Wahl zum Fifa-Präsidenten Blatter-Herausforderer lauert im Schatten

Wer kandidiert gegen ihn? Fifa-Chef Sepp Blatter

(Foto: AFP)

Die Uefa setzt wegen der Fifa-Affären alles daran, Sepp Blatters Wiederwahl zu verhindern. Der Patron des Weltfußballverbandes soll einen echten Herausforderer bekommen. Der allerdings nicht aus Europa stammt.

Von Thomas Kistner

Zumindest eine unausweichliche Konsequenz aus der Fifa-Krise gibt es: Sepp Blatter wird einen echten Herausforderer haben bei der Präsidentenwahl im Mai. Auch wenn im Lager der Europäischen Fußballunion nicht jeder weiß, um welchen Schattenkandidaten es geht. Er soll nach SZ-Informationen von einem anderen Kontinent stammen, aber weitreichende Unterstützung durch die Uefa erhalten, deren Präsident Michel Platini ihn schon seit Monaten bearbeitet. Damals hatte der Franzose entschieden, dass er nicht selbst fürs Fifa-Spitzenamt kandidiert.

Erst der gescheiterte Versuch der Fifa, sich über ein internes Ethikverfahren reinzuwaschen von der hauseigenen Korruption, nun das Spiel auf Zeit, indem sie ihren defizitären Ethikbericht der Berner Bundesanwaltschaft zugestellt hat, die erst einmal viel zu schmökern hat: Blatters Organisation hat einen Schub an Affären in Gang gesetzt, der die gesamte Fußballgemeinde belastet. Am heftigsten die Uefa, in deren Reich das Gros der Topspieler und -klubs zugange ist und die das meiste Geld akquiriert.

Der Uefa-Spitze ist klar, dass der verheerende Imageverfall im Weltfußball weitergehen wird, falls Blatter nach der Wahl im Mai in seine fünfte Amtszeit ziehen sollte, mit dann 79 Jahren. Sie hatte sich schon im Juni, zu WM-Beginn in Brasilien, massiv gegen Blatter positioniert und erklärt, sie werde auch einen Gegenkandidaten unterstützen, der nicht aus Europa stammt.

Blatters bisher einziger offizieller Herausforderer kommt aber nicht infrage für die Uefa: Jerome Champagne, der (bis zum Rauswurf 2010) zehn Jahre als Blatters außenpolitischer Berater und stellvertretender Fifa-General gewirkt hatte. Der Franzose gilt zwar als eine substantiell starke Alternative, das Manko des Ex-Diplomaten ist aber, dass er Blatter nicht für die Fehlentwicklungen verantwortlich macht; obwohl dieser die Fifa seit Jahrzehnten lenkt.

In der westlichen Welt und damit im Kernland des Fußballs wächst der Druck auf die Uefa. Dass sie das Blatter-Regnum mit allen Mitteln beenden muss, wird zur Glaubwürdigkeitsfrage. Spitzenfunktionäre aus England und Deutschland erhöhen den Druck auf die Fifa mit offen diskutierten Boykott- und Scheidungsszenarien. Nun sagte Wolfgang Niersbach der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, er schließe "nicht aus, dass es bis zum 24. Januar doch noch einen europäischen Kandidaten geben wird". Den Namen dieses Europäers nannte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes nicht, doch werde die Option gerade innerhalb der Uefa besprochen.

"Wundern oder fremdschämen"

Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga fühlt sich von der Fifa nicht mehr vertreten und bringt einen WM-Boykott ins Gespräch. Im SZ-Interview erklärt Christian Seifert außerdem, warum der Einfluss von Investoren klarer geregelt werden muss. Von Moritz Kielbassa und Christof Kneer mehr ...

Dazu heißt es nun in Platinis engem Umfeld, tatsächlich bearbeite der Franzose "ernsthaft" einen Kandidaten; der sei aber kein Europäer. Selbst in Uefa-Kreisen sei dieser Schattenkandidat noch weithin unbekannt. Die Spur führt gemäß SZ-Informationen nach Asien - wohin sich die Mächte im Sport ohnehin stark verschieben. Bei den letzten großen Personenwahlen im Internationalen Olympischen Komitee und der Dachorganisation aller Verbände, Sportaccord, tat sich Scheich Ahmed al-Sabah aus Kuwait als zentraler Stimmbeschaffer hervor. Überdies finden fast alle Großturniere der nächsten Jahre in Asien, Arabien und an Europas Ostzipfeln statt.

Auch braucht ein Kandidat, der gegen den abgebrühten Blatter antritt, starke Finanziers. Wie stark, das geht gerade wieder aus dem Innenleben der Fifa hervor. Inmitten dieser Chaostage erhielten die Mitgliedsverbände nun Briefe, die sie an den von Blatter im Juni ausgelobten Zusatzbonus erinnern: Bus zu 500 000 Dollar pro Verband. Wen werden da wohl Funktionäre von Bhutan bis Eritrea wählen, wenn kurz zuvor der Fifa-Reibach bei ihnen eintrifft? Auf den Konten von Dutzenden Verbänden, die nicht mal einen echten Spielbetrieb unterhalten.