Abgas-Affäre VW soll Beweismittel vernichtet haben

VW vor neuem Ärger in den USA: Szene bei einem Volkswagen-Händler in Hannover

(Foto: dpa)
  • Ein ehemaliger VW-Mitarbeiter hat bei einem US-Gericht Klage gegen Volkswagen erhoben, weil er Ende 2015 "gefeuert" worden sei.
  • Die Argumentation: Er sei entlassen worden, weil VW geglaubt habe, er wolle die US-Behörden über eine Behinderung der Justiz durch den Konzern informieren.
Von Thomas Fromm und Klaus Ott

Die Klage, die ein Anwalt aus dem US-Bundesstaat Michigan am 7. März dort bei Gericht für einen früheren VW-Mitarbeiter gegen die "Volkswagen Group of America" einreichte, ist gerade mal elf Seiten lang. Doch dem deutschen Autokonzern, der wegen der Manipulation von Abgas-Tests vor allem in den USA immer stärker unter Druck gerät, könnten die wenigen Seiten dort noch mehr Probleme bereiten.

Der ehemalige Beschäftigte erhebt schwere Vorwürfe gegen VW. In den USA seien Beweismittel vernichtet worden, nachdem die dortige Umweltbehörde am 18. September 2015 die Manipulationen enthüllt hatte. Die Klageschrift liegt NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung vor.

Darin trägt der frühere IT-Mitarbeiter vor, er habe nach dem 18. September bei seiner Tätigkeit im VW-Rechenzentrum in Michigan im Auftrag eines Vorgesetzten zu verhindern versucht, dass dort entgegen einer behördlichen Anordnung Daten gelöscht werden. Anfang Dezember 2015 habe ihn VW dann fristlos entlassen, weil das Unternehmen davon ausgegangen sei, er habe die Umweltbehörde EPA, das US-Justizministerium und die Bundespolizei FBI informieren wollen.

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Daten sollen gelöscht worden sein - trotz gegenteiliger Anordnung

NDR, WDR und SZ schickten dazu am Freitag eine ausführliche Anfrage an die Pressestelle von Volkswagen in Wolfsburg, dem Sitz des Konzerns. Am Samstag antwortete ein VW-Sprecher: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zu arbeitsrechtlichen Differenzen grundsätzlich nicht äußern."

Der Ex-Mitarbeiter trägt in seiner Klageschrift vor, die US-Tochter von VW habe an jenem 18. September 2015 eine Anweisung des US-Justizministeriums ignoriert, sofort alle routinemäßigen Datenlöschungen zu stoppen. Ein anderer VW-Beschäftigter habe die Löschungen bis zum 21. September weiter laufen lassen. Deshalb habe es Streit gegeben.

Auch danach seien bis Ende September, Anfang Oktober weiter Daten vernichtet worden, trotz einer gegenteiligen Anordnung bei VW. Intern sei das als "zufällig" bezeichnet worden. Zu der Löschung von Backup-Discs habe es bei VW geheißen, die US-Tochter habe keinen ausreichenden Speicherplatz.

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Ex-Mitarbeiter fordert nun Schadensersatz

Die IT-Abteilung der US-Tochter von VW habe darüber hinaus sogar verhindert, dass die vom Aufsichtsrat beauftragten internen Ermittler uneingeschränkten Zugang zu den Computersystemen bekommen hätten.

Der Ex-Mitarbeiter trägt in seiner Klageschrift außerdem vor, er habe intern bei mehreren Gesprächen Bedenken geäußert, die US-Tochter von VW behindere die Justiz. VW sei offenbar davon ausgegangen, dass er die EPA, das Justizministerium, das FBI und eventuell weitere Behörden über die Löschungen informiere. Daraufhin sei ihm gekündigt worden.

In seiner Klage beschuldigt der Ex-Mitarbeiter Volkswagen, gegen das Gesetz des Staates Michigan zum Schutz von sogenannten Whistleblowern verstoßen zu haben. Whistleblower sind Personen, die mutmaßliche Vergehen in ihren Unternehmen oder Organisationen nicht verheimlichen oder gar vertuschen, sondern stattdessen Behörden oder Medien darüber informieren. Der Ex-Mitarbeiter fordert von VW nun Schadensersatz. NDR, WDR und SZ haben VW unter anderem gefragt: "Hat die behauptete Löschung von Daten stattgefunden?" Die Antwort: keine Antwort.

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