. Wir haben Diesel, die sind sauber und die sind die besten dieser Welt." Tatsächlich deutete bei BMW bislang wenig auf Manipulationen hin.

Doch nun erhebt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) einen schweren Vorwurf. Die Umweltschützer haben einen recht aktuellen Wagen der Münchner untersucht - und dabei auffällige Werte festgestellt. Bei Messungen auf der Straße sollen die Stickoxid-Emissionen des BMW 3er Diesel bis zu sieben Mal so hoch gelegen haben wie im Labortest nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Das teilte die Organisation bei einer Pressekonferenz in Berlin mit. "Es gibt deutliche Indizien dafür, dass in diesem Auto eine unerlaubte Abschalteinrichtung eingebaut ist", sagte DUH-Chef Jürgen Resch.

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Konkret geht es um einen BMW 320d, Baujahr 2016. Die DUH hat das Auto auf dem Prüfstand und auf der Straße gefahren. Das Ergebnis laut Umwelthilfe: Ab einer Drehzahl von 2000 Umdrehungen pro Minute werde die Abgasreinigung reduziert. Bei höheren Werten von 3000 Umdrehungen pro Minute schalte sich die Abgasrückführung offenbar ganz ab. Jedenfalls gingen die Messwerte bei dieser Drehzahl stets abrupt nach oben. Das sei auch in der Motorsoftware hinterlegt, die vom Zulieferer Bosch kommt - ein BMW-Motorentuner hatte die Software für das ZDF analysiert.

Der Konzern streitet die Vorwürfe vehement ab: "Es gibt bei der BMW Group keinerlei Aktivitäten und technische Vorkehrungen, den Prüfmodus zur Erhebung von Emissionen zu beeinflussen - das heißt, dass unsere Abgas-Systeme sowohl auf dem Prüfstand wie auch in der Praxis aktiv sind", teilte BMW mit. Über 3000 Umdrehungen, das sei nun kein normales Fahrverhalten. Der Wagen sei etwa durch sehr niedrige Gänge bei sehr hohen Drehzahlen in Kombination mit niedrigen Motordrehmomenten betrieben worden. Man halte es zudem nicht für aussagekräftig, beliebige Straßentests mit willkürlich gewählten Teilabschnitten eines Rollentests zu vergleichen "und daraus plakativ hohe Abweichungsfaktoren zu erheben". Um valide Vergleiche anstellen zu können, seien deutlich längere Streckenabschnitte sowie eindeutig bestimmbare Randbedingungen nötig.

Die DUH hat ihre Messungen ans Verkehrsministerium weitergegeben

Sie bleiben in München also bei der klaren Aussage: Wir haben nicht manipuliert. Das hätten auch behördlich durchgeführte Nachprüfungen in verschiedenen Ländern gezeigt, bei denen das Modell mit sehr guten Ergebnissen bestanden hätte. Und das hätte auch eine eigene Nachschau gezeigt. Vor zwei Jahren beauftragte BMW den TÜV Süd damit, direkt nach Bekanntwerden des VW-Dieselskandals. Das identische Dieselmodell wurde auf der Straße und am Prüfstand getestet. Das Fazit damals: Es ergebe sich "das eindeutige Bild, dass keine emissionsrelevanten Eingriffe (keine "Manipulation")" stattgefunden habe. Alle damals gemessenen Werte seien technisch erklärbar.

Vorbei ist der Fall für BMW damit aber wohl nicht. Die DUH habe dem Verkehrsministerium und dem Kraftfahrt-Bundesamt die entsprechenden Messprotokolle übersandt, teilt die Organisation mit. Man habe gefordert, die Sache zu klären.

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