Arbeitsbedingungen in Brasilien Zaras Sklaven

Das Modelabel Zara ist sehr bemüht um ein soziales Image. Jetzt muss es aber 1,4 Millionen Euro zahlen, um das brasilianische Arbeitsministerium zu besänftigen: In São Paulo ließ ein Zulieferer Kleidung für Zara in Sklavenarbeit herstellen.

Von Sebastian Schoepp und Marlene Weiss

Zum Abschluss des dritten Quartals hatte der spanische Modekonzern Inditex vor einer Woche fast nur Erfreuliches zu berichten: weltweit 358 neue Läden seit Anfang des Jahres, fast 10.000 neue Arbeitsplätze und zehn Prozent Umsatz- und Gewinnsteigerung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Doch unter welchen Bedingungen der Erfolg mit der billigen Kleidung zustande kam, darüber sagte der Quartalsbericht nichts aus.

Die Inditex-Marke Zara hat jetzt einen Streit mit dem brasilianischen Arbeitsministerium beigelegt: Weil ein brasilianischer Zulieferer Kleidung für Zara in Sklavenarbeit herstellen ließ, verpflichtete sich das Unternehmen zur Zahlung von 1,4 Millionen Euro. Sie sollen sozialen Initiativen zugute kommen.

Inditex wirbt gerne damit, dass die Firma zu anständigen Bedingungen produziere, und hat sich auch eine entsprechende Selbstverpflichtung auferlegt. Im August jedoch war bei einer Razzia in drei Werkstätten des Zara-Zulieferers Aha in São Paulo festgestellt worden, dass die Arbeiter, viele davon bolivianische Einwanderer, unter "sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten mussten", wie die brasilianische Staatsanwaltschaft feststellte.

Die Arbeiter wohnten in Schlafquartieren oberhalb der Fabrik, die Arbeitsbedingungen seien entwürdigend und gesundheitsschädigend gewesen, sagte ein Sprecher des Arbeitsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Der Zulieferer Aha produziert hauptsächlich für Zara. Inditex wies die Verantwortung zurück, trotzdem wurde ein Verfahren eingeleitet, Zara sollte 8,2 Millionen Euro Strafe zahlen. Am Dienstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass der Konzern mit einer außergerichtlichen Einigung die Summe deutlich reduzieren konnte. Zara wird außerdem aufgefordert, seine Zulieferer strenger zu überprüfen, wird aber nicht für zukünftige Fälle haftbar erklärt.

Das spanische Unternehmen teilte mit, der nun geschlossene Kompromiss zeige, dass sich die "Gruppe Inditex verpflichtet fühlt, stärker zu kontrollieren, dass auch Subunternehmer im Einklang mit den brasilianischen Gesetzen und der bestehenden Selbstverpflichtung des Konzerns arbeiteten". Die spanische Zeitung El País zitiert hingegen brasilianische Analysten, laut denen die Zahlung ein "Schuldeingeständnis" sei.

Solidarität mit den "Empörten"

Es ist nicht der erste Fall dieser Art. 2001 kaufte die niederländische Menschenrechtsorganisation Clean Clothes Campaign Aktien von Inditex, kam dadurch einfacher an Informationen und publizierte eine Studie über die Arbeitsbedingungen in marokkanischen Fabriken, in denen Näherinnen schlecht bezahlt und misshandelt würden. Inditex kündigte daraufhin die Verträge mit 200 Zulieferern. 2003 berichtete der britische Independent, Mexikos Zoll habe Inditex beschuldigt, in Asien gefertigte Ware umzuetikettieren, um den Eindruck zu erwecken, sie komme aus Spanien. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück.

In Spanien hat Inditex, das drittgrößte börsennotierte Unternehmen, einen guten Ruf. Selbst die Gewerkschaften haben wenig auszusetzen. Gründer Amancio Ortega, einer der zehn reichsten Männer der Welt, unterhält eine Stiftung, die die Ausbildung junger Menschen fördert. Seine Frau Rosalía Mera solidarisierte sich im Mai mit der Bewegung der "Empörten", die in Madrid gegen sozialen Kahlschlag protestierten. Im Januar 2011 zog Ortega sich von der Firmenspitze zurück, hält aber noch ein bedeutendes Aktienpaket.

Inditex-Marken wie Zara, Pull & Bear, Massimo Dutti, Bershka, Stradivarius und Oysho bedienen unterschiedliche Käufergruppen, funktionieren aber nach demselben Konzept: Die Kollektion wird alle paar Tage erneuert und vermittelt so stets den Eindruck, auf der Höhe der Zeit zu sein. Nach Meinung von Kritikern sind Angebotspolitik und Preise kaum mit fairen Produktionsbedingungen in Einklang zu bringen.