Bankenhilfe aus dem Rettungsfonds Zypern will Milliarden aus Europa und Russland

Unter den Euro-Rettungsschirmen wird es wohl bald ein bisschen enger. Schon kommende Woche könnte Zypern als fünftes Land Finanzhilfen fordern, heißt es aus Diplomatenkreisen. Aber nicht nur aus Europa, auch aus Russland sollen Milliarden kommen.

Zypern wird nach Angaben eines EU-Diplomaten Hilfe für seinen Bankensektor bei der Eurozone beantragen. Der Inselstaat werde dies "wahrscheinlich in der kommenden Woche tun" und überdies bei Russland um einen Kredit von drei bis fünf Milliarden Euro ersuchen, sagte der EU-Diplomat.

Damit würde Zypern nach Irland, Portugal, Griechenland und Spanien das fünfte von 17 Euro-Ländern, das europäische Hilfe braucht. Das Land sendet seinen Hilferuf, kurz bevor es im Juli planmäßig die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen wird.

Dem Diplomaten zufolge gibt es bislang keine Angaben über die Höhe möglicher Hilfen für Zypern. Die Regierung in Nikosia müsse zunächst eine "eindeutige Analyse" durchführen. Schätzungen zufolge könnte Zypern rund vier Milliarden Euro benötigen.

Um den bilateralen Kredit Russlands werde Zypern sich noch in dieser Woche bemühen, sagte der Diplomat. Aus Russland hat Zypern sich bereits einen zinsgünstigen Kredit in Höhe von 2,5 Milliarden Euro gesichert, um seinen Refinanzierungsbedarf für das laufende Jahr zu decken.

Der Antrag auf EU-Hilfe soll laut dem Diplomaten wahrscheinlich nach dem Modell Spaniens erfolgen, das Finanzhilfen für seinen Bankensektor beantragt hatte, zugleich aber betonte, dass der Staat selbst keine Hilfe der Euro-Partner benötige.

Zypern und Griechenland eng verflochten

In Zypern sind Wirtschaft und Banken eng mit dem benachbarten Griechenland verflochten, dessen Wirtschaft und Finanzbranche sich in einer beispiellosen Krise befinden. Ein Viertel der Auslandsinvestitionen kommen aus Griechenland, ein Fünftel des Handels wickelt Zypern mit dem großen Partnerland ab. Jeder dritte Euro auf einer zyprischen Bank gehört einem Griechen. In der vergangenen Woche hatte die US-Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit Zyperns um zwei Stufen gesenkt.

Die Probleme der Zyprioten ähneln denen der Spanier. Der Inselstaat braucht Geld für die Banken. Besonders die Cyprus Popular Bank, das zweitgrößte Geldhaus des Landes, leidet unter dem Schuldenerlass für Griechenland. Angaben zufolge muss Zypern bis Ende Juni mindestens 1,8 Milliarden Euro auftreiben, um die Cyprus Popular Bank zu rekapitalisieren. Für die kleine Volkswirtschaft ist das eine enorme Summe, die etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht.

Dennoch wäre eine Finanzspritze für die klamme Volkswirtschaft Zypern für den Rettungsschirm eine vergleichsweise kleine Herausforderung. Während im Fall von Zypern von Summen bis zu vier Milliarden Euro die Rede ist, stellen die EU-Rettungsschirme den spanischen Banken bis zu 100 Milliarden Euro zur Verfügung. Zum Vergleich: Alle Rettungsschirme der EU werden zusammen zukünftig ein Volumen von etwa 800 Milliarden Euro haben.