Verletzung von Bayern-Spieler Thiago Operation Barcelona

Kann vorerst nicht Fußball spielen: Thiago

(Foto: Rene Ruprecht/dpa)

Die Bayern verkünden die nächste Wendung in einem heiklen Fall: Thiago lässt sich nun doch in Barcelona operieren. Das Gezerre um den Spieler gewährt tiefere Einblicke in die Vereinsstrukturen, als dem Klub recht sein kann.

Von Christof Kneer

Thiago Alcántara war nicht an Bord der Reisegruppe, die am Montag zum Champions-League-Spiel nach Rom aufbrach. Das war keine Überraschung, der Spanier hat sich gerade zum dritten Mal das Innenband im rechten Knie gerissen. Überraschend war eher, dass Thiago sich zur selben Zeit an einem anderen Champions-League-Ort aufhielt: in Barcelona, wo er am Dienstag operiert wird - ein Fakt, den der FC Bayern am Montag bestätigte.

Mehr bestätigen sie gerade nicht in München, aus gutem Grund. Der Fall Thiago ist heikel, er lässt tiefere Einblicke ins Innenleben des Klubs zu, als dem Verein Recht sein kann. So hat sich vor dem Abflug auch Klubchef Rummenigge vor die Reporter gestellt, die Bayern wollen die Deutungshoheit über den Fall zurückgewinnen - zumal Bild über eine angebliche Krisensitzung der Bosse nach dem Bremen-Spiel berichtete. Rummenigges Sätze waren der Versuch, eine eskalierende Debatte zu deeskalieren; er sprach von "falschen Fakten und Unwahrheiten", es gebe "keinen medizinischen Dissens bei Bayern München".

Zwei Männer, die sich einander herzlich misstrauen

Dass sich Trainer Pep Guardiola und Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hervorragend verstehen, hat Rummenigge dann aber doch nicht behauptet.

Es ist kein Geheimnis, dass die beiden stolzen Männer einander herzlich misstrauen. Guardiola ist aus Barcelona kurze Wege gewohnt, er kennt es so, dass der Arzt ständig greifbar und außerdem eine Art Dienstleister des Trainers ist. Müller-Wohlfahrt und Bayern praktizieren es seit Jahrzehnten anders, der Arzt hat seine Praxis in der Innenstadt, dort werden die Diagnosen erstellt, und dann entscheidet der Fitnessstab autonom und trainerunabhängig, wie mit dem Patienten verfahren wird.

Fast Heiligen-Status erreicht

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Es war eine Art Tabubruch, als Guardiola Thiago im März eine Behandlung in Barcelona empfahl. Die Bayern haben Thiago reisen lassen, obwohl sie anderer Meinung waren - prompt brach die Blessur im Mai wieder auf. Da die Bayern die Entscheidung aber offiziell mitgetragen haben, versuchen sie jetzt, den Fall - zumindest nach außen - vorwurfsfrei durchzumoderieren. "Es waren einfach unglückliche Zusammenhänge", sagte Rummenigge. Thiago habe vor der WM eben "schnell fit werden" wollen, "deshalb hat er vielleicht die Dinge vom Zeithorizont her verkürzen wollen". Es sei "vielleicht ein großer Fehler gewesen", den Spieler damals nach Barcelona zu schicken, hat Guardiola inzwischen eingeräumt; umso erstaunlicher, dass Thiago jetzt erneut in Spanien ist und Guardiola diese Entscheidung ausdrücklich begrüßte. "Thiago ist dort in besten Händen", sagte der Trainer. Dass die Bayern für die aktuelle OP den vertrauten Dr. Steadman in Vail favorisiert hätten, bestätigen sie offiziell nicht. Sie haben aber dafür gesorgt, dass bei dem Eingriff ein Arzt des FC Bayern anwesend sein wird.