Wie man Männerschmuck trägt Der funkelnde Mann

Mercedes-Benz Fashion Week: In Russland trägt Mann laut Designern im Sommer den Indianerlook. haare waschen wird überflüssig.

Nach strengen Benimmregeln verschönert sich ein Gentleman höchstens mit Uhr und Manschettenknöpfen. Dabei geht es bei Männerschmuck gar nicht so sehr darum, was man trägt. Sondern vor allem: wer es tut.

Von Julia Werner

Alles, was über Uhr und Manschettenknöpfe hinausgeht, ist Pfauentum. Leider hat die Tatsache, dass man dies den Männern seit Jahrzehnten eingeredet hat, ihre Einstellung zu Schmuck nicht gerade verbessert.

Schon die Society-Lady Amy Vanderbilt bezeichnete in ihrem Etikette-Guide von 1952 Ringe bei Männern als "affektiert und theatralisch". Sie gestand dem starken Geschlecht nur einen antiken Siegelring zu. All diese Verbote und Regeln haben skurrile Blüten getrieben. Denn eigentlich gibt es nur einen sehr kleinen Kreis, der Siegelringe tragen darf. Und lebt nicht einer wie Keith Richards davon, affektiert und theatralisch zu sein, erklärt sich der obligatorische Totenkopfring so nicht von selbst?

Außerdem können auch Manschettenknöpfe zum modischen Desaster werden, etwa wenn der strenge Befolger der No-Jewelry-Policy seine Schmuck-Phantasien verschämt in Form von kleinen Flugzeugen oder bunten Fußbällchen auslebt. Die glücklicheren unter den Schmuckfans verklausulieren ihren Reichtum in den Komplikationen einer Tourbillon-Uhr, die auch schon mal eine Viertelmillion wert ist, was aber eben nur die Bewunderer der Komplikationen erkennen.

Natürlich, gar keine Regeln gehen auch nicht: Der Lifestyle des Maharadscha von Patiala, sozusagen der Elizabeth Taylor von Indien, der über dem Turban gerne gigantische Diamanten-Diademe trug und sie zum prächtigsten Collier der Welt kombinierte, wirkt mittlerweile ein wenig unmodern. Solche Extreme machen deutlich: Es muss doch einen Mittelweg geben!

Herr der Ringe

Leider gibt es nur einen Ring, den alle Männer tragen dürfen. Es ist der Ehering. Alle anderen Varianten des Fingerschmucks sind einfach zu beherrschen, wenn ein Mann sich ehrlich selbst einschätzt. Bevor er sich für einen gehämmerten Totenkopf-Silberring entscheidet, sollte er sich folgende Frage stellen: Bin ich Rockstar, regelmäßiger Darkroom-Besucher oder Jeans-Designer?

Lautet die Antwort nein, sollte der Kauf überdacht werden. Anders gesagt: Ein Mann muss einen Ring ausfüllen können - deswegen kam Elvis in seiner Spätphase mit glitzernden Overalls und Ringansammlungen an den Wurstfingern weg, andere hätten das nicht geschafft.

Das Gleiche gilt für den Siegelring: Wer seit Jahrhunderten über Ländereien und Schlösser verfügt, darf natürlich so tun, als würde er seine Briefe mit Wachs versiegeln. Auch Könige, die sich selbst erschaffen haben, sind gute Siegelring-Träger, Ralph Lauren zum Beispiel. Die Herrschaft über die hart erarbeitete Vierzimmerwohnung mit Dachterrasse und Loafer-Sammlung reicht leider nicht. Fazit: Im gelungenen Fall zeigt ein Ring, was man ist. Im missratenen, was man gerne wäre.