Benedikt XVI. befördert den Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki und den Theologen Karl Josef Becker. Woelki ist erst seit einem halben Jahr Erzbischof in Berlin, er gilt als äußerst konservativ und wird der weltweit jüngste Kardinal.
Von
Matthias Drobinski
Die Opposition spricht von destruktiver Haltung, die schwarz-gelbe Regierung vom Missbrauch einer Institution: Die Vorwürfe gegen Bundespräsident Wulff sind auch nach einer Sondersitzung des Ältestenrats des niedersächsischen Landtags nicht geklärt - jetzt soll öffentlich über das Thema beraten werden. Unterdessen prüft die Staatsanwaltschaft Anzeigen gegen Wulff und der Kölner Kardinal Meisner nahm zum Thema Stellung.
Christian Wulff versucht die Flucht nach vorne: Der Anwalt des Bundespräsidenten räumt ein, dass der Unternehmer Egon Geerkens mit Wulff über das umstrittene Darlehen über 500.000 Euro verhandelte. In der Buch-Affäre, die den Präsidenten zusätzlich unter Druck setzt, sorgt ein Bericht über geänderte Rechnungen für Wirbel. Und nun mischt sich auch noch ein Kardinal aus Köln ein.
Konservative gegen Liberale: Darf die Kirche den Weltbild-Verlag behalten, in dem auch erotische Literatur angeboten wird? Katholische Bischöfe sind uneins, was sie mit dem Augsburger Medienkonzern anfangen sollen.
Von
Stefan Mayr und Matthias Drobinski
Die Schlagzeilen über erotische Literatur bleiben nicht ohne Folgen. Nach langen Diskussionen haben die Gesellschafter des Weltbild-Verlages dessen Verkauf beschlossen. "Ohne jeden Verzug".
Zusammen sind sie Deutschlands zweitgrößter Arbeitgeber: die evangelische und die katholische Kirche. Unternehmen mit Milliardenumsätzen befinden sich in frommen Händen. Dazu zählen die Verlagsgruppe Weltbild, die nun verkauft werden soll, Lebensmittelhersteller, Filmproduzenten oder Finanzinstitute.
Von
Caspar Busse, Sophie Crocoll und Stefan Mayr
Kardinal Meisner bestraft einen Kritiker, der ein Buch über Homosexualität in der katholischen Kirche geschrieben hat: David Berger darf nicht mehr als Religionslehrer arbeiten. Der spricht von "katholischem Dschihad" und vermutet erzkonservative Schwulenhasser hinter der Aktion.
In Nordrhein-Westfalen soll es ab dem Schuljahr 2012/13 islamischen Religionsunterricht geben. Bei der Gestaltung des Lehrplans ergreifen vor allem junge Konservative das Wort. Sie sind gebildet und selbstbewusst - doch sie verhindern die Veränderung, die der Islam dringend braucht.
Ein Gastbeitrag von
Lamya Kaddor
Zwei Tage nach dem Tod des Berliner Erzbischofs Georg Sterzinsky hat Papst Benedikt XVI. einen Nachfolger ernannt. Der Kölner Weihbischof Rainer Maria Woelki wird Oberhirte für rund 400.000 Katholiken im Raum Berlin.
Die Katholiken sind in Berlin eine Minderheit. Der neue Erzbischof Rainer Woelki gilt als konservativ, Homosexualität hält er für sündhaft. Dem Neuen kann man nicht vorwerfen, dass er die Position seiner Kirche vertritt. Die Kirchenspitze insgesamt ist diskursunfähig. Woelki sucht nun den Dialog - das wird der Maßstab für ihn sein.
Ein Kommentar von
Matthias Drobinski
Die katholische Kirche ist "keine Moralanstalt": Rainer Maria Woelki, der neue Erzbischof von Berlin, ist ein Mann mit Ecken und Kanten. Zum Amtsantritt überraschte der konservative Kölner Katholik mit der Ankündigung, auch mit Lesben, Homosexuellen und Moslems ins Gespräch kommen zu wollen.
Von
Constanze von Bullion
"Empörend und beschämend": Die Missbrauchsfälle lassen die katholische Kirche auch zum Jahresabschluss nicht los. Führende Geistliche fordern für 2011 eine Erneuerung der Kirche.
Ein kleines Redaktionsteam aus Theologen stellt einen Reformkatalog für die katholische Kirche auf und trifft damit einen Nerv: Bislang haben 144 Professoren die Schrift unterzeichnet - und verlangen darin unter anderem das Ende des Zölibats.
Von
Matthias Drobinski
Video
Er wollte die Kirche stärker in die Medien bringen, doch am Ende kam er nur noch mit den falschen Themen vor: Augsburgs Bischof Walter Mixa.
Von
Hans-Jürgen Jakobs
"Geistige Einkehr und räumliche Distanz": Nach Betroffenen und Politikern fordern nun auch Geistliche der Bischofskonferenz den Augsburger Bischof Mixa dazu auf, sein Amt ruhen zu lassen.
Als Joseph Ratzinger im April 2005 zum Papst gewählt wurde, bejubelten Gläubige weltweit ihren "Benedetto Superstar". Fünf Jahre später stecken Benedikt XVI. und seine Kirche in einer schweren Krise. SZ-Autoren über die wichtigsten und die umstrittensten Stationen seines Pontifikats.
Wäre Walter Mixa nicht Bischof, sondern Politiker, hätte er längst zurücktreten müssen. Der Papst kann fehlbare Würdenträger aus dem Amt drängen - macht es aber nicht.
Von
Matthias Drobinski
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner wünscht sich mehr Avantgarde-Kunst über Christus. Am Donnerstag hatte er Gerhard Richters Fenster im Kölner Dom kritisiert, weil es besser in eine Moschee passe.
In einem Rundumschlag hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner Politik, Medien und Gesellschaft scharf kritisiert. Deutschland lebe unter seinen geistigen und geistlichen Verhältnissen. Und er geißelte den Umgang mit menschlichem Leben.
Tibet, Medienkritik, Zölibat - in ihren Osterworten spannen die deutschen Kirchenoberen einen weiten Bogen. Am deutlichsten wird der Fuldaer Bischof Algermissen: Er ruft die Gläubigen auf, gegen "jedwede Todesproduktion" zu kämpfen. Dazu gehöre etwa "die Todesstrategie des Aushungerns der Armen" sowie die "milliardenschwere Rüstung".