Aktie wird zum Börsen-Spielball Facebook-Aktie auf Tiefststand

Rette sich, wer kann: Der Aktienkurs von Facebook sinkt zeitweise auf einen Niedrigststand von 19,69 Dollar - und Analysten prophezeien keine Wende des Abwärtstrends. Im Gegenteil.

Von Oliver Klasen

Niemand soll sagen, er sei nicht gewarnt gewesen: Analysten hatten einen schwarzen Tag für die Aktien von Facebook vorhergesagt. Denn am Donnerstag lief die Haltefrist für einen Teil der Wertpapiere des sozialen Internet-Netzwerks ab. Der Markt könnte mit mehr als 270 Millionen Anteilsscheinen regelrecht geflutet werden, unkten die Beobachter. Der Kurs der Aktie, der seit dem Börsengang um fast die Hälfte gefallen ist, werde weiter abrutschen.

Und so kam es dann auch: Der Kurs des Anteilsscheins sank um mehr als fünf Prozent auf den niedrigsten Wert seit dem Börsengang. Der Tiefststand lag bei 19,69 Dollar. Bei der Erstemission im Mai lag der Ausgabepreis noch bei 38 Dollar; 421 Millionen Aktien wurden damals ausgegeben. Sogenannte Lock-up periods, also Sperrzeiten für den Aktienverkauf, laufen in der Regel frühestens 90 Tage nach dem Börsengang aus. Facebook hatte im Mai betont, man habe mehrere solcher Haltefristen eingezogen, um eine Aktienschwemme zu vermeiden. Weitere Haltefristen für Anteile enden in den kommenden neun Monaten. Insgesamt könnten in diesem Zeitraum bis zu 1,9 Milliarden Aktien auf den Markt kommen.

Das Ende der Haltefrist betrifft vor allem Alt-Aktionäre, die schon länger Facebook-Papiere besitzen. Der größte Anteilseigner, abgesehen von Firmengründer Mark Zuckerberg, ist Accel Partners, eine Risikokapitalgesellschaft, die 143 Millionen Aktien hält. Auch die Investmentfirma DST Global Limited (85 Millionen Anteile), der Softwarekonzern Microsoft (26 Millionen), die Großbank Goldman Sachs (42 Millionen) und Peter Thiel, der Gründer des Internetbezahldienstes Paypal (28 Millionen), sind stark engagiert.

Accel wie auch Thiel gehören zu den ganz frühen Unterstützern des sozialen Netzwerks. Sie sind weit vor dem Börsengang vergleichsweise billig eingestiegen, haben dem rasant wachsenden Unternehmen dringend benötigtes Kapital gegen eine Beteiligung zur Verfügung gestellt. Bei Verkäufen dürften sie daher die größten Gewinne einfahren. Weniger wahrscheinlich sind Verkäufe von Investoren wie Goldman Sachs und DST Global Limited, die sich erst in einer recht späten Phase bei Facebook engagiert haben. Facebook-Chef Mark Zuckerberg selbst durfte am Donnerstag nichts verkaufen. Seine Anteile kann er frühestens im November auf den Markt bringen.

Eine Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht

Das Papier dürfte weiter leiden: Das Volumen sogenannter Leerverkäufe ist stark gestiegen. Das sind kurzfristige Geschäfte, bei denen Händler auf fallende Kurse wetten. Der Datendienst Markit hat ermittelt, dass die Zahl der Aktien, die kurzfristig gehandelt werden, sich bereits in den vergangenen Monaten stark erhöht hat. Sie liegt derzeit bei 97 Millionen Aktien, im Juli waren es erst 63 Millionen.

Weitere Aktien könnten auch auf anderem Weg auf den Markt kommen: Facebook plant nämlich, die im April groß angekündigte Übernahme des Online-Fotodienstes Instagram zu beschleunigen. Zuckerbergs Unternehmen hatte mitgeteilt, dass man Instagram zum Preis von einer Milliarde Dollar übernehmen werde; ein Großteil des Kaufpreises soll dabei in Facebook-Aktien bezahlt werden.

Die Papiere sollen nun schneller an die Alt-Eigner des Fotodienstes gehen. Zuckerbergs Firma will dabei ein umstrittenes kalifornisches Gesetz nutzen: Es erlaubt, neue Aktien auszugehen, ohne sie bei der Börsenaufsicht SEC in New York zu registrieren. Das kalifornische Verfahren nimmt nur wenige Tage in Anspruch, währen bei der SEC schon mal bis zu sechs Monate nötig sind. Das Ergebnis: Noch mehr Aktien drücken weiter auf den Kurs. Und die Instagram-Eigner könnten wiederum versucht sein, ihre Papiere rasch wieder loszuwerden. So entsteht eine Spirale nach unten.

Bereits die Verluste der vergangenen Monate sind schmerzlich: "Vor sechs Monaten dachten die Instagram-Eigner, dass sie eine Milliarde bekommen. Jetzt ist es nur noch eine halbe Milliarde", sagt Brian Quinn, Juraprofessor am Boston College. Dumm gelaufen.