Wintertransfers der Bundesliga Erst mal ausleihen

Igor de Camargo: Panikpersonalie oder langfristige Investition?

(Foto: dapd)

Wer in den letzten Tagen Transfermeldungen gelesen hat, der begegnete sehr oft Meldungen über Leihgeschäfte. Am Donnerstag endet die Winter-Transferperiode, und schon jetzt steht fest, dass der Bundesliga wieder ein sagenhafter Rekord gelungen ist. Knapp 30 Profis sind im Januar ge- oder verliehen worden. Nur der Trendsetter macht diesmal nicht mit.

Ein Kommentar von Christof Kneer

Unter Leihexperten gelten drei goldene Regeln. Erstens: Gehe mit Geliehenem so sorgfältig um wie mit deinem Eigentum. Zweitens: Verleihe das Geliehene nicht einfach weiter. Drittens: Gebe das Geliehene gereinigt und vollständig zurück. In den Alltag übersetzt, bedeutet das, dass Dortmunds Trainer Jürgen Klopp den geliehenen Nuri Sahin genauso oft in den Arm nehmen muss wie Ilkay Gündogan.

Es bedeutet, dass Schalke 04 die geliehenen Bastos und Raffael bei Nichtgefallen nicht weiterreichen darf, nach Hoffenheim oder Machatschkala. Und es bedeutet, dass Hoffenheim den geliehenen Igor de Camargo vor der Rückgabe an Mönchengladbach erst auf die Vollzähligkeit von Beinen und Kreuzbändern überprüfen sollte und ihn dann noch einmal sandstrahlt und gründlich entrostet.

Es dauert wahrscheinlich nicht mehr lange, bis die drei goldenen Regeln Eingang finden in die Lizenzspielerverträge und die Statuten der Deutschen Fußball Liga. Wer in den letzten Stunden/Tagen einer Transfermeldung begegnet ist, der begegnete Überschriften wie: HSV-Scharner vor England-Leihe. Oder: Neu: Lakic-Leihe perfekt. Oder: Leihspieler Macheda - Bobic feilscht um Kaufoption.

Am Donnerstag endet die Winter-Transferperiode, und schon jetzt steht fest, dass dem Premiumprodukt Bundesliga wieder ein sagenhafter Rekord gelungen ist. Knapp 30 Profis sind im Januar ge- oder verliehen worden, was auch, aber nicht nur mit Wolfsburg zu tun hat; der VfL muss von seiner Gehaltsliste ja mehr überflüssige Spieler streichen als der VfB Stuttgart überhaupt hat.

Aber auch jenseits des Mittellandkanals hat sich ein Geschäftsmodell zugespitzt, das lange als so seriös galt wie der Verkauf einer Marken-Sonnenbrille am Touristenstrand. Klubs wie der 1. FC Nürnberg haben diesem Modell zuletzt aber einen so sauberen Leumund verpasst, dass die Liga zumindest das Winterleasing als flexible Variante erkannt hat.

Schalke kann nun abwarten, ob Champions-League-Einnahmen einen Kauf von Bastos und Raffael ermöglichen; Frankfurt kann abwarten, ob es sich Lakic im Europacup vielleicht leisten kann; Hoffenheim kann abwarten, ob sich de Camargo als Panikpersonalie erweist. Und die verleihenden Klubs dürfen hoffen, dass sie ihre Reservisten mit ein bisschen Spielpraxis, vielleicht sogar mit einer kleinen Wertsteigerung zurückbekommen.

Nur der Trendsetter hat sich von seinem Modell abgewendet. Der 1. FC Nürnberg hat im Winter drei Spieler geholt, und er hat sie alle drei gekauft.