Ägypten Riesiges Gasfeld entdeckt

Das Vorkommen vor der Küste könnte den Energiebedarf des Landes über Jahrzehnte decken.

Der Energiekonzern Eni hat vor Ägypten das bisher größte Erdgasfeld im Mittelmeer entdeckt. Das "Zohr" genannte Feld könnte sich sogar als eines der größten Vorkommen weltweit erweisen und dazu beitragen, den Energiebedarf des Landes auf Jahrzehnte hin zu decken, erklärte das italienische Unternehmen am Sonntag. Zusammen mit anderen Funden im Mittelmeer in den vergangenen Jahren entsteht damit für Europa ein potenzieller Weg, um unabhängiger von Importen aus Russland zu werden. In der Region sorgte die Entdeckung schon am Sonntag für Diskussionen: Der israelische Energieminister Juval Steinitz warnte, sein Land drohe beim Erdgas-Export ins Hintertreffen zu geraten.

"Die historische Entdeckung kann das Energie-Szenario in Ägypten verändern", sagte Eni-Chef Claudio Descalzi. Er hatte sich am Samstag mit Präsident Abdel Fattah al-Sissi getroffen, um über den Fund zu sprechen. Eni zufolge dürfte "Zohr" mit einer Ausdehnung von 100 Quadratkilometern nach ersten Erkenntnissen fast 850 Milliarden Kubikmeter Erdgas enthalten. Wegen des steigenden Verbrauchs ist Ägypten in den vergangenen Jahren zum Energie-Importeur geworden, während es früher Öl und Erdgas ins Ausland verkaufen konnte. Engpässe führen immer wieder zu Stromausfällen, die mitunter politische Unruhen auslösen. Zudem hat der staatliche Gasversorger Egas seine Lieferungen an die Industrie gedrosselt, was zeitweilig zu Produktionsausfällen führte.

Auch in den Gewässern anderer Länder in der Region sind in den vergangenen Jahren neue Vorkommen entdeckt worden. Die beiden Unternehmen Nobel Energy und Delek Group planen seit Längerem, Erdgas von vor der israelischen Küste an Ägypten zu liefern. Das Geschäft kam allerdings bisher wegen fehlender Genehmigungen der israelischen Behörden nicht zustande. Steinitz warf seinem Land am Sonntag vor, in der Energie-Politik "zu schlafwandeln". Unterdessen "verändert sich die Welt vor unseren Augen, mit Implikationen für den Export", erklärte er.

Eni ist seit mehr als 60 Jahren in Ägypten aktiv und vereinbarte im Juni mit der Regierung in Kairo ein milliardenschweres Förder-Geschäft. Seit Descalzi im vergangenen Jahr bei Eni die Leitung übernommen hat, konzentriert sich der Konzern wieder verstärkt auf die Erkundung von Öl- und Gasfeldern. Dies darf Eni nach dem neuen Gasfördervertrag mit Ägypten nicht nur im Mittelmeer, sondern auch auf dem Sinai, im Golf von Suez und in Teilen des Nil-Deltas.

Von dem Gasfund könnte langfristig auch Siemens profitieren; der Konzern unterzeichnete Anfang Juni einen Großauftrag zum Bau von Gaskraftwerken in Ägypten.