Beginn des Schuldenrückkaufs Griechenland bietet Milliarden für eigene Schulden

Wie drückt ein Land seinen Schuldenstand? Indem es sich noch mehr Geld leiht und damit eigene Schuldscheine zurückkauft. Griechenland bietet Investoren bis zu 40 Prozent des Nennwerts für Staatsanleihen. Deren Kurse steigen prompt um zehn Prozent. Jetzt müssen nur noch genug Investoren das Angebot annehmen.

Griechenland hat mit dem Rückkauf seiner Schulden begonnen. Je nach Laufzeit der Staatsanleihen offeriert der Staat für 20 verschiedene Anleihen Mindestgebote zwischen 30,2 und 38,1 Prozent des ursprünglichen Werts und Höchstgebote zwischen 32,2 und 40,1 Prozent. Das teilte die staatliche Finanzagentur mit, die sich um das Schuldenmanagement Griechenlands kümmert. Das Angebot an die privaten Gläubiger laufe bis zu diesem Freitag.

Am Sichtag, dem 23. November, wurden die Anleihen auf dem Sekundärmarkt in einer Spanne zwischen 25,15 und 34,41 Cent für jeden Euro an Forderungen gehandelt.

Beim Schuldenrückkauf erwirbt die Regierung eigene Staatsanleihen günstig von privaten Investoren zurück, profitiert vom Preisverfall der Papiere und hofft, so seinen Schuldenstand um bis zu 20 Milliarden Euro zu verringern - bei einem Einsatz von etwa 10 Milliarden Euro, den das Land dafür eingeplant hat. Das ist einer der Schritte, den Schuldenstand bis 2020 auf 124 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu senken, 2014 werden es Prognosen zufolge noch 190 Prozent sein.

"Wir werden am Freitag wissen, wie das Ganze gelaufen ist. Hier herrscht Spannung", sagte ein Mitarbeiter des Finanzministeriums der Nachrichtenagentur dpa nach der Veröffentlichung des Angebots.

Der Erfolg ist die Voraussetzung für die Freigabe weiterer Milliardenhilfen

Das Land muss sich das Geld für die Käufe leihen - zu günstigen Konditionen aus dem laufenden Hilfsprogramm, eventuell auch über eine Vorfinanzierung durch den Rettungsfonds EFSF.

Zuletzt hielten Privatanleger griechische Staatsanleihen im Volumen von etwa 62 Milliarden Euro. Etwas mehr als die Hälfte davon befindet sich in den Händen von Banken und Anlegern im Ausland. Es gilt als sicher, dass die griechischen Geldhäuser an dem Rückkaufprogramm teilnehmen werden. Sie sollen Anleihen im Wert von 15 Milliarden Euro halten.

Damit der Schuldenschnitt gelingt, müssen sich genügend Anleger von ihren Papieren trennen. Ein Erfolg ist Voraussetzung für die Freigabe weiterer Milliardenhilfen der internationalen Geldgeber an Athen. Das Programm gehört zu einem Bündel an Schritten, das die Finanzminister der Euro-Staaten vor einer Woche zur Absicherung des laufenden Hilfsprogramms für Griechenland von 130 Milliarden Euro beschlossen hatten.

Mitte Dezember wollen die Euro-Finanzminister und der IWF das Rückkaufprogramm bewerten und über die Auszahlung weiterer Hilfen von rund 44 Milliarden Euro aus dem laufenden Rettungspaket entscheiden.

Holländische Auktion

Als Verfahren für den Rückkauf wurde eine modifizierte holländische Auktion gewählt. Dabei müssen Investoren ihre Preisvorstellung offenlegen, bevor das Kaufangebot unterbreitet wird. Den Zuschlag erhalten die Gläubiger, die sich mit dem wenigsten Geld zufrieden geben.

Große Hedgefonds haben sich auf das Vorhaben eingestellt und massenhaft griechische Staatsanleihen gekauft. Manche kauften im Sommer zu einem Kurs von 15 Prozent des Nominalwerts. Die Kurse der Papiere stiegen durch die Spekulation, der Rückkauf ist dadurch teurer geworden.

Die Kurse von griechischen Anleihen reagierten mit massiven Gewinnen auf die Veröffentlichung der Details zum Anleiherückkauf. Der Kurs für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg innerhalb weniger Minuten um etwa zehn Prozent. Das höchste Kursgebot lag im freien Handel bei 39,785 Prozent. Das sind jene Papiere, für die Athen maximal 40,1 Prozent des Nominalwerts bieten will. Im Gegenzug gingen entsprechend die Renditen für Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stark zurück. Im Vormittagshandel rutschte die Rendite um 1,35 Prozentpunkte auf 14,49 Prozent - den tiefsten Stand seit August 2011. Der positive Effekt war auch bei den Anleihen anderer Staaten spürbar, die von der Schuldenkrise betroffen sind: Spanische und italienische Papiere waren begehrter als vergangene Woche.

Je weniger Vertrauen Investoren in einen Staat oder ein Unternehmen haben, desto höher ist der Zinssatz auf die Papiere, mit denen jene sich Geld leihen. Die Rendite ist der Gewinn, den ein Anleger pro Jahr erzielen würde, wenn er die Papiere heute kauft und bis zur Fälligkeit hält - vorausgesetzt, sie werden dann in vollem Umfang zurückgezahlt. Denn ein zweiter Schuldenschnitt für Griechenland wird wahrscheinlicher, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel schließt ihn mittlerweile nicht mehr aus.