Altersvorsorge Österreichs Rentner bekommen viel mehr Geld als deutsche

Forscher glauben, dass Deutschland bei der Rente von Österreich lernen könne.

(Foto: dpa)
  • Österreichs Rentner bekommen durchschnittlich deutlich mehr Geld als deutsche. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung.
  • Die Forscher glauben, dass Deutschland von Österreich lernen könne.
Von Thomas Öchsner, Berlin

Für Rentner und Arbeitnehmer, die es noch werden, hört sich es an wie im Paradies: In Österreich erhalten Ruheständler 14 Monatsrenten. In Deutschland sind es nur zwölf. In Österreich kam ein langjährig versicherter Mann 2013 auf eine durchschnittliche Rente von 1560 Euro. Rechnet man die 14 auf zwölf Monatsrenten um, sind es gar 1820 Euro, in Deutschland waren es 1050 Euro. In Österreich werden Mini-Renten, die nicht zum Leben reichen, auf etwa 12 000 Euro im Jahr aufgestockt, in Deutschland nicht mehr.

Hierzulande sind Beschäftigte durch die gesetzliche Rentenversicherung also "weitaus geringer abgesichert" als beim "kleinen Nachbarn". Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die dafür mit der Arbeiterkammer Wien und der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft zusammengearbeitet hat. So geht die Bundesregierung davon aus, dass das Rentenniveau gemessen am Lohn eines Durchschnittsverdieners (2015: 2917 Euro im Monat) von derzeit 47,4 auf 44,6 Prozent seines Gehalts bis 2029 sinken wird. In Österreich wird langfristig mit einem Niveau von gut 68 Prozent kalkuliert. Woher kommt dieser große Rückstand?

Im Nachbarland ist der Rentenbeitrag deutlich höher: Insgesamt fallen dort seit 1988 unverändert 22,8 Prozent an, wovon die Arbeitgeber den größten Batzen mit 12,55 Prozent tragen. In Deutschland liegt der Beitrag derzeit bei 18,7 Prozent. Würde man aber die vier Prozent, die für die Riester-Rente oder die betriebliche Altersvorsorge anfallen können, dazuzählen, wären es ebenfalls 22,7 Prozent. Trotzdem ist das, was unten rauskommt, viel geringer. Die fünf Autoren nennen dafür mehrere Gründe: 30 Prozent aller Arbeitnehmer nutzen sowieso keine der beiden freiwilligen Vorsorgeformen.

Deutschland könnte von Österreich lernen

Außerdem bringt vor allem die Riester-Rente zu geringe Renditen, weil die Zinsen dramatisch gesunken und die Kosten oft zu hoch sind. Bei der Rentenreform nach der Jahrtausendwende war aber das Ziel, die beschlossenen Einbußen bei der gesetzlichen Rente mit einer stärker geförderten privaten und betrieblichen Altersvorsorge auszugleichen. Dies sollte die Rentenbeiträge stabil halten und die Lohnnebenkosten für Unternehmen senken. "Damals war man jedoch viel zu optimistisch. Deshalb steuern wir bei der Altersvorsorge schwierigen Zeiten zu", sagt Studienmitautor Florian Blank von der Böckler-Stiftung.

Zum schlechten Abschneiden Deutschlands trägt zusätzlich bei, dass die Rentenversicherung durch die Frühverrentungswelle bis Ende der 1990er-Jahre und die deutsche Einheit finanziell belastet wurde. Österreich profitierte bereits seit Ende der Neunzigerjahre von der Zuwanderung, Deutschland erst viel später. In Österreich müssen Selbständige in die Rentenversicherung einzahlen. Außerdem wird die Versorgung der Beamten schrittweise an die gesetzliche Rente angepasst.

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Nun ist den Forschern klar, dass sich ein sozialpolitisches System nicht einfach von einem auf ein anderes Land übertragen lässt. Sie merken aber an, dass Deutschland von Österreich lernen könne. So sei es sinnvoller, Steuergeld in die Rentenversicherung zu stecken, als damit eine wenig effiziente Zusatzvorsorge zu subventionieren. Auch bei der Betriebsrente könne das Nachbarland ein Vorbild sein. Dort sind die Arbeitgeber dazu verpflichtet, die Hälfte des Beitrags zu übernehmen.

Das Argument, ein solches System würde die deutsche Wirtschaft stark belasten und damit viele Jobs kosten, überzeugt die Autoren nicht. Sie weisen darauf hin, dass Wirtschaft und Erwerbstätigkeit in Österreich seit 2000 stärker gestiegen sind als in Deutschland. "Der ,kleine Nachbar' hat Deutschland in vielen wirtschaftlichen Belangen um Längen geschlagen", heißt es in der Studie.

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