Die Presseschau "Indirekter Freistoß" befasst sich heute mit Nordkoreas Mission, Geschäftemachern im Fußball, der ewigen Frage nach der Schönheit des Spiels und der deutschen Innenverteidigung.

Indirekter Freistoß ist die Presseschau für den kritischen Fußballfreund. Fast täglich sammelt, zitiert und kommentiert der Indirekte Freistoß die schönsten und wichtigsten Textausschnitte und Meinungen aus der deutschen, während der WM auch aus der internationalen Presse. Täglich auf sueddeutsche.de und www.indirekter-freistoss.de.

Länderspiel - Deutschland - Bosnien-Herzegowina 3:1 Bild vergrößern

"Die deutsche Abwehr hatte schon mal größere Probleme als kalte Hotelduschen", befindet Fußballkommentator Michael Rosentritt vom Tagesspiegel kurz vor dem Start der Fußball-WM. (© dpa)

Anzeige

Bernhard Bartsch (FR) beschreibt die schwierige Mission der Fußballer Nordkoreas in Südafrika: "Nordkoreas Nationalspieler treten nicht nur im sportlichen Wettbewerb an, sondern auch im politischen. Sie sollen das miserable Image ihrer Heimat polieren und ihrem 'Geliebten Führer' Kim Jong Il wenn schon nicht den Pokal, so doch wenigstens viele Sympathiepunkte mit nach Hause bringen." Eine besondere Rolle kommt Stürmer Jong Tae Se zu. Er ist der Star des Teams, der "Wayne Rooney des Volkes", schreibt Bartsch: "Jongs Verpflichtung ist für Pjöngjang sportlich wie politisch ein Coup, denn er ist einer der wenigen Auslandskoreaner, die sich offen und freiwillig zu Nordkorea bekennen. In Japan als Sohn eines nordkoreanischen Vaters und einer südkoreanischen Mutter geboren, besitzt er die nord- und die südkoreanische Staatsangehörigkeit. Obwohl Jong auch in Südkorea ein Star ist und dort Werbeverträge hat, besteht er darauf, Nordkoreaner zu sein."

Ob die Fans in der Heimat allerdings ihre Lieblinge in Südafrika bestaunen können, steht noch in den Sternen, denn die Übertragungsrechte für die ganze koreanische Halbinsel liegen bei einem südkoreanischen Privatsender, der diese diesmal allerdings nicht umsonst weitergeben will: "Die teuren Rechte kann sich Pjöngjang zwar kaum leisten, aber notfalls die Übertragung auch einfach aus einem anderen Land klauen. Selbst wenn die Fußballer sich einer sauberen Spielweise rühmen - ihre Regierung ist für ihre Fouls berüchtigt."

Donald McRae vom englischen Guardian sprach mit Kameruns Kapitän und Superstar Samuel Eto'o über die erste Fußball-WM auf dem afrikanischen Kontinent, Roger Milla und Rassismus in europäischen Stadien. Besonders das Problem Fremdenhass, wünscht sich Eto'o, könnte durch die Weltmeisterschaft gemildert werden: "Ich hoffe, dass es einen Wandel gibt, denn ich habe dieses Jahr in Italien darunter sehr gelitten. Rassismus ist aber auch in anderen Ländern ein großes Problem. Um diese Belohnung, die WM in Südafrika, zu erhalten, musste ich viel aushalten. Doch jetzt spielen wir in dem Land, in dem mein Idol Nelson Mandela lebt. Das ist unglaublich."

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 4 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Im Auftrag von Kim Jong Il
  2. WM-Mafia
  3. Rhythmus einer komplizierten Choreographie
  4. Kalte Duschen willkommen
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...