Frankfurter Autoschau Warum Google die deutschen Autohersteller nervös macht

Der Prototyp des "Self-driving vehicle", also eines selbstfahrenden Autos, von Google.

(Foto: dpa)

Erstmals ist Google bei der Frankfurter Autoschau dabei. Was bedeutet das für die deutschen Hersteller? Ist der IT-Konzern ein Partner? Oder ein Konkurrent?

Von Thomas Fromm

Eine Zeit lang reisten nur die einen, die anderen blieben zu Hause: Deutsche Autobosse fuhren zur Elektronikmesse CES nach Las Vegas und sprachen vor IT-Experten über ihre Autos. Die Manager trafen dort auf Computer-Nerds - Automenschen und Computermenschen, zwei Welten. Aber da aus Autos gerade rollende Computer werden, fanden es die Firmenlenker aus der Alten Welt richtig, der Neuen Welt einen Besuch abzustatten. Gegenbesuche gab es kaum. Das ändert sich jetzt, und das macht viele nervös.

Wenn nächste Woche in Frankfurt die Automesse IAA beginnt, sind sie zum ersten Mal da, die Leute aus dem Silicon Valley - allen voran Google. In Halle 3.1 treffen sie sich zu einer eigenen Veranstaltungsreihe. Motto: "New Mobility World". Es geht um die Zukunft. "Wir stehen vor der Neuerfindung des Automobils", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche. Die Frage ist nur: Wer erfindet hier was?

Google und Apple arbeiten an selbstfahrenden Autos, der Taxi-Dienst Uber forscht an Roboterautos. Und die traditionellen Autokonzerne? Noch kontrollieren sie ihr Terrain - aber wie lange noch? Um die Neuen in Schach zu halten, kaufen BMW, Daimler und Audi gerade den Navigationsdienst Here von Nokia für 2,5 Milliarden Euro. Hochpräzise Karten und Spezialelektronik, ohne die selbstfahrende Autos nicht alleine auf die Straße können. In spätestens 20 Jahren sollen sie Alltag sein.

IT-Branche will vom Automarkt profitieren

Viele Menschen aber sind skeptisch. Sie wollen die Kontrolle nicht einer Maschine übergeben. Sie fürchten sich vor Hackern, die ihr Auto manipulieren könnten, oder davor, dass ihre privaten Fahrdaten in falsche Hände geraten. Doch die Industrie will wachsen - und dazu braucht sie ihre nächste Wachstums-Story.

Da der Automarkt ein Milliardenmarkt ist, will auch die IT-Branche profitieren. Die traditionellen Autohersteller wissen aber nicht, was ihre neuen Freunde - oder Feinde - wirklich wollen: Bleiben die IT-Firmen Zulieferer, die nur ihre Software in die Systeme der Autos einspielen? Oder werden sie zu harten Konkurrenten und bauen am Ende selbst die Fahrzeuge?

Noch können die IT-Leute keine Autos bauen, die aussehen wie etwa ein Porsche 911. Doch die Konzerne rüsten auf. Apple holt sich seine Leute aus der alten Industrie. Anfang des Jahres warben sie den Mercedes-Chefentwickler aus den USA ab; reihenweise wechseln Ingenieure von Autozulieferern ins Silicon Valley. Geld spielt keine Rolle: Experten des Elektroauto-Pioniers Tesla soll Apple Prämien von 250 000 Dollar und eine Gehaltserhöhung von 60 Prozent für einen Jobwechsel angeboten haben.

Experten warnen vor "Angriff auf die Autohersteller"

Deckname der Apple-Auto-Strategie: "Project Titan". Denkbar wäre, dass diejenigen, die schon seit Jahrzehnten Autos bauen, dies demnächst auch für Google und Apple tun. Vor einiger Zeit kursierten Gerüchte, BMW könne das iCar bauen - und zwar auf der Grundlage des eigenen Elektro-Kleinwagens i3, für den sich die Amerikaner angeblich interessierten. Auch Daimler-Chef Zetsche hält eine Zusammenarbeit mit IT-Konzernen für denkbar.

Experten warnen: "Das ist ein Angriff auf das Geschäftsmodell der Autohersteller, und ich würde an deren Stelle nicht auf die Umarmungsstrategie setzen", sagt Klaus Schmitz von der Unternehmensberatung Arthur D. Little. "Das Risiko ist sehr groß, dass sich so eine Partnerschaft im Laufe der Zeit umdreht und die Hersteller zu reinen Zulieferern degradiert werden." Werden BMW, Daimler und Audi also Blechbieger? Werden sie zu Auftragsfertigern - wie das chinesische Unternehmen Foxconn, das für Apple die iPhones zusammenschraubt? Eben das wollen die Konzerne vermeiden.