WM 2006 WM-Affäre: Razzien bei Beckenbauer und Radmann

Das Organisationskomitee der WM 2006 von links nach rechts: Horst R. Schmidt, Theo Zwanziger, Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Die Vergabe der Fußball-WM 2006 hat nun doch juristische Folgen für Franz Beckenbauer.
  • Die Schweizer Justiz ermittelt gegen den Weltmeister-Trainer von 1990, außerdem gegen Horst R. Schmidt, Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach.
  • Ein Reaktion Beckenbauers oder seines Managements steht noch aus.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) hat im Skandal um die Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland ein Strafverfahren gegen die WM-Organisationsbosse um Franz Beckenbauer eingeleitet.

Die BA bestätigte am Donnerstag, dass dies bereits am 6. November 2015 geschehen ist. Es geht um den "Verdacht der Betrugs, der ungetreuen Geschäftsbesorgung, der Geldwäscherei sowie der Veruntreuung". Neben Beckenbauer werden die früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie der ehemalige Generalsekretär Horst R. Schmidt beschuldigt.

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Die BA bestätigte zudem "Hausdurchsuchungen oder begleitete Editionen" an insgesamt acht Orten am Donnerstag, allerdings nicht in Deutschland. Die Razzien betrafen auch Beckenbauer sowie seinen langjährigen Adlatus Fedor Radmann.

Dies sei in "enger Koordination und Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden Österreichs sowie Deutschlands und unterstützt vom Bundesamt für Polizei (fedpol)" geschehen. Zudem wurden laut BA "verschiedene Beschuldigte durch die Bundesanwaltschaft, oder im Auftrag der Bundesanwaltschaft einvernommen".

Eine Reaktion von Beckenbauer oder seinem Management gab es vorerst nicht. Zwanziger ließ hingegen ausrichten, die Ermittlungen gegen ihn hätten "keine Substanz". Von einer Hausdurchsuchung sei ihm nichts bekannt. Auch Schmidt erklärte: "Wir wissen von nichts, mir ist nichts bekannt."

Darum geht es

Aufgrund eines Rechtshilfeersuchens aus Deutschland untersucht die Schweizer Bundesanwaltschaft den Fall. Sie ist zuständig, weil die damaligen finanziellen Transaktionen weitgehend über Schweizer Konten abgewickelt wurden. Im Zentrum stehen dabei zwei Zahlungen über insgesamt 6,7 Millionen Euro. Mit Hilfe des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus überwiesen Beckenbauer als damaliger OK-Chef und sein Manager Robert Schwan diese Summe 2002 zunächst über ein Konto in der Schweiz an eine Firma des früheren Fifa-Funktionärs Mohamed bin Hammam in Katar.

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2005 zahlte das WM-OK die 6,7 Millionen verschleiert an Louis-Dreyfus zurück. Welchen Zweck dieses Geld hatte, ist bislang fraglich. Auch eine Untersuchung im Auftrag des Deutschen Fußball-Bundes durch die Kanzlei Freshfields hatte keine endgültige Klärung in der Sache erbringen können. DFB-Ehrenspielführer Beckenbauer hat juristisches Fehlverhalten bislang stets von sich gewiesen.