Airbus Airbus vor großem Umbruch

Airbus im Umbruch: Die drei wichtigsten Manager verlassen demnächst den Konzern.

(Foto: dpa)
  • Airbus-Chef Tom Enders wird seinen Vertrag nicht verlängern und sein Amt im Frühjahr 2019 abgeben.
  • Fabrice Brégier, Chef der Zivilflugzeugsparte, wird den europäischen Konzern bereits im kommenden Frühjahr verlassen.
  • Hinter den Kulissen tobt bei Airbus seit Monaten ein erbitterter Machtkampf, bei dem es um die Aufarbeitung angeblicher Korruption geht.
Von Jens Flottau

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus steht vor dem größten personellen Umbruch seiner Geschichte. Vorstandschef Tom Enders teilte dem Verwaltungsrat bei einer Sitzung am Donnerstag mit, dass er seinen im März 2019 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. Fabrice Brégier, Chef der Zivilflugzeugsparte, wird das Unternehmen bereits im kommenden Jahr verlassen. Der mächtige Verkaufschef John Leahy geht Ende Januar in den Ruhestand. Damit verlassen die drei wichtigsten Airbus-Manager innerhalb eines Jahres den Konzern.

"Es ist ein Privileg, diesem großartigen Unternehmen dienen zu dürfen," sagte Enders. "Dazu gehört auch die Verantwortung, für eine reibungslose Nachfolge zu sorgen, wenn die Zeit reif ist." Er werde in den kommenden 16 Monaten gemeinsam mit dem Vorstand an einer reibungslosen Übergabe an einen neuen Vorstandschef und eine neue Generation von Führungskräften arbeiten, sagte Enders. Seine volle Konzentration gelte "geschäftlichen Herausforderungen sowie dem Bestreben, unsere Ethik- und Compliance-Programme weiterzuentwickeln und zu stärken."

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Hinter den Kulissen tobt bei Airbus seit Monaten ein erbitterter Machtkampf, in dem die Aufarbeitung angeblicher Korruption beim Verkauf von Zivil- und Militärflugzeugen eine zentrale Rolle spielt. In Frankreich und Großbritannien laufen Ermittlungen gegen Airbus. Untersucht wird, ob der Konzern mit Hilfe von Korruption bei bestimmten Verkaufskampagnen nachgeholfen hat. Auch in Deutschland prüft die Staatsanwaltschaft München ein Verfahren. In den USA drohen zudem Ermittlungen wegen Ungereimtheiten im Verteidigungsgeschäft.

Enders hat vor allem in den vergangenen beiden Jahren interne Reformen vorangetrieben. Eine ehemals in Paris ansässige Airbus-Tochter, die für die Korruptionsfälle verantwortlich gewesen sein soll, wurde geschlossen. Spitzenmanager wie der umstrittene Jean-Paul Gut und Strategievorstand Marwan Lahoud, der für den Bereich verantwortlich war, mussten das Unternehmen verlassen.

Dennoch steht Enders in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, nicht schnell genug gehandelt zu haben und durch seine diversen Rollen im Vorstand eine Mitverantwortung für die Missstände zu tragen. Während Enders immer offen ließ, ob er eine Verlängerung seines 2019 auslaufenden Vertrags anstrebt, hatte Brégier noch in dieser Woche Ambitionen auf den Spitzenjob bestätigt. Dass er Airbus nun bereits im Februar 2018 verlassen wird, ist lediglich ein schlecht verkleideter Rauswurf. Brégier werden interne Verfehlungen angelastet. Viele im Umkreis von Enders und im Verwaltungsrat machen ihn für Indiskretionen verantwortlich, die Enders und dem Konzern in der Öffentlichkeit zuletzt schwer schadeten.

Airbus sucht noch nach einem Nachfolger für Enders

Brégier sagte, es sei nun "die Zeit gekommen, mich Aufgaben außerhalb des Konzerns zuzuwenden." Die offizielle Airbus-Version lautet, Brégier habe mitgeteilt, er wolle sich nicht um die Nachfolge bewerben. "Ich verstehe Fabrice' Entscheidung und hätte genauso gehandelt", sagte Enders.

Wer Enders als Airbus-Chef nachfolgt, ist noch unklar. Laut Airbus kommen sowohl interne als auch externe Kandidaten in Frage. Entschieden ist dagegen bereits, dass Guillaume Faury die Verkehrsflugzeugsparte von Brégier übernehmen wird. Faury ist bislang Chef von Airbus Helicopters, ein Posten, den auch Brégier vor seinem Wechsel in die Zivilflugzeugsparte innehatte.

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