Autostadt in Michigan US-Metropole Detroit ist bankrott

Es ist ein Novum in der US-Geschichte: Erstmals muss mit Detroit eine amerikanische Großstadt Konkurs anmelden. Pro Jahr gab Detroit 100 Millionen Dollar zu viel aus, zuletzt wurden sogar die Laternen nachts ausgeschaltet.

Die einst blühende US-Autometropole Detroit hat Konkurs angemeldet. Die hoch verschuldete Stadt im Bundesstaat Michigan meldete offiziell Konkurs an. Es ist das erste Mal in der Geschichte der USA, dass eine Stadt dieser Größe Insolvenz anmeldet.

Detroit war zuletzt kaum fähig, die Kosten für die Straßenbeleuchtung zu zahlen. Einsätze von Polizei und Feuerwehr wurden auf die wichtigsten Notrufe reduziert. Der Gouverneur von Michigan, Rick Snyder, sprach in einem an den Insolvenzantrag angehängten Brief von einer "verfehlten Pflicht gegenüber den Bürgern". Er fügte hinzu, der Bankrott sei die einzige vernünftige Alternative gewesen.

Die Stadt hat nach Medienberichten zufolge Schulden von etwa 19 Milliarden Dollar (15,5 Milliarden Euro). Einst bekannt für seine blühende Autoindustrie, kämpfte die Stadt seit Jahren ums finanzielle Überleben.

Zombieland in der Autostadt

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Jahrzehntelanger Niedergang

Autobauer wie General Motors, Ford und Chrysler verhalfen der Stadt mit zeitweise zwei Millionen Einwohnern zur Blüte. Doch die scharfe Konkurrenz aus Japan, Fehlentscheidungen in den Unternehmen und Misswirtschaft in der Stadtverwaltung ließen Detroit in einem "60 Jahre andauernden Niedergang" abstürzen, wie Snyder den Verfall der Stadt bezeichnete. Die Autoindustrie verlagerte ihre Standorte, viele Fabriken schlossen, die Arbeitslosigkeit schoss ebenso in die Höhe wie die Kriminalität.

1950 hatte die Stadt noch 1,8 Millionen Einwohner. Heute leben in der Stadt noch 700.000 Menschen, davon ein Drittel in Armut. Viele öffentliche Dienste wie etwa die Straßenbeleuchtung funktionieren nicht mehr, zahlreiche Wohnungen und Geschäfte stehen leer.

Obwohl sich die noch immer in der Region beheimateten Auto-Konzerne General Motors und Ford zuletzt erholten, steckt die Stadt in einer tiefen Krise. Die Ausgaben zum Betrieb der städtischen Dienste überstiegen seit 2008 die Einnahmen jährlich um etwa 100 Millionen Dollar. Zudem zehren Zahlungen für langfristige Verbindlichkeiten fast 20 Prozent des jährlichen Haushalts auf. Darüber hinaus belasten milliardenschwere Pensionsverpflichtungen die Stadtkasse.

Steigende Mordraten

Heute stehen in Detroit 78.000 Gebäude leer, 40 Prozent der Straßenlaternen sind außer Betrieb. Weil das Geld für Reparaturen fehlt, fährt nur ein Drittel der Rettungswagen. Wie Snyder in seinem Schreiben erklärte, müssen die Bürger in Detroit nach einem Notruf durchschnittlich 58 Minuten auf die Polizei warten - landesweit liegt der Durchschnitt bei elf Minuten. Zugleich ist die Mordrate auf dem höchsten Stand seit knapp 40 Jahren.

Es wird erwartet, dass andere Städte in den USA die Folgen der Konkursanmeldung zu spüren bekommen. Für sie könnte es schwieriger werden, Kredite zu erhalten, denn die einst als besonders vertrauenswürdig eingestuften Anleihen von Gemeinden verlieren voraussichtlich weiter an Ansehen.