Audi Stadler gibt Chefposten bei Audi vorläufig ab - Schot übernimmt

Am Audi-Stammsitz in Ingolstadt berät der Aufsichtsrat über einen Interimschef für den Hersteller.

(Foto: dpa)
  • Der Audi-Aufsichtsrat hat Vertriebsvorstand Bram Schot zum Interims-Chef des Autoherstellers berufen.
  • Der verhaftete Manager Rupert Stadler wurde auf eigenen Wunsch vorübergehend von seinen Aufgaben entbunden.
  • Stadler war am Montagmorgen wegen Verdunkelungsgefahr in der Abgasaffäre verhaftet worden und sitzt in Untersuchungshaft.
Von Max Hägler

Audi bekommt einen neuen Chef - zumindest vorübergehend: Am Dienstagmittag hat der Aufsichtsrat des Ingolstädter Autoherstellers Vertriebsvorstand Bram Schot zum Interims-Chef berufen. Das teilte Audi nach einer Sitzung der Konzernkontrolleure mit. Schot springt für Rupert Stadler ein, der seit Montagmorgen in Untersuchungshaft sitzt. Laut Mitteilung hatte er nun darum gebeten, vorübergehend von seinen Aufgaben im Vorstand von Audi und Volkswagen entbunden zu werden.

Am Montag hatte der Volkswagen-Aufsichtsrat eine Entscheidung zur Führung bei Audi noch vertagt. An die sieben Stunden hatten die Aufseher über Stadler beraten und die Frage, wie es weitergeht. Stadler war zuhause in Ingolstadt wegen Verdunkelungsgefahr in der Abgasaffäre verhaftet worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft in der JVA Augsburg. Die Nachricht war so unerwartet gekommen, dass selbst die stundenlange Debatte nicht für eine Entscheidung reichte.

Dass Schot zumindest zwischenzeitlich für Stadler die Führung des Premium-Herstellers mit seinen 90 000 Mitarbeitern übernehmen würde, war erwartet worden. Sein Name war bereits am Montag kursiert. Aus Kreisen des Konzerns und des Aufsichtsrats hatte es noch am Dienstagvormittag geheißen, dass sich Mitglieder der Familien Porsche und Piëch gegen eine Beurlaubung Stadlers sperrten. Arbeitnehmervertreter und die Vertreter der Landesregierung Niedersachsen drängten hingegen auf einen schnellen Entscheid. Nun nahm Stadler ihnen die Entscheidung offenbar ab.

Bereits am Montagmittag hatte Personalvorstand Wendelin Göbel in einer Managementnotiz darauf verwiesen, dass es nun wichtig sei, sofortige Handlungsfähigkeit zu sichern. Zur Beschleunigung könnte nun auch beigetragen haben, dass der Landtag von Niedersachsen um 13.30 Uhr zusammentrat und im Raume stand, dass per Geschäftsordnungsantrag die Debatte spontan auf VW gelenkt wird. Eine unangenehme Situation für den Konzern, zumal einige auf die dahingehenden Erklärungen der Landesregierung gespannt waren.

Schot kommt von außen

Bram Schot ist ein Niederländer, der einmal woanders, bei Mercedes, gearbeitet hat - was ungewöhnlich ist in diesem VW-Konzern, wo sie sich ihr Personal meist selbst heranziehen, über Jahrzehnte hinweg. Erst im vergangenen Jahr ist Schot bei einer größeren Vorstandsrochade nach Ingolstadt gewechselt, wo er für den Vertrieb zuständig ist, den Autoverkauf also, bei dem Audi versucht, den Anschluss zu gewinnen an BMW und Mercedes.

Zuvor war Schot im VW-Konzern für den Vertrieb von kleineren Nutzfahrzeugen zuständig - und damit erfüllt er eine Bedingung, die wichtig ist in diesen Zeiten: Er hat wohl tatsächlich kaum Berührungspunkte mit Auto-Dieselmotoren gehabt. Damit könnte er auch ein Kandidat sein für die dauerhafte Nachfolge, falls Stadler doch nicht zurückkehrt. Denn: "Es ist schwer, jemanden zu finden, der sicher nicht belastet ist."

Allerdings, das sagten Leute aus dem Audi-Aufsichtsrat vor der Sitzung am Dienstag, sei Schot mit einer Berufung nicht dauerhaft gesetzt. Möglich wäre auch Entwicklungsvorstand Peter Mertens, der erst vor einem Jahr von Volvo zu Audi gekommen ist. Auch Oliver Blume, derzeit Vorstandsvorsitzender von Porsche, wird genannt.

Vom Niedergang eines Herrenklubs

Jahrzehntelang verhielten sich deutsche Auto-Manager wie aufgeplusterte Gockel. Die Verhaftung von Audi-Chef Stadler zeigt: Diese Branche braucht einen Kulturwandel - dringender denn je. Kommentar von Angelika Slavik mehr...