Vor dem Aufstieg des Red-Bull-Klubs Leipzig putscht die Liga auf

Jubel im Leipziger Stadion: Der Aufstieg rückt immer näher

(Foto: dpa)

RB Leipzig steht vor dem Aufstieg in die zweite Liga und sorgt damit für Aufregung im deutschen Fußball. Wie viel Marke darf, wie viel Tradition muss sein? Ein Fanforscher sagt dazu: "Kein deutscher Verein hat Tradition."

Von Saskia Aleythe

So laut war es in Leipzig schon lange nicht mehr. Fast 40 000 Menschen sammelten sich am Ostersamstag im ehemaligen Zentralstadion, um sich die Partie zwischen RB Leipzig und SV Darmstadt 98 (1:0) anzuschauen. Die RB-Anhänger hatten allen Grund zum Jubeln - doch während sie sich freuen, vergeht anderen Fußballfans die Laune. Leipzig fiebert dem Aufstieg entgegen. Der Rest bangt vor dem unheimlichen Neuling.

RasenBallsport Leipzig erhitzt die deutsche Fußball-Fanszene, wie es schon lange kein Verein mehr getan hat. Am Samstag könnte der von Red Bull finanzierte Klub den Aufstieg in die zweite Liga perfekt machen - ein Graus für viele Fußballanhänger jenseits der sächsischen Großstadt. Das Fußballmagazin 11 Freunde bezeichnete den Klub unlängst als "schallende Ohrfeige für die Fußballkultur".

Ausgeliehende Hosen sorgen für Eklat

Abneigung kennt der Verein seit seinem Bestehen. Immer wieder sagten andere Klubs Testspiele ab, weil sich die Fans dem von Dietrich Mateschitz gesponserten Verein entgegenstemmten. Im Februar entbrannte ein Hosen-Eklat beim Halleschen FC, weil sich die Hallenser U17 in einem Freundschaftsspiel Hosen der Leipziger U16 geborgt hatte. HFC-Trainer Gilbert Hernandez musste sich anschließend bei seinem eigenen Klub entschuldigen. Hassgesänge und -banner während der Spieltage sind für die Leipziger längst Normalität.

Mit dem nahenden Aufstieg ist nun eine alte Debatte neu entbrannt: Was darf der (moderne) Fußball? Wann ist er mehr Marke als Sport? Und wie bedrohlich sind Vereine wie RB Leipzig für die gesamte Sportart in Deutschland?

RB zieht viel Kritik auf sich, am Griffigsten davon ist der laxe Umgang mit der 50+1 - Regel. Die Hürden einer Mitgliedschaft sind mit 800 Euro Jahresbeitrag so hoch, dass sich seit der Gründung des Vereins im Jahr 2009 bisher nur neun Fans auch Mitglieder nennen dürfen. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) erteilte dem Klub die Zweitliga-Lizenz am Dienstag nur unter Auflagen.

"Fußball ist für uns ein Hort der Demokratie", sagt Sig Zelt, Sprecher der überregionalen Fanorganisation ProFans, "und wenn diese Werte vergehen, die uns lieb sind, dann stirbt auch irgendwann unsere Fanszene aus, so wie sie jetzt ist". In einem Acht-Punkte-Plan, den sich die Organisation erarbeitet hat, wendet sie sich ausdrücklich an Fans, die gegen Kommerzialisierung des Fußballs einstehen. Dass ProFans auch Anhänger von RB Leipzig vertreten wird, kann sich Zelt nicht vorstellen: "Die Fans, die bei uns vertreten sind, müssten sich schon sehr wandeln, damit es eine richtige Akzeptanz für RB-Fans gäbe."