VfB-Stürmer Julian Schieber Neustart beim Wiedersehen

Erst war Julian Schieber lange verletzt, dann kam er nicht in Form. Also verpflichtete der VfB Stuttgart einen weiteren Stürmer: Vedad Ibisevic. Dieser fehlt nun ausgerechnet gegen Schiebers früheren Klub, den 1. FC Nürnberg. Das eröffnet dem VfB-Talent eine neue Chance.

Von Christof Kneer

Der VfB Stuttgart wird das Spiel gegen Nürnberg nicht absagen. Sie werden nicht den Rasen unter Wasser setzen, nicht die Zufahrtswege zum Stadion sperren und auch sonst keinerlei Sabotage veranlassen, die dieses Spiel verhindern könnte. Sie trauen sich was, die Stuttgarter, sie treten am Sonntag an, obwohl Vedad Ibisevic gesperrt ist. Zwar könnte man darauf verweisen, dass der VfB einen Teil seiner 118,5 Jahre Vereinsjahre auch ohne Ibisevic überlebt hat, nämlich exakt 118,3.

Schieber im Spiel gegen Hoffenheim: Am liebsten als Mittelstürmer

(Foto: dpa)

Seit Ibisevic aber im Januar aus Hoffenheim zum VfB überlief, wird man das Gefühl nicht los, dass es dieser Stürmer bereits zu einem der wichtigeren Profis der Klubgeschichte gebracht hat. Das ist zwar übertrieben, aber es ist auch nicht zu übersehen, wie sehr Ibisevics konkreter Spielstil den selbstzweifelnden VfB erfrischt hat.

Die Geschichte von Vedad Ibisevic ist die Geschichte von Julian Schieber, und umgekehrt. Nun, da Schiebers alter und neuer Verein (VfB) seinem vorübergehenden Verein (Nürnberg) begegnet, fällt der Branche erst auf, dass sie da einen vielversprechenden Stürmer aus den Augen verloren hat. Was macht eigentlich dieser Schieber, der mal auf Joachim Löws Liste stand? Eine gute Frage.

Eine verschleppte Verletzung

Was Schieber am Sonntag macht, ist sicher, er wird spielen gegen den Club. Nicht sicher ist, ob er Ibisevics Position im Sturmzentrum übernimmt, oder ob er sich am Flügel versuchen muss, wie zuletzt, als Vertreter des verletzten Okazaki. "Ich habe Mittelstürmer gelernt, da fühle ich mich am wohlsten", sagt er, ergänzt aber tapfer, "dass man links vorne ja auch zur Offensivabteilung gehört".

Julian Schieber bleibt zurzeit nicht mehr übrig, als sein Schicksal sportlich zu nehmen. Seine Geschichte zeigt, was passiert, wenn die Zukunft sich selbstständig macht. Wenn sie ihren eigenen Kopf hat und alle Pläne leise verhöhnt. Schiebers Zukunft klang ja so einleuchtend, sie schien so seriös vorausberechnet zu sein: Er, der sich beim VfB "als kleiner Jugendspieler" (Schieber) nicht ernst genommen fühlte, wurde nach Nürnberg verliehen, wo er zum Mann reifte.