Zum Tod des Stürmers Timo Konietzka Torschütze Nummer eins

Er schoss 1963 das erste Tor der neu gegründeten Fußball-Bundesliga. Und er war Teil einer legendären Meistermannschaft von 1860 München. Timo Konietzka, der neun Mal für die deutsche Nationalmannschaft auflief, ging nach seiner aktiven Karriere in die Schweiz - dort setzte er jetzt seinem Leben nach schwerer Krankheit selbst ein Ende.

Von Hans Eiberle

Er schrieb Fußballgeschichte. Timo Konietzka schoss am 24. August 1963 im Bremer Weserstadion für Borussia Dortmund in der 1. Minute das erste Tor in der neu gegründeten Bundesliga. Und er traf für die Mannschaft des TSV München von 1860 im ersten Münchner Bundesliga-Lokalderby gegen den FC Bayern nach 58 Sekunden zum 1:0. Am Ende der Saison 1965/66 ließen sich die Münchner Löwen als deutscher Meister feiern. "Timo war ein Teil der schönsten Zeit unseres Lebens", sagt der Münchner Meisterlöwe Alfred Heiß. Und es sei "typisch für den Timo, dass er das so durchgezogen hat".

Timo Konietzka 1963 im Trikot von Borussia Dortmund im Spiel gegen den Karlsruher SC

(Foto: dpa)

Timo Konietzka, geboren am 2. August 1938 in Lünen, seit 1988 Schweizer Staatsbürger, der in Brunnen am Vierwaldstätter See den Gasthof "Ochsen" bewirtschaftete, machte mit seinem Tod ganz bewusst ein letztes Mal Schlagzeilen. Am 12. März 2012 setzte er seinem Leben mit Hilfe einer Schweizer Sterbehilfe-Organisation ein Ende. Er hatte die Institution unterstützt und sich für Werbespots im Fernsehen zur Verfügung gestellt, als er 2010 an einem unheilbaren Gallengang-Karzinom erkrankt war. Sterbehilfe ist in der Schweiz seit 1918 erlaubt.

Seine Münchner Meisterschafts-Kameraden wussten, dass es mit Konietzkas Gesundheit nicht zum Besten stand. Trotzdem sagt Bernd Patzke erschüttert: "Er war nach außen hin immer der Fitteste von uns allen, immer lustig, ein echter Junge aus dem Ruhrgebiet." Und ein stolzer Eidgenosse mit dem Schweizer Kreuz auf der Krawatte.

Getauft wurde Konietzka auf den Namen Friedhelm, aber unter dem kannte ihn keiner. Nicht mal sein Mitspieler Patzke, der erfuhr den Vornamen erst mit der Todesnachricht. Denn schon in Dortmund hatten sie ihn Timo gerufen, angeblich wegen seiner Ähnlichkeit mit dem sowjetischen Marschall Timoschenko. Merkwürdig genug - jener war kahlköpfig, Konietzka trug einen Bürstenhaarschnitt.

Trainer Max Merkel hatte Timo Konietzka vom VfB 08 Lünen zu Borussia Dortmund geholt, aus dem Bergwerk auf den Fußballplatz. In der Oberligamannschaft des BVB bildet er mit Jürgen "Charly" Schütz den erfolgreichsten Angriff der Oberliga West. Konietzka war 27, als ihn Merkel zu den Sechzigern nach München lotste. Der Preis: eine Toto-Lotto-Annahmestelle. Mit beiden Klubs wurde er Meister, mit Borussia 1965 Pokalsieger. In 100 Bundesligaspielen erzielte Timo Konietzka 72 Tore. Die Quote von 0,72 Treffern pro Spiel übertraf nur Gerd Müller. Neunmal wurde Konietzka in die Nationalmannschaft berufen.

1967 wechselte Timo Konietzka in die Schweiz zum FC Winterthur. Als Trainer arbeitete er beim FC Zürich, später bei Young Boys Bern, Grasshopper Club Zürich, Hessen Kassel, Bayer Uerdingen, Borussia Dortmund und FC Luzern. Mit dem FC Zürich wurde er dreimal in Serie Schweizer Meister (1974 - 1976), und 1977 gelangte er ins Halbfinale des Europapokals der Landesmeister, die Spiele gegen den FC Liverpool gingen allerdings 1:3 und 0:3 verloren.

Das erste Tor in der Bundesliga lebt nur in der Erinnerung fort. Es gibt davon weder Film noch Foto. Der Schütze erklärte das so: "Wir spielten auswärts, die Fotografen standen hinter unserem Tor." Mit einem Dortmunder Treffer hatte keiner gerechnet.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns entschieden, in der Regel nicht über Selbstmorde zu berichten, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Die Berichterstattung gestalten wir in solchen Fällen deshalb bewusst zurückhaltend, wir verzichten weitgehend auf Details. Der Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Suizide.

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.