Wahl zum Weltfußballer Messi, Fußballkönig bis 2017

Niemand außer Joachim Löw zweifelt die Eignung von Lionel Messi zum Weltfußballer an, auch wenn dies der Branche ein hohes Maß an Langweiligkeit beschert. Messi dürfte auch in den kommenden Jahren unangefochten sein. Die Auswahl der Weltelf hingegen muss hinterfragt werden.

Ein Kommentar von Carsten Eberts

Auch Joachim Löw durfte abstimmen, qua seines Amtes als deutscher Bundestrainer - und er bewegte sich eindeutig gegen den Trend. Löw entschied sich für Manuel Neuer und Mesut Özil, seine Nationalspieler. Sie gingen auf den Plätzen 14 und 19 ins Ziel, das sind 13 beziehungsweise 18 Plätze hinter Lionel Messi, der die Wahl zum Weltfußballer zum vierten Mal in Serie gewann. Der Bundestrainer wird es verschmerzen, doch er stand mit seinem Votum ziemlich alleine da.

Eine Wahl grundsätzlich anzuzweifeln, bei dem der Fußball-Weltverband Fifa eine Rolle spielt, mag sich bewährt haben. Bei der Kür zum Weltfußballer liegen die Dinge etwas anders. Seit 2010 wird die Wahl von der Fifa und der Zeitschrift France Football gemeinsam durchgeführt. Die Stimmen kommen von den Nationaltrainern, deren Kapitänen sowie ausgewählten Journalisten. Hinterher wird sogar bekanntgegeben, wer welchen Kandidaten präferiert hat - Mauscheleien im großen Stil scheinen ausgeschlossen (anders als etwa bei der Vergabe von Weltmeisterschaften nach Russland oder Katar).

Messis Wahl zum Weltfußballer spiegelt also durchaus die Gesetzmäßigkeiten der Branche wider. Diesmal votierten 41,6 Prozent für ihn, mit seinem vierten Titel überholte der Argentinier sogar Kickergrößen wie Michel Platini, Johan Cruyff und Marco van Basten, die dreimal siegten. Das ist einerseits schade, denn Profisport lebt von Veränderungen. Nichts ist langweiliger als ein Wettbewerb, der in bester CSU-in-Bayern-Manier keinen Überraschungssieger zulässt.

Doch was hätten die Kapitäne, Trainer und Journalisten tun sollen? Wider besseres Wissen einen anderen wählen? Womöglich. Auch Andrés Iniesta oder Xavi hätten die Auszeichnung verdient. Beide spielen ebenfalls in Barcelona, organisieren das Spiel auf höchstem Niveau und ermöglichen ihrem Frontmann Messi, öffentlichkeitswirksam zu brillieren.

Doch einen unauffälligen Spieldenker bei der Wahl einem flinken Torschützen vorzuziehen, so weit ist der Weltfußball noch nicht. Deshalb ist erneut Messi der beste Fußballer des Planeten. Der Argentinier ist wertvoller für sein Team als etwa Cristiano Ronaldo, der Zweitplatzierte. Er spielt in wichtigen Partien auf höherem Niveau und schießt - das nur am Rande - die meisten Tore von allen. Verletzt er sich nicht und wird er nicht überheblich, dürfte er die Auszeichnung auch in den kommenden fünf Jahren einheimsen.

Enorme Wertschätzung für Spieler aus Spanien

Was sich die Juroren bei ihrer Vergabe tatsächlich ankreiden lassen müssen, ist die Zusammensetzung der Mannschaft des Jahres. Alle elf ausgezeichneten Spieler verdienen ihr Geld in der hochgeschätzten spanischen Liga, spielen mit Ausnahme des für Atlético Madrid kickenden Kolumbianers Falcao bei den Großklubs Real Madrid und FC Barcelona.

Nicht nur die Anhänger deutscher Profis werden feststellen, dass kein Spieler dieser vermeintlichen Weltelf das Endspiel des wichtigsten Klubwettbewerbs erreichte. Barcelona und Real verfügen über eine enorme Strahlkraft, scheiterten jedoch im Halbfinale der Champions League. Auch Falcao entschied mit Atlético nur die zweitklassige Europa League für sich. Lediglich sechs dieser elf Spieler gewannen 2012 einen kontinentalen Wettbewerb, wurden mit Spanien Europameister. Die übrigen holten 2012 gar keinen internationalen Titel.

Nun muss die Weltauswahl der Fifa nicht zwingend den Ergebnissen der Champions League Rechnung tragen und auschließlich mit Angestellten der Finalisten Chelsea und München bestückt sein. Die Spieler aus Spanien haben sich ihre Ehrung in den vergangenen Jahren nachhaltig erarbeitet. Ihr Standing ist in der Branche, die sie erneut wählte, womöglich noch größer als bei den Fußballfans. Ein Plätzchen für den Franzosen Franck Ribéry unter den besten Fußballern des Planeten wäre trotzdem kein Frevel gewesen.