Sie beherrschen das Kurzpassspiel und die Balance zwischen den Mannschaftsteilen: Die Spanier spielen den besten Fußball der Welt. Die Deutschen sind ihre eifrigsten Schüler - noch.
Spanien hat, Gracias a dios, diese Fußball-Weltmeisterschaft gewonnen. Vor vier Wochen noch, da mussten die Freunde des konstruktiven Fußballs um diese Spanier fürchten, als die mauernden Schweizer sie im ersten Spiel entzauberten. Dieses 1:0 aber durch Ottmar Hitzfelds Abwehrriegel war ein hinterlistiges Signal an die WM: Es provozierte den Glauben daran, dass man allein mit einer Alle-Mann-zurück-Strategie und schnellem Konterspiel etwas erreichen könnte in Südafrika.
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Der spanische Titel beweist, dass guter Fußball auf Teamgeist und Talentförderung fußt. (© dpa)
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Diesem Glauben hingen fast alle Mannschaften nach, sogar einige der großen Nationen. Brasilien etwa schien unschlagbar, bis ein unglückliches Gegentor die Südamerikaner völlig aus der Balance brachte. Außer hinten dicht und vorne kontern hatten sie keinen Plan dabei.
Auch die Spanier sind nicht allein wegen ihres perfekten Passspiels oder ihrer unaufhaltsamen Offensive Weltmeister geworden. Das zeigen schon ihre recht einförmigen Ergebnisse in den K.-o.-Spielen: Vier Mal 1:0. Es ist das Lieblingsergebnis aller Fußball-Taktiker und -Wissenschaftler und verdeutlicht, worauf das spanische Spiel neben Tiqui-taka vor allem beruht: dem Gegner den Ball wegzunehmen, und zwar so schnell wie möglich.
Teamgeist und Talentschmiede
Das Pressing gegen eine zaghafte deutsche Mannschaft im Halbfinale war ein Lehrstück für vorgerücktes Verteidigen. Spaniens Gegner hatten kaum Torchancen, und wenn, dann konnten sie sich auf das weltbeste Trio in hinterster Linie verlassen: die Innenverteidiger Carles Puyol und Gerard Piqué sowie Torwart Iker Casillas.
Der spanische Titel zeigt, dass nur eine ausgewogene Balance in allen Mannschaftsteilen dauerhaft Erfolg bringen kann. Er lehrt, dass gute Ausbildung in heimischen Nachwuchszentren irgendwann zu Trophäen bei den Männern führt und dass Mannschaftsgeist und Opferbereitschaft auf dem Platz Grundlagen für große Siege sind. Und er zeigt, dass man auch die profane Strategie Ecke-Tor im Repertoire haben sollte.
Besteht nun die Gefahr einer dauerhaften spanischen Dominanz? Vielleicht. Die Iberer und allen voran der FC Barcelona machen derzeit wenig falsch und es gibt keine Anzeichen, dass sie vorhaben, das demnächst zu ändern. Doch immerhin hat es in Südafrika eine Nation gegeben, die sich ausdrücklich die Spanier zum Vorbild nehmen. Die bisweilen sogar noch spanischer spielte als die Spanier selbst, um dann doch an ihrem Vorbild zu scheitern.
Das Deutschland von Bundestrainer Joachim Löw versuchte, eine Balance herzustellen zwischen Offensive und Defensive, es integrierte erste Gesandten aus den noch jungen Nachwuchszentren. Und Mannschaftsgeist ist ohnehin eine deutsche Erfindung. Die Orientierung am spanischen Vorbild war eine gute Idee. Bis 2012 in Polen und der Ukraine oder Brasilien 2014 könnte aus dem deutschen Schüler ein ernsthafter Konkurrent erwachsen sein.
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(sueddeutsche.de/hum/leja)
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... oder auch Katz und Maus. Während im Erdgeschoss des Halbfinales wieselflinke Ballartisten sich ein vom eigentlichen Spiel unabhängiges Stelldichein zu geben schienen, wie ein Rendezvous unter Aufsicht, der monoton gleichgültige Durchlauf eines Spielautomaten, für den unter den teilnahmslosen Augen einer übrigen Welt immer neue Münzen nachgeworfen werden, ein johlendes Spektakel gleichmäßig abgerichteter Gladiatoren: Spaniens Fußball darf sich hierin nicht erschöpfen, er verdient weitere Dimensionen, mehr Eleganz, mehr Emotion, mehr Dialog, weniger Hispanität. Sonst könnten die Spiele der Zukunft Scheuklappenspiele zweier perfekt funktionierender autonomer Teams sein, die in Ausübung blinden Verständnisses und Gehorsams aneinander vorbei spielen. Für ein fußballbegeistertes Publikum eher eine leblose, in Bewegung erstarrende Durchdringungsstruktur autonomer Systeme.
Viel Ballbesitz, schöne Staffetten, aber wenig Zug vor‘s Tor (dort wird es ja auch enger). Die besseren Chancen zum Führungstor hatten Kroos und Robben, beide müssen treffen und dann muss Spanien Ernst machen, nicht nur überlegen sein. Habe nur ich beim zweiten Robben-Sprint ein Klammern von Puyol gesehen? Vorteil abwarten, dann zweite Gelbe für Puyol und Spanien nur noch mit 10 Mann.
Mein Vorwurf an Löw wäre, dass er nach dem 0:1 nicht sofort volles Riskiko gespielt hat: Klose und Khedira raus, Gomez und Kießling rein und hohe Bälle spielen lassen.
...solange Jogi Löw kein Gegenmittel gegen den spanischen Stil findet. Denn dann bleibt dei DFB-Elf auch in Zukunft imer 2ter, 3er oder 4ter, für immer. Was die Nationalmanschaft gezeigt hat, war schon erbärmlich, das muss man ganz ehrlich festhalten. Sie wurden viel gelobt, zunächst, aber es ist auch mal Zeit für Kritik, und die darf nicht zu knapp ausfallen. Auch für Jogi, denn ER hätte die Manschaft einstellen müssen, er hätte - nach dem Fainalaus in Österreich 2008 - genau wissen müssen wie die Spanier aufspielen, und entsprechend hätte er reagieren müssen. Das kapier ich immer noch nicht, tut mir Leid.
den spanischen Fußball als "langweilig" zu bezeichnen, ist wirklich gewagt. Wo war eigentlich die deutsche Mannschaft im Halbfinalspiel gegen Spanien? Ach, die schwarz/weisse Wand am Strafraum. Vor über 30 Jahren war es üblich, am eigenen Strafraum auf den Gegner zu warten, um dann, durch einen gezielten Konter, ein Tor zu erzielen. Kommt ihnen diese Taktik bekannt vor?
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