Bundestrainer Joachim Löw gilt seit dieser beeindruckenden Weltmeisterschaft als unentbehrlich. Doch die grenzenlose Zustimmung bringt auch ein großes Problem mit sich.
Was es bedeutet, Bundestrainer zu sein, kann niemand sagen, der es nicht selbst war. Der Bundestrainer ist ein Sportlehrer, aber er ist auch ein Staatsmann, sein Wirken reicht tief nach innen und weit nach draußen. Das Abschiedsbild, das sich am Sonntag im DFB-Mannschaftsquartier formierte, war demnach das definitive deutsche Gipfeltreffen: Am Tisch saßen Joachim Löw und der Bundespräsident Christian Wulff, dazu die Kapitäne Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, eine bedeutendere Runde mit wichtigeren Deutschen lässt sich gegenwärtig - zumindest nach dem Maßstab der populären Kultur - nicht bilden.
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Möchte noch in Ruhe darüber nachdenken, ob er Bundestrainer bleibt: Joachim Löw. (© dpa)
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Löw empfing dann vom höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik die angemessene Würdigung für das Werk, das er als Trainer geschaffen hatte. Wobei Wulff auf angenehm unpathetische Weise den tieferen Sinn der DFB-Mission in Südafrika hervorhob, indem er die Nationalelf als ein Stück "buntes Deutschland" beschrieb, "von Boateng bis Özil, von Herrn Schweinsteiger bis Philipp Lahm". Herr Schweinsteiger? Wulff erlaubte sich wohl einen kleinen Spaß. Das präsidiale Pathos kam stattdessen eher von Löw, der von Toleranz, Moral und Miteinander sprach und von Charakterwerten, die seine Mannschaft dargestellt habe. Aber auch diese Worte saßen, sie passten zum Auftritt dieser Mannschaft, die bei dieser WM weit mehr als nur den dritten Platz erreicht hat.
Joachim Löw kann jetzt schlagartig ein ziemlich reicher Mann werden, wenn er bloß ja sagt zum Werben des Präsidenten Theo Zwanziger, bis 2012 Bundestrainer zu bleiben. Der DFB dürfe jetzt nicht geizig sein, raten dem Verband Experten wie der Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Er verweist dabei auf internationale Gepflogenheiten: Ein Mann wie Fabio Capello bekomme in England für wesentlich schlechtere Arbeit wesentlich mehr Geld, argumentiert Rummenigge und warnt Zwanziger, dass es "ein Riesenfehler" wäre, Löw nicht zu halten.
Aber der Münchner Klubchef übersieht dabei, dass es Joachim Löw gar nicht ums Geld geht, jedenfalls nicht in erster Linie. Es geht unter anderem darum, dass jetzt alle Deutschen meinen, dass Löw als Bundestrainer unentbehrlich ist. Dass die Zustimmungsrate ungefähr bei 102 Prozent liegt und selbst berufsmäßige Skeptiker wie Heribert Bruchhagen oder Rummenigge nichts auszusetzen haben. Sicher kostet es den Bundestrainer viel Kraft, wenn er im Alltag den Nörglern und Besserwissern widerstehen muss. Aber am meisten Kraft kostet es vermutlich, wenn alle zustimmen. So wie es jetzt ist: Löw kann niemanden mehr überraschen, wenn er sein Team in die EM-Qualifikation gegen Belgien, die Türkei und Kasachstan schicken wird. Und beim Turnier sollte seine Elf nun schon Europameister werden - mindestens.
Es ist kein Wunder, dass der künftige Verdienstordenträger Jogi Löw überlegt, ob er noch die Energie dazu hat, weiterhin Staatsmann und Bundestrainer zu bleiben.
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(SZ vom 12.07.2010)
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
Löw hat diese Ehrung wirklich verdient. Durch sein revolutionäres Konzept hat Löw das 'Dschungelcamp' in Deutschland gesellschaftfähig gemacht. 23 Millionäre wohnen 5 Wochen lang in einem 5-Sterne Hotel in Südafrika. Genial.
der gut bezahlt wird. Sein ganzes Gehabe war nicht auf den populistischen Wulffbesuch zum Ordenserhalt ausgerichtet, sondern diente der Steigerung seines Marktwertes. Die kommenden Verhandlungen werden durch den 3. Platz nur marginal geschmälert, weil sonst die aufgeputschte Fußballfangemeinde dem Zwanziger Unbill an den Hals wünscht. Selldorf hat in seinem Kommentar mit so bemerkenswerten Sätzen wie diesen: "Löw empfing dann vom höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik die angemessene Würdigung für das Werk, das er als Trainer geschaffen hatte" , seinen zweifelhaften Beitrag dazu geleistet. Ich möchte wissen, was Selldorf durch den Kopf gegangen ist, als er diesen Unsinn zu Papier brachte. Wulff's Ankündigung, Löw einen Orden zu verpassen, ist populistischer Niedergang um sich beim "Volk" einzuschmeicheln, sein Vorgänger, Köhler, hätte sich dazu nicht herabgelassen.
Ich stimme Ihnen großteils zu.
Aber das zu lernen, könnte Jogi sich ja zur Aufgabe stellen.
Völler war genau andersrum gepolt und Klinsi vermutlich von Löw's Vorbeitung abhängig.
...soll ausgewechselt werden.
nicht nur weil Loew keine verbesserung gegenueber 2006 erreichte: man ist schliesslich das letzte mal 2002 in einem finale gewesen, mit den sogenannten rumpelfussballern.
loew hat erreicht dass eine bunte mischung an sportlern anders, eleganter und schneller, fussball spielt, aber es kommt auf das ergebnis an. schon 2006 im eigenen land nur der dritte platz kann nicht als grosser erfolg gesehen werden.
sein festhalten an spielern wie podolski (der wird bei der WM explodieren!) ist ein fehler. er hat keine gute hand beim auswechseln: da wartet er zu lange und reagiert haeufig falsch.
es ist zu hoffen dass man, wenn sich die euphorie ein wenig gelegt hat, die vertragsfrage pragmatischer sieht und, falls man doch verlaengert, dies mit klaren vorgaben tut. und zu den bedingungen des DFB.
sammer, der durch seine ausgezeichnete jugendarbeit diese nationalmanschaft eigentlich geschaffen hat, waere ein guter cheftrainer.
Ein Verlierer schafft es nicht unter die vier besten Teams der Welt. Jede Mannschaft die die Vorrunde überlebt ist schon was besonderes. Dazu kommt die zeitliche Länge der WM. Schütten Sie also bitte nicht gleich das Kind mit dem Bad aus.
Fritzwerts Analyse über die Schwächen des Bundestrainers, stimme ich zu. Aber vielleicht lernt er ja noch dazu. Andere Nationalmannschaften, die bei dieser WM sehr viel früher gescheitert sind, würden Yogi sofort einstellen.
Ich denke, dass Herr Selldorf mit seinem Kommentar recht hat. Rudi Völler gelang in Japan und Korea eine absolute Überraschung nach all den Pleiten in den WM davor. Von Klinsmann wurde schon mehr erwartet. Und er hat uns nicht enttäuscht (auch wenn es nicht ganz gereicht hat).
Wenn Yogi bis 2012 bleibt, dann wird jeder in Deutschland erwarten das unser Team auch Europameister wird. Das deutsche Team wird nicht mehr der Überraschungsgast sein sondern der Favorit. Das ist eine Menge Erwartungsdruck. Auch Jürgen Klinsmann war dieser Erwartungsdruck zu groß.
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