Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick über Hilfsangebote der Konkurrenz, staatliche Bürgschaften und eine mögliche Insolvenz.
Karl-Gerhard Eick, 55, ist seit Anfang März Chef des Handelskonzerns Arcandor, zu dem neben Karstadt auch der Versandhändler Quelle und eine Mehrheit am Touristikkonzern Thomas Cook gehören. Nach Stationen bei BMW und beim Familienkonzern Haniel wurde der Betriebswirt im Jahr 2000 Finanzvorstand bei der Deutschen Telekom und galt dort auch als Kandidat für den Chefposten.
Denkerpose: Karl-Gerhard Eick führt seit wenigen Wochen Arcandor. Er hat viele Altlasten von Amtsvorgänger Thomas Middelhoff mitbekommen. (© Foto: AP)
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SZ: Herr Eick, Metro-Chef Eckhard Cordes hat einen Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt vorgeschlagen. Eine gute Idee?
Karl-Gerhard Eick: Die Idee einer Deutschen Warenhaus AG ist immer wieder einmal massiv vorangetrieben worden. Darauf gab es bis zu diesem Wochenende von Metro und Kaufhof überhaupt kein Echo. Jetzt kommt der Vorstoß von Metro sehr überraschend. Bisher hat sich bei mir noch keiner gemeldet, geschweige denn, dass uns ein Konzept vorliegt.
SZ: Hat der Plan denn eine Chance?
Eick: Die Idee ist zunächst einmal naheliegend und auf den ersten Blick auch plausibel. Doch sie hat auch gravierende Nachteile. Es würde ein Monopol bei Warenhäusern entstehen. Wir haben den Fall von Kartellanwälten prüfen lassen. Nach deren Einschätzung hat das Modell beim Bundeskartellamt kaum eine Chance. Außerdem würde es in diesem Fall wohl zu einer flächendeckenden Bereinigung bei Kaufhäusern und einem hohen Arbeitsplatzabbau kommen.
SZ: Gemeinsam würden Karstadt und Kaufhof auf mehr als 200 Standorte kommen. Wie viele wären bei einer Fusion gefährdet?
Eick: Sicher wären zwischen 40 und 50 Kaufhäuser von der Schließung bedroht. Aber es könnten auch deutlich mehr sein. Sicher ist: Es werden mehr Standorte dichtgemacht und Mitarbeiter entlassen, als wenn die beiden Konzerne parallel als Konkurrenten weiter arbeiten.
SZ: Sie wehren sich also gegen eine Fusion?
Eick: Zum jetzigen Zeitpunkt lehne ich einen Zusammenschluss ab. Das von Herrn Cordes vorgeschlagene Modell scheint darauf zu basieren, dass Arcandor vorher in die Insolvenz geht. Denn Arcandor ist in dem uns bekannten Modell ja als Gesellschafter gar nicht mehr berücksichtigt. Aber das wollen wir nicht. Der Vorschlag von Metro scheint mir derzeit eher ein taktisches Manöver und Störfeuer auf der politischen Bühne zu sein. Arcandor braucht eine staatliche Bürgschaft - und dafür kämpfe ich.
SZ: Das heißt, die Idee einer Deutschen Warenhaus AG bestehend aus Kaufhof und Karstadt ist tot?
Eick: Die Warenhaus AG hilft uns kurzfristig bei der Zukunftssicherung von Arcandor überhaupt nicht. Unser Ziel ist es, eine langfristige finanzielle Zukunft für Arcandor zu schaffen. In einem zweiten Schritt könnte eine Fusion dann durchaus ein vernünftiges Konzept sein. Das will ich gar nicht ausschließen.
SZ: Im Juni laufen Kredite über 650 Millionen Euro aus. Im September stehen weitere 300 Millionen Euro zur Nachfinanzierung an. Wo soll das Geld herkommen?
Eick: Wir haben dem Aufsichtsrat am Sonntag in einer langen Sitzung ein Konzept präsentiert, wie das zu schaffen ist - vorausgesetzt, alle Beteiligten ziehen mit. Etwas Besseres wird niemandem einfallen. Davon bin ich zutiefst überzeugt.
SZ: Wie sieht das Konzept aus?
Eick: Unser Ziel ist es, eine solide Finanzierung über fünf Jahre hinzubekommen. Kurzfristig benötigen wir neben einer Staatsbürgschaft über 650 Millionen Euro einen Kredit der KfW über 200 Millionen Euro. Die Banken müssen außerdem bestehende Linien verlängern. Zudem sollen Vermieter sowie Lieferanten in den nächsten fünf Jahren 250 Millionen Euro beitragen.
SZ: Und wo ist der Beitrag der Eigentümer?
Eick: Ohne eine Kapitalerhöhung wird es nicht gehen. Beim Eigenkapital sehen wir eine Erhöhung von 100 Millionen Euro.
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Machtkampf in der Linken
"Committed to creating value": Unverkennbar die Großspurigkeit der Ära Middelhoff. Anstatt dass sie dafür sorgen, dass sie wieder was verkaufen in ihren Karstadt-Häusern bezahlen haben sie Millionen allein für den großartigen Kunstnamen Arcandor bezahlt. Und jetzt soll es der Steuerzahler richten. Staatsknete nur gegen Verstaatlichung.
Statt mit der Wichtigkeit in der Volkswirtschaft zu prahlen (und dabei der unfairste Arbeitgeber in Deutschland laut Manager Magazin 23.03.09), sollte die Raupe Nimmersatt sich aus einigen Geschäftsteilen trennen, statt nach dem Geld der Bürger zu rufen.
HSE24 für 200 Mill, alte Kamellen wie Quelle und den großen Brocken Thomas Cook für 800 Mill. sollten zuerst verkauft werden, damit sich Arcandar den Warenhäusern wieder widmen kann. Erst dann, wenn das alles nicht klappte, kann man nach Staatsgeldern rufen. So sehen viele sonst die Krise nur als Opportunisten, ohne Rücksicht auf die immense Staatsverschuldung.
Ich finde den Herrn einfach unglaublich dreist!
Was jammert denn Eick da rum? Er hat doch Arcandor in eine Situation gebracht, die das Schiff unlenkbar gemacht hat. Und nun wundert er sich, daß die Marktkräfte wirken? Relaitätsferne bis zum bitteren Ende.
Wenn nicht Metro, dann wird eben ein anderer Investor die Bude aufkaufen. Und dann beginnt der übliche Prozess: Separieren der Immobilien, Schließen der unrentablen Filialen.