Arbeitsmarkt-Studie Minijobs gefährden reguläre Stellen

Viele Minijobs im Gastgewerbe: Symbolbild

(Foto: Catherina Hess)

Flexibel und billig: Unternehmer schätzen Minijobber. Gewerkschaften warnen jedoch seit Jahren, dass die 400-Euro-Jobs sozialversicherungspflichtige Stellen verdrängen. Nun haben Forscher der Arbeitsagentur diesen Zusammenhang erstmals nachgewiesen. Vor allem der Einzelhandel, aber auch andere Branchen, sind betroffen.

Minijobs erlauben der Wirtschaft mehr Flexibilität - aber vernichten sie sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze? Dass diese Kritik berechtigt sein könnte, ist das Ergebnis einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, kurz IAB. Das ist kein gewerkschaftsnahes Institut, sondern die offizielle Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Ihrer Untersuchung zufolge gibt es durchaus Hinweise, dass die Minijobs volle Stellen verdrängen, die sonst Einnahmen für Krankenkassen, Rentenversicherungen und Finanzämter bringen (PDF).

Mit Minijobs können sich Bürger 400 Euro im Monat hinzuverdienen, vom 1. Januar 2013 an wird diese Grenze auf 450 Euro angehoben. Sie zahlen keine Beiträge an die Sozialversicherungen. Arbeitgeber schätzen an dem Modell, dass sie in Boomzeiten schnell und unbürokratisch Angestellte für Minijobs finden können. Langjährigen Minijobbern bleibt jedoch am Ende weniger Rente - weshalb der Arbeitsform vorgeworfen wird, Altersarmut zu verschlimmern.

Die IAB-Statistiker berichten nun, dass der Anteil der Minijobber in Betrieben insgesamt von 2006 bis 2011 "nahezu konstant" geblieben sei. In manchen Branchen könnte es aber einen Zusammenhang zwischen Wachstum bei Minijobs und dem Rückgang regulärer Jobs geben. Dazu zählen vor allem Einzelhandel, Gastgewerbe sowie Gesundheits- und Sozialwesen.

Hinweise für eine Verdrängung sozialversicherungspflichtiger Jobs gebe es vor allem bei kleineren Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern. Hier sei aber zu bedenken, dass diese Unternehmen nicht in jedem Fall zusätzliche sozialversicherungspflichtige Stellen hätten schaffen können - weil Arbeitnehmer einen Minijob bevorzugten oder das Arbeitsvolumen einfach zu gering sei.

Indizien für eine Verdrängung fanden sich laut IAB-Studie auch bei Betrieben mit bis zu 99 Beschäftigten. Bei Firmen mit mehr als 100 Mitarbeitern schienen sich die beiden Beschäftigungsformen dagegen eher zu ergänzen: Wenn die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten wachse, nehme auch die Zahl der Minijobber zu.

Mehr als 7,4 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten laut IAB als Minijobber, rund 2,5 Millionen davon im Nebenjob. Nach den Arbeitsmarktreformen 2003 war ihre Zahl sprunghaft gestiegen. Damals wurden die 400-Euro-Jobs eingeführt.

Diese Entwicklung trifft schon länger auf Kritik. Minijobs seien "Niedriglohnfallen", sagt etwa die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer. Sie hätten als Brücke in die rentenversicherungspflichtige Arbeit versagt. "Die Ausweitung von Minijobs ist die Ausweitung von Altersarmut", sagt sie.

Die neue Studie des IAB gibt den Kritikern nun Auftrieb. Nach Ansicht des DGB-Bundesvorstandsmitglieds Annelie Buntenbach, zeigt die IAB-Studie, "dass in einzelnen Branchen die Verwerfungen durch Minijobs gravierend sind und sozialversicherungspflichtige Arbeit verdrängt wird." Vor allem die Arbeitgeber profitierten von Minijobs durch niedrige Kosten, sagte die Gewerkschaftsführerin.