Airline So geht es mit Air Berlin jetzt weiter

Air Berlin darf weiterhin abheben - Der Krise davon fliegen können sie dadurch noch lange nicht.

(Foto: REUTERS)
  • Das OVG Lüneburg gestattet es Air Berlin und Etihad, den größten Teil ihrer gemeinsam durchgeführten Flüge weiter anzubieten.
  • Gerettet ist die Krisen-Airline damit aber nicht: Das Unternehmen schreibt seit langem rote Zahlen und ist von den Etihad-Millionen abhängig.
Analyse von Jens Flottau, Frankfurt

Etihad und Air Berlin feiern die Entscheidung als "Sieg für mehr Wettbewerb": Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat die meisten der umstrittenen Gemeinschaftsflüge von Air Berlin und Etihad Airways nun doch genehmigt. In dem Streit ging es darum, ob die beiden Airlines Codesharing betreiben dürfen, also für einen Flug zwei unterschiedliche Flugnummern angeben dürfen. Konkurrenten wie die Lufthansa und auch das Bundesverkehrsministerium sehen die Praxis kritisch.

Dem Gericht zufolge dürfen die beiden Airlines nur auf fünf innerdeutschen Strecken nicht kooperieren, 26 weitere Verbindungen seien aber vom Luftverkehrsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten abgedeckt.

Was das Urteil für die Zukunft von Air Berlin bedeutet

Das Unternehmen selbst versucht, das Urteil als großen Durchbruch darzustellen. Es ist zwar richtig, dass damit die rechtliche Grundlage der Zusammenarbeit mit Etihad wieder gesichert erscheint. Allerdings prüfen das Verkehrsministerium und auch die Konkurrenz, ob es noch weitere Möglichkeiten gibt, gegen die Codesharing-Flüge vorzugehen.

Gerettet ist Air Berlin damit noch lange nicht. Das Unternehmen schreibt trotz der bereits existierenden Zusammenarbeit mit Etihad weiter rote Zahlen und ist seit Jahren auf Finanzhilfen aus Abu Dhabi angewiesen. Diese sind aber immer schwieriger durchzusetzen, ohne damit erneut rechtliche Grenzen zu überschreiten: Die Konkurrenz argumentiert, dass Etihad bei Air Berlin de facto das Sagen hat, obwohl die Golf-Airline nur 29 Prozent der Anteile hält. Als nichteuropäischer Investor darf sie aber nicht die Kontrolle über eine europäische Airline ausüben.

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Wie es mit Air Berlin weitergeht

Keiner der in den vergangenen Jahren angestoßenen Sanierungsversuche hat bei Air Berlin wirklich gegriffen. Die neueste Strategie von Konzernchef Stefan Pichler setzt vor allem auf die Standorte Düsseldorf und Berlin sowie auf neue Langstrecken. Ein Teil der Touristikstrecken nach Palma de Mallorca, wo Air Berlin dominant ist, wird eingestellt. Die teils sehr verlustreichen Etihad-Zubringerflüge sollen aber bleiben.

Pichler hatte seinen ursprünglichen Plan, das Streckennetz stärker zu beschneiden, wieder zurücknehmen müssen. Ein weiteres Problem: Für den Ausbau des Netzes in Düsseldorf fehlen sowohl Geld als auch die nötigen Start- und Landezeiten.

Wie sich der niedrige Ölpreis auswirkt

Der Ölpreis ist derzeit auf dem tiefsten Stand seit knapp zwölf Jahren. Ein Barrel Öl kostete zuletzt teils sogar weniger als 30 Dollar. Die Rohstoffpreise machen sich für die Airline auch beim Treibstoff bemerkbar. Air Berlin hat im dritten Quartal 2015 etwa zwölf Prozent weniger Geld für Kerosin ausgeben als im Quartal zuvor. Das lag zum Teil am sinkenden Kerosinpreis, die Airline hat aber auch sechs Prozent weniger Flüge durchgeführt. Sicherungsgeschäfte für Treibstoffkosten bewirken, dass niedrige Preise sich später bemerkbar machen.

Der starke Preisverfall schadet den Ölförderstaaten. Doch trotz der geringeren Staatseinnahmen durch Öl gibt es derzeit keine Anzeichen dafür, dass die Vereinigten Arabischen Emirate die Auslandsinvestitionen der staatlichen Etihad nicht mehr stützen.

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